Lýsingurs Tagebuch (2005)

Teil 1 (2005)  / Teil 2 (2006)  /  Teil 3 (2007) / Teil 4 (2008) Teil 5 (2009)

Islandpferde
Einem jeden, der sie reitet,
naht sein Glücksstern sich im Raum,
Leid verweht, das Leben gleitet,
leicht dahin - ein schöner Traum.
(Páll Olafsson)

 

Wenn der Traum vom Pferd zum Traumpferd wird

Das hier ist  die Seite von meinem Islandpferd Lýsingur, genannt Lissy. Mit 33 Jahren erfüllte ich mir einen Kindheitstraum und kaufte mir ein eigenes Pferd.

Hier möchte ich ein wenig berichten, wie ich und natürlich auch Lissy mit all den neuen Situationen zurecht kamen.

Aber erst mal, wie alles begann:

Mit dem Reiten angefangen habe ich mit 11 Jahren in einem Sommerkurs auf Großpferden. ich saß zum ersten Mal drauf, das Pferd geht durch ich mache einen doppelten Salto, harte Landung... und danke... Danach hatte ich nur noch Angst.
Um mir zu helfen haben die netten Laute in dem Reitstall mich dann auf ein Shetty gesetzt, schön nah am Boden und die Tochter des Reitlehrers hat mich auf einem lieben Großpferd an die Longe genommen. Dann wurde es besser mit der Angst. Ich habe den Kurs beendet, indem ich mit dem Shetty wild durch die Bahn galoppierte, genau wie die anderen Kinder auch. Der Pferdevirus war nun eingepflanzt, aber irgendwie war es in unserer Familie nicht üblich ein "solches" Hobby zu haben, viel zu teuer und sowas...


Ich hatte dann eine Reitpause bis ich 15 oder16 war. Über meinen Bruder bekam ich das Angebot dass ich auf dem Hof seines Arbeitskollegen die Abteilungspferde reiten könnte in den Ferien...,das war toll, ich hatte dort sowohl Ponys als auch Großpferde und wenn der Reitlehrer Zeit hatte, schaute er zu und gab mir Tipps. Das machte ich dann zwei Jahre lang in Oster-, Sommer-, und Herbstferien. Aber dann kam eben die Zeit meiner Ausbildung und Freunde, Weggehen...die Pferde traten in den Hintergrund.

Ich hatte wieder eine Reitpause...bis ich ca. 24 war. Dann lernte ich eine Frau mit Islandpferden kennen, die einen neuen Platz für diese suchte. So kam ich auf den Stormurhof, nahm dort auch Unterricht. Ich habe früher oft Rückenprobleme gehabt, aber seit ich auf Isländern reite sind die fast weg...

Nun reite ich seit ca. 8 Jahren dort, meist Schulpferde. Ich hatte kurz eine Reitbeteiligung und kann mir gar nicht vorstellen, einmal nicht mehr zu reiten. Auch als ich schwanger war bin ich geritten, bis weit in den fünften Monat hinein, bis die Hose nicht mehr passte. Und sobald wie möglich nach der Geburt kehrte ich in den Sattel zurück. Und ich werde  nicht mit dem Reiten aufhören, bis ich irgendwann nicht mehr in den Sattel komme...das ist sicher.

Was kostet ein "Freund"?

Tja, ein eigenes Pferd, das schwirrte mir schon lange im Kopf herum, eigentlich seit jenem Sommer, als ich den Kurs machte. Aber damals war es ein unerfüllbarer Kindertraum, der aber immer im Kopf blieb und mit jedem Pferd wuchs, welches mein Leben verließ, sei es durch Verkauf oder auch Tod. Nun wurde es eng in diesem Jahr, denn als meine Reitbeteiligung recht plötzlich endete, hatte ich gerade noch 2 Pferde auf dem Hof, die ich regelmäßig reiten konnte, eines davon ist auch kein Isländer. Meine Lieblingsstute bekommt ein Fohlen und fällt lange Zeit im Schulbetrieb aus. Kurz und gut, es musste sorgfältig überlegt werden, gut gerechnet und geplant. Aber dann war es soweit, ich begann mit der Suche nach dem "Freund fürs Leben". Die Pferdebörsen im Internet zeigten mir schnell, dass mein Erspartes knapp werden könnte, doch ich ließ mich nicht entmutigen. Ich suchte ja keinen Turniercrack, sondern ehrlich gesagt, ein Kuschelpony mit starken Nerven und sonnigem Gemüt. Da fand ich in der IPZV Pferdebörse eine Anzeige, die mich aufmerksam machte...

 

 

Lýsingur                                                                                                                       

 

Geschlecht:   Wallach

geb.:      1991 / Deutschland                                                                                                                              Das Bild ist unvorteilhaft, aber er schaut so lieb...

Farbe:   Fuchs / wg.Sth.Aalstr.                                                                                                                          


Veranlagung / Beschreibung:

- Tölt vorhanden
- Rennpass vorhanden
- als Freizeitpferd geeignet
 

... Das Pferd ist fünfgängig, wobei der Trab, mangels Ausbildung, nicht sauber vorhanden ist. Der Wallach geht beidhändig an der Longe, Angebunden-Sein, sowie das Still-Stehen für den Schmied ist er gewohnt. Er ist überaus gelehrig und hat ein freundliches Gemüt. Lýsingur ist angeritten. ... Es sollte gewährleistet werden, dass er reduzierte Futtermengen oder viel Bewegung bekommt, da er etwas dick ist. Hier ist das leider schwer durchführbar, da er mit seiner Herde ständig Zugang zu den großen Weideflächen hat. Das Pferd ist entwurmt, geimpft und gesund; es hatte bisher keine Erkrankungen. Eine positive Ankaufsuntersuchung liegt vor...

Preisvorstellung:

1.500 EUR

 

Pferdeschau:

Na, dass klang doch toll, dachte ich mir. Aber wie groß ist dieses Wundertier? Ich habe dann angerufen, weil es wirklich im Bauch gekribbelt hat. Und ich erfuhr von einer sehr netten Dame (Inge), dass der Lissy "gut 1,38" groß ist und recht kräftig. Wir redeten sicher eine halbe Stunde und dann machten wir einen Termin aus, für den nächsten Samstag. An diesem denkwürdigen Tag lud ich meinen Sohn ins Auto, samt Patentante und zur Verstärkung nahmen wir noch meine Reitlehrerin (Doris) und eine weitere Freundin (Katrin) vom Hof mit, denn ich habe leider zu wenig Ahnung vom Gebäude oder Gangveranlagung, ich hätte mir jedes Pferd gekauft, das mich lieb angeschaut hätte.

Als ich den Lýsingur dann endlich in Natura sah, dachte ich zuerst mal, dass er wirklich groß ist und vor allem FETT. Aber dann war da diese weiche Nase, die mich stubste, zärtlich meinen Sohn begrüßte, der das Pferdchen gleich anhimmelte und diese lieben Augen...was sind da schon ein paar Kilo zuviel, die hab ich ja auch.

Die Tochter der Züchterin, Dorothee, welche sich sonst um ihn kümmerte, brachte uns dann auf den Reitplatz und zeigte uns seine Gänge zuerst mal vom Boden aus. Gut, kein Trab, der Tölt noch etwas passig, aber ein netter Galopp. Das Pony ist aufmerksam, munter und scheint Spaß zu haben. Dann reitet sie ihn in Schritt und Tölt vor, mehr kann er im Moment eben nicht, da ihm Training und somit Kondition fehlt. Aber daran wird nun gearbeitet. Schließlich schwang ich mich auf das "Tönnchen", komisches Gefühl, ziemlich breit, aber gemütlich. Mit mir auf dem Rücken schaffte er dann nur einen langsamen Schritt, aber er ging munter vorwärts und war sehr aufmerksam. Ich fühlte mich total sicher und angstfrei.

Die ganze lange Rückfahrt redeten wir über die Vor- und Nachteile eines eventuellen Kaufs gesprochen, aber der einzige Nachteil der uns einfiel war, dass er eben zu dick ist. Alles andere könnten wir schon wieder hinbekommen. Ich überschlief es eine Nacht lang, doch am Morgen wollte ich ihn immer noch haben. Also habe ich angerufen und Bescheid gesagt, dass ich ihn haben möchte. Mein Mann stand vom ersten Moment an hinter mir und meine Familie habe ich nach ein paar Anlaufschwierigkeiten dann auch überzeugt, dass ich es packen kann. Nun werden wir sehen, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe, aber im Moment bin ich mir da noch ganz sicher.

 

Lýsingurs Tagebuch:

26. Januar 2005

Um 17.20 Uhr hatte Lissy sein neues Zuhause erreicht und stieg genauso aus dem Hänger, wie er hineinging. Er hatte sogar geäppelt unterwegs. Gemerkt hatte man während der Fahrt nichts von ihm, ich hatte schon Befürchtungen, er wäre gar nicht mehr im Hänger. Auf dem Hof hat er sich erst mal sehr neugierig umgesehen und ist dann mit mir in den Paddock gegangen, wo er ein wenig leckeres Heu vorfand, welches ihm sichtlich schmeckte. Dann musste er noch Pieseln, beschnupperte die zwei Pferde im Nebenpaddock (sehr freundlicher Kontakt) und inspizierte dann erst mal alles, was ihm vor die Nüstern kam. Anschließend knuddelten mein Sohn und ich ihn noch mal ordentlich und machten uns auf den Nachhauseweg. Das letzte was ich von ihm sah, war der Hintern eines zufrieden kauenden Ponys.

27. Januar 2005

Ich habe ihn aus dem Paddock geholt und erst mal geputzt, obwohl er kaum dreckig war. Er war sehr schmusig und sehr kooperativ. Aber er musste alles genau beschuppern und beim Auskratzen der Hufe immer gegen meinen Hintern stubsen.

Dann haben wir meinen Sohn auf den Schlitten gesetzt, den Lissy ans Halfter genommen und sind eine kleine Runde um den Hof gelaufen. Sehr aufregend. Lissy hat sich immer wieder an mich gedrückt, ich hatte schon Befürchtungen, dass er auf den Arm will... Aber er ging immer wieder vorwärts und schaute sich alles genau an. Am besten haben ihm die Grashalme gefallen, die er unter dem Schnee fand, als er darin scharrte.

Zurück auf dem Hof hab ich ihn noch ein paar Runden laufen gelassen, was ihm gut gefallen hat, er ist richtig flott geworden. Dann hab ich ihn noch mal übergeputzt, er bekam ein paar Möhren und wurde noch mal ordentlich geknuddelt. Dann durfte er zurück in den Paddock. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht mit uns beiden...

28. Januar 2005

Heute war es echt schön mit Lissy. Ich hab ihn wieder erst ausgiebig geputzt, was aber nicht nötig war, er ist einfach irgendwie immer sauber. Aber ich putze ihn gerne, wegen dem Körperkontakt. Und außerdem scheint es ihm echt gut zu gefallen, wenn er so betüddelt wird.

Dann bin ich mit ihm wieder eine Runde spazieren gewesen, weil der Reitunterricht noch nicht zu Ende war und wir also noch nicht in die Halle konnten, aber auch hier war er heute schon deutlich cooler. Anschließend ging es dann in die Halle, wo er erst mal laufen durfte und das ging auch besser als gestern, dieses Mal wusste er ja was ich von ihm wollte. Er ist wieder schön flott gelaufen und es machte Spaß ihm zuzusehen. Danach habe ich ihn mehrere Runden auf dem Hufschlag geführt, in beide Richtungen, wobei er in alle Ecken gucken durfte und alles beschnuppern, z.B. den Wasseranschluss oder die Stangen für die Bodenarbeit. Nach zwei Runden fand er das schon langweilig. Dann kam der große Moment, denn ich bin ihn heute geritten! Zwar nur 5 Minuten und im Schritt, aber er war sehr lieb dabei. Ein zweimal versuchte er, ob er nicht in der Mitte stehen bleiben könnte aber dann ging er doch brav weiter, etwas Zuspruch und etwas stärker treiben und schon ging es. Was mich sehr wunderte ist, dass er mehrmals versuchte anzutölten, trotz meines Gewichtes. Aber das wollte ich dann doch noch nicht.

Hinterher durfte er sich dann wälzen, was er auch tat und dann gab es eine Handvoll Futter in die Schüssel und eine Möhre als Belohnung. Hat er auch fein gefressen, ehe es zurück ging in den Auslauf, wo er gleich seinen „Nachbarn“ die Neuigkeiten durch den Zaun zuschnaubte, glaube ich. Noch einmal nett knuddeln und dann ging es für mich nach Hause. Ich bin schon sehr gespannt auf morgen.

31. Januar 2005

So, ein kleiner Zeitsprung, aber es wäre ja auch langweilig, wenn ich hier immer dasselbe schreiben würde, und im Moment sind es halt immer Wiederholungen. Allerdings gibt es auch Neues. Erstmal passt dem Dicken natürlich noch kein Sattel, darum wollten wir es mit einem Sattelkissen probieren, damit ich wenigstens Steigbügel habe und damit ich bei diesem Matschwetter nicht immer auf einem nassen Pferd sitzen muss.  Aber bei diesem Kissen sind die Strippen zu kurz, da passt dann nicht mal mein 1,20 Sattelgurt. Nun habe ich mir einen Gurtverlängerer bestellt und hoffe einfach, dass sich dieses Problem damit lösen lässt. Ansonsten ist Lissy sehr aktiv, er läuft munter und flott und töltet sogar mit mir inzwischen eine Runde in der Halle. Dabei ist es butterweich zu sitzen und sehr gut zu regulieren. Hin und wieder versucht er mal seinen Dickkopf durchzusetzen, wenn er stehen bleiben möchte oder von sich aus die Richtung ändern. Aber bislang habe ich ihn immer noch überzeugen können, dass ich das Sagen habe. Etwas positives ist mir aufgefallen. Das Reiten ohne Sattel ist zwar anstrengend, aber es trainiert ungemein. ich werde Lissy zwar mein Gewicht in Zukunft nicht ohne Sattel zumuten, aber eine nette Erfahrung ist es allemal.

Dann habe ich heute noch erfahren, dass er nun doch Hufeisen braucht, da seine Hufe zum einen recht kurz sind (das hat aber nicht unser Schmied gemacht) und dann läuft er sie sich ja durch sein Gewicht auch recht schnell ab. Also wird er nun einmal beschlagen und dann sehen wir weiter.

3.Februar 2005

Die erste Woche ist vorbei und noch immer bereue ich nichts an meiner Entscheidung. Lissy ist ein Schatz, auch wenn er einen ganz schönen Dickschädel hat. Heute wollte er nicht in die Halle und meinte er könnte mich über den Haufen rennen. Aber nicht mit mir, dazu bin ich dann doch zu kräftig. Ich habe aber ordentlich mit ihm geschimpft und ich hoffe, es hat was gebracht, er war jedenfalls sehr erstaunt, als ich plötzlich so laut wurde. Dann beim Reiten hatte ich das liebste Pferd, er hat alle Bahnfiguren, die wir zusammen geübt haben tadellos gemacht und sich auch sichtlich über das Lob gefreut. Ich hoffe doch, dass er nicht allzu lange in dieser Ausprobierphase bleibt, denn auf Dauer ist das ganz schön anstrengend.

Morgen oder Montag kommt der Schmied, dann gibt es erst mal Eisen, da bin ich ja auch gespannt. Und am Sonntag setzten wir unser Trainingsprogramm fort. Morgen und übermorgen darf er sich einfach auf dem Auslaufplatz tummeln.

7. Februar 2005

So, da lässt man den Dicken mal zwei Tage allein und schon kehrt er den Flegel raus. Na ja, nicht böswillig, aber vor Übermut denke ich. er ist wie ein kleines Kind, das seine Grenzen austestest. Meine Freundin ließ ihn am Freitag noch in der Halle laufen, anscheinend ohne Probleme, aber am Samstag wollte er dann nicht mehr mitmachen und forderte meine Reitlehrerin zu einer Kraftprobe heraus. Dann zerrte er ihre Freundin hinter sich her, so gut es ging, weil er eben auf keinen Fall in die Richtung gehen wollte, in die sie wollte. Aber im Endeffekt haben sie ihm dann doch gezeigt, dass es so nicht geht.  Später durfte er sich auf dem Trailplatz tummeln, mit einem Mini Shetty und einem alten Reitponywallach, der sich gern mal rauft. und tatsächlich, unser Oldie Gary wurde garstig und wollte dem Lissy ans Leder. Doch der zeigte, dass er sich nicht vor einer Auseinandersetzung scheut und teilte kräftig aus, um sich zur Wehr zur setzen. Also, da brauche ich mir wohl keine Sorgen machen, dass er untergebuttert wird.

Gestern hörte ich mir nun all diese Geschichten an und befürchtete schon das Schlimmste, als ich zu unserem täglichen Programm mit ihm zur Halle losging. Aber oh Wunder, ich hatte ein völlig braves Pferd, das lieb an meiner Seite blieb, stehen blieb als ich die Tür schloss, aufmerksam war beim Ablaufen und dann beim reiten total brav mitmachte. Ich habe mit ihm die ersten einfachen Hufschlagfiguren geritten. ich weiß nicht, in wie weit er die kennt, aber es macht ihm jedenfalls Spaß. Schließlich tölteten wir sogar 2 Runden auf dem Zirkel. Das Sattelkissen passt nun fast, ich bekomme den Riemen schon in die Schnalle, aber den Dorn noch nicht ins Loch. Aber heute oder morgen kommt dann wohl auch der Gurtverlängerer, dann ist das Problem auch gelöst. Und ich habe mir vorgenommen, wenn ich das Kissen draufmachen kann und endlich Steigbügel habe, dann mache ich einen Miniausritt mit ihm, eine große Runde um den Hof. Darauf freue ich mich schon riesig.

9. Februar 2005

Hurra, es ist vollbracht! Nicht nur ist der Gurtverlängerer da, womit nun auch das Sattelkissen passt. Nein, wir haben heute den großen Schritt getan und sind "ausgeritten", ca. 10 Minuten, viel Schritt, wenig Tölt, einmal um die großen Koppeln. Aber es war toll. Meine Freundin und Lissys zukünftige Reitbeteiligung war mit einem Pferd dabei und so hat alles super geklappt. Weder die Fußgänger mit Hunden, noch das wendende Auto direkt vor ihm konnten ihn aus der Ruhe bringen. Das schlimmste, was passierte war, dass er sich erschreckte, als ein kleiner Ast meinen Ärmel streifte. Da hat er versucht sich ganz klein zu machen. Aber ansonsten war alles cool und gelassen. Echt schön, ich freue mich schon auf das nächste Mal.

13. Februar 2005

Sauwettwer! Kann ich nicht anders sagen...hier stürmt es, mit Schneeregen und echt fiesen Windböen, so habe ich schweren Herzens heute aufs Reiten verzichtet. Gestern war es schon nicht so schön, aber da war es zwischendurch wenigstens trocken. Und zum Reiten haben wir ja auch eine Halle. Am Tag davor bin ich noch im Sonnenschein mit den Reitschülern das kleine Stück ausgeritten, welches wir schon kannten. In der Gruppe war Lissy superlieb. Er wollte zwar vorne gehen, aber nicht ganz vorne, sondern nur neben dem ersten Pferd. Er ließ sich problemlos von der Gruppe wegreiten und antölten, blieb dann stehen und wartete geduldig auf die anderen. Am Hof wollte er dann unbedingt einen anderen Weg nehmen, als die Gruppe und ich ließ ihn mal neugierig gewähren. Tja, da hatte er sich etwas eingebrockt, eine unbekannte Stecke, voller "Gefahren" (Wasserschlauch, den er schon aus der Halle kennt, ein weißer großer Plastikbottich, zwei Jungpferde im Paddock, die spielen) Nein, das war unheimlich...zumindest die Jungpferde, an allem anderen ging er nach kurzem Zögern und Schnauben vorbei. Doch da sah er auch schon die Reitergruppe und töltete ihnen freudig entgegen, war wohl doch schöner in der Gruppe...

Gestern dann war meine andere Freundin dabei, die ihn auch reiten darf und leider waren die Steigbügelriemen zu lang für sie. Wir konnten vor Ort keine weiteren Löcher machen, also musste es so gehen. Doch sie fühlt sich nach ihrem letzten, recht heftigen Abfaller leider immer noch nicht sicher genug, so dass sie ihn nur im Schritt reiten mochte. Ich habe dann eben den schnelleren Teil übernommen, was ihn nicht störte, im Gegenteil, er versuchte einige Male glatt anzugaloppieren. Ach ja, an diesem Tag habe ich auch zusätzlich mit ihm etwas Bodenarbeit gemacht, er musste nämlich über Stangen laufen. Anfangs fand er das uberflüssig und versuchte immer seitlich dran vorbei zu kommen. Aber das hab ich ihm natürlich nicht erlaubt. Ich habe ihn dann erstmal an der Hand über die Stangen geführt, im Schritt und Tölt. Dann haben wir es noch einmal versucht und dieses mal klappte es sofort, sogar im Galopp. Als der Dicke merkte, dass ich echt nichts Schlimmeres von ihm wollte, als das er aufmerksam über diese Stangen läuft und ordentlich die Füße hebt, da machte es ihm sogar sichtlich Spaß.

Ich hoffe, dass das Wetter morgen nicht mehr so grauslich ist und wir zumindest eine kleine Runde draußen reiten können.

14. Februar 2005

Juhu, wir haben wieder eine Hürde genommen, wenn auch nur sinnbildlich, denn springen werde ich sicher niemals, weder mit Lissy noch mit einem anderen Pony. Aber heute sind wir alleine ausgritten. Zuerst meinte er, er müsse nicht weitergehen, als bis zur Hofeinfahrt, wo er auf der Hinterhand kehrt machte und zurück wollte. Ich bin dann nochmal auf den Hof geritten, Wendung und noch ein Versuch. Dieses Mal begleitete uns eine Frau, die ebenfalls bei uns reitet. Sie ging einfach nur zu Fuß neben uns her und an der Einfahrt gab es einen kleinen aufmunternden Klaps auf den runden Po von Lissy, der dann auch gleich munter weiter lief, als wenn er erst jetzt erkannte, dass es hier ja auf den Reitweg ging. Wir ritten erst die ihm schon bekannte Strecke, was mir aber etwas wenig war, so dass wir noch einen kleinen Umweg machten, bis es dann zurück ging zum Hof. Und siehe da, dieses Mal zuckelte er brav im Schritt den Zufahrtsweg entlang und blieb dann natürlich bei seinem Halfter stehen, schließlich gibt es dort ja immer Futter nach dem Reiten. Ich bin sehr zufrieden mit unseren Fortschritten, zumal nun auch der Sattelgurt von Mal zu Mal lockerer sitzt, heute musste ich schon nachgurten, während des Reitens. Es geht also voran, langsam aber stetig.

16. Februar 2005

Jeden Tag einen Schritt weiter, so kommen wir gut voran. Heute war ich wieder bei Lissy und dieses Mal habe ich die Reitschüler auf ihrer Trockenreitrunde begleitet, ein ganzes Stück länger, als die anderen Ausritte. Wir waren ca. eine Viertelstunde unterwegs und das Gelände ist dort sehr abwechslungsreich, es geht mal leicht bergauf oder bergab, der Boden war mal weich und tiefer, dann wieder hart. Und natürlich gab es eine Menge neuer Sachen anzuschauen, aber in Gesellschaft anderer Pferde hat der Dicke gar keine Zeit sich zu erschrecken. Vor allem scheint er eine Scheckstute von unserem Hof zu mögen, deren Nähe er immer bei den Ausritten sucht. Vielleicht erinnert sie ihn an einen verflossenen Weidefreund. Jedenfalls hat es riesig Spaß gemacht und ich freu mich schon auf übermorgen, wo wir das Ganze wiederholen können, wenn das Wetter mitspielt. Am Wochenende steht dann mal wieder Bodenarbeit auf dem Plan, aber dann können wir ja hinterher immer noch ein Stück spazieren gehen.

19. Februar 2005

So, das Wochenende ist noch nicht ganz rum, aber ich weiß noch nicht, ob ich morgen zum Hof fahre, darum heute schon der Bericht. Gestern habe ich Lissy dann mal wieder mit Stangen laufen lassen. Ich hoffe ja immer noch, mal irgendwann den Trab zu finden, Und tatsächlich zeigte er hin und wieder ganz leichte Ansätze. Zuerst aber war er der Meinung, dass er nicht unbedingt über die Stangen laufen muss, schließlich ist genug Platz in der Halle und er könne mich ja auch veräppeln und die Richtung ändern. Doch als dann noch ein anderes Pferd vor ihm her und über die Stangen lief, war es auf einmal sehr interessant und er hat fein mitgemacht. So musste ich auch nicht mit ihm streiten, eine stressfreie Lösung. Hinterher habe ich ihn noch kurz geritten und das wird immer besser, er geht echt locker und entspannt unter mir. Es ist ihm auch deutlich anzumerken, dass er langsam Muskeln aufbaut.

Heute dann bin ich mit meiner Freundin zusammen ausgeritten, eine richtig große Runde, fast 40 Minuten, aber fast nur Schritt mit kurzen Töltstrecken. Es hat viel Spaß gemacht, nicht nur mir. Jetzt kennt Lissy fast alle hofnahen Wege, da brauche ich mir keine Gedanken mehr machen. Er ist immer sehr aufmerksam und neugierig beim ausreiten, und irgendwie bringt ihn auch nichts aus der Ruhe, weder ein Reh, das etwa 10 Meter vor uns aus den Büschen springt und wegläuft, noch eine flatternde Plane am Silageballen oder der Autoreifenberg neben dem Feld an dem wir entlang ritten. Es ist alles aufregend und neu, aber er bleibt nur stehen und schaut und wenn dann nichts passiert geht er einfach weiter, das finde ich toll.

22. Februar 2005

Am Sonntag, also vorgestern bin ich noch einmal mit ihm ausgeritten, fast dieselbe Strecke wie am Vortag. Dieses Mal gab es auch keine Probleme mit dem allein vom Hof gehen, im Gegenteil, er lief gleich flott los, als er merkte, dass es ins Gelände geht. Als wir zum Hof zurück ritten und abbiegen wollten kam uns in einiger Entfernung sein Ex-Paddocknachbar mit seiner Besitzerin entgegen und Lissy begann ihm laut hinterher zu wiehern. Ich hab dann eben einen anderen Weg genommen und wir sind ihm gefolgt. Dann sind wir ein Stück zusammen geritten und schließlich allein zum Hof zurück, denn an die Straße traue ich mich noch nicht mit ihm, auch wenn es "nur" eine Dorfstraße ist.

Montag hatte Lissy Ruhetag und heute dann haben wir mal wieder in der Halle gearbeitet und fleißig Bahnfiguren geübt. Sogar eine Vorhandwendung kann er jetzt, vielleicht noch nicht perfekt, aber er hat kapiert worauf es ankommt. Er gerät immer später außer Atem beim Tölten und geht fleißig vorwärts, an allem Neuen interessiert. Heute habe ich zum reiten Musik angemacht, keltisch und orientalisch angehaucht (Loreena McKennitt). Ich fand es entspannend und Lissy hat es nicht gestört. Nach dem Reiten bin ich dann noch eine Runde spazieren gegangen mit ihm und dieses Mal wollte er auch nicht mehr "auf den Arm", wie bei unserem ersten Spaziergang. Inzwischen ist er total cool geworden und das einzig Aufregende, was ihm zumindest ein Augenrollen entlockte war eine raschelnde grüne Plane.

26. Februar 2005

Jetzt hat es mich erwischt. Ich hab mir einen blöden Magen-Darm Virus eingefangen, der mich erst mal außer Gefecht setzte. Am Mittwoch (23.Februar) war ich noch bei Lissy, aber schon mit Pudding in den Knien, so dass ich ihn nur ca. 10 Minuten laufen ließ. Zu Hause durfte ich dann gleich das Bett hüten. Heute bin ich wieder auf den Beinen, noch etwas wackelig zwar, aber das liegt auch an der mangelnden Bewegung. Lissy hatte aber keinen Urlaub, denn gestern hat Laura ihn laufen lassen und übermorgen bin ich dann wieder so weit, dass ich sein Training wieder aufnehmen kann. Ich vermisse den Dicken schon total und freue mich auf Montag. Wenn ich dann mal daran denke, nehme ich auch die Kamera mit.

28. Februar 2005

Endlich wieder reiten! Ich war auf dem Hof und bin dann mit Lissy ausgeritten. Leider war es eher wie Schlittschuhlaufen. Allerdings erwies mein Pony sich als sehr trittsicher und vorsichtig, so dass es bei kleinen Ausgleitern blieb. Ansonsten wäre ich auch abgestiegen. Ich hoffe wirklich, dass das Wetter bald etwas frühlingshafter wird. Am Donnerstag ist mal wieder Premiere. Lissy wird im Unterricht mitgehen, jedenfalls solange, wie er kann. Er ist einfach nicht genug gefordert in den 20 Minuten Schritt-Tölt Trainingseinheiten. Er kommt ja nicht mal ins Schwitzen. Seine Kondition ist wirklich top und ich denke mal, dass es ihm auch viel Spaß machen wird, mit den anderen Pferden in der Gruppe zu gehen. Na ja, mir ja auch. Jedenfalls bin ich sehr gespannt.

Gestern hat mir Lissy übrigens mal wieder etwas Neues gezeigt. Auf dem Hof spielten die Söhne meiner Reitlehrerin Fußball und ich bat sie damit aufzuhören, bis ich Lissy angebunden habe, weil ich nicht wusste wie er darauf reagiert: Aber er blieb völlig gelassen. Dann beim Putzen und Fressen schaute er den beiden hin und wieder zu, wie sie den Ball schossen. Hinterher bat ich dann einen der Jungen, den Ball mal zu Lissy zu rollen. Der machte einen langen Hals und schob den Ball dann mit dem Vorderhuf quasi zurück. Kommentar des Kindes: "He, der spielt Fußball!" Also, Lissy mag Bälle, mal sehen, vielleicht schenke ich ihm einen zum Geburtstag ;o).

5. März 2005

Die Zeit vergeht ja echt rasend schnell, merke ich grade. Wir haben März... Leider klappt im Moment nicht alles, wie ich es mir vorgenommen habe. Das Wetter ist einfach blöd, da wir hier nochmal viel Schnee bekommen haben. An Ausreiten ist mit den Hufeisen nicht zu denken und so langsam habe ich keine Lust mehr, alleine in der Halle zu kreiseln. Am Mittwoch Abend also vor drei Tagen war ich noch mal zum Hof, eigentlich wollte ich einer Bekannten beim Reiten zusehen und vorher noch mit Lissy arbeiten. Aber die Straßen waren recht rutschig, so dass sie kurzfristig absagte. Nur war ich da schon unterwegs. Also bin ich alleine geritten, schön mit irischer Musik und auch fast eine halbe Stunde. Am nächsten Tag sollten wir ja im Unterricht mitreiten. Ich hab mich extra beeilt um rechtzeitig da zu sein, da erfuhr ich, dass der Unterricht ausfällt. Also wieder alleine in die Halle und das gewohnte Programm abspulen. Gestern hat Laura ihn kurz geritten und ist auch galoppiert, was wohl ganz gut ging. Und heute dann war ich wieder allein auf dem Hof. Langsam wird es echt langweilig. Ich hoffe, der Schnee verlässt uns dann bald mal wieder, ich möchte ausreiten...

Und noch was Erfreuliches am Schluss: Wenn alles klappt, mache ich mit Lissy beim Kostümpaarreiten auf unserem Turnier im Mai mit. Zusammen mit meiner Freundin Tanja möchte ich eine Schaunummer unter dem Thema "Irish Iceland" aufführen, zu irischer und isländischer Musik und fantasievollen Kostümen. Bin mal gespannt, ob es was wird. Die Idee kam mir beim Reiten zu Musik.

8. März 2005

Hurra! Und das in mehrfacher Hinsicht. zum Einen schmilzt der Schnee endlich, bei Plusgraden und zum Anderen hat es heute endlich geklappt mit dem Unterricht. Lissy ist die volle Unterrichtsstunde mitgegangen, ohne nennenswert außer Atem zu kommen. Nicht viel mehr, als wenn ich ihn alleine bewege. Es waren viele Pferde, so dass er während der Einzelaufgaben immer wieder schön zu Atem kommen konnte. Er war fleißig und aufmerksam. Wir sind noch nicht galoppiert, aber wir waren recht flott unterwegs. Ich bin jedenfalls sehr überrascht, wie toll es geklappt hat und freue mich schon auf übermorgen, wo wir das Ganze wiederholen...

Eine Anekdote am Rande: Beim Wälzen begleitete und Laura mit Sokka, der Scheckstute, die er so gern mag. Und tatsächlich wieherte er sie ganz leise und "zärtlich" an. Sie blieb ganz brav dabei, keine zurückgelegten Ohren oder so, sondern beschnupperte nur kurz seinen Hals. Dann wälzte Sokka sich und Lissy schaute erstmal zu. Dann suchte er sich auch ein Plätzchen zum Abrollen. Nur da stand Sokka recht nahe. er schaute sie voll eindringlich an, was Laura dann kommentierte, dass er Sokka zu bitten schien, etwas beiseite zu gehen. Und was das Beste war: Sie ging echt ein Stück weg und prompt wälzte Lissy sich. Sokka schaute sich das Ganze mit herzhaftem Gähnen an...Also, die beiden kommen sehr gut miteinander aus, freut mich.

10. März 2005

Gut, wir haben es nicht wiederholt, aber bei strahlendem Sonnenschein und Superwetter stand uns der Sinn eher nach Ausreiten. Als wir zum Hof kamen, erfuhren wir dann, dass der Unterricht eh ausfällt. Also stand einem langen Ausritt nichts mehr im Wege. Es lag ja noch eine Aufgabe vor uns, nämlich Lissy zur Straße reiten und dann ein Stück daran entlang. Wir ritten gemütlich los und stellten bald fest, dass die schönsten Strecken leider noch nicht komplett eisfrei waren. Also nichts mit flottem Tölt... Als wir ins Dorf kamen, blieb Lissy auch brav an der Straße stehen. Ein Trecker kam uns entgegen, was ihn gar nicht interessierte. Dann war die Straße frei, wir überquerten sie und ritten dann am Straßenrand entlang. Lissy schaute sich zwar alles genau an, aber er ging dabei ruhig vorwärts. Nur als ein Fahrrad von vorne her an uns vorbeifuhr, meinte er, er müsse sich etwas erschrecken. Doch das war keine große Sache, zucken, stehen bleiben, schnorcheln und weiter gehen. Ein Trecker fuhr noch an uns vorbei, von hinten her und ein knallrotes Auto von vorne, doch das ließ Lissy völlig kalt.  Ach ja, vor dem Bushalteschild hatte er etwas Respekt, beim ersten Mal dran vorbei gehen...

So kamen wir in den Wald und mein geliebtes Ausreitgelände. Auch wenn hier auch noch hin und wieder verschneite Stellen waren, so konnten wir doch endlich flotter reiten. Wir waren eine gute Stunde unterwegs, bis wir dann zurück zum Hof kamen. Als wir wieder an der Straße entlang ritten, war das für Lissy schon ein alter Hut, sogar das Schild wurde keines Blickes mehr gewürdigt. Es war eine tolle Sache zu sehen, wie cool und brav Lissy war, obwohl es viel Neues für ihn zu sehen gab. Ich vertraue ihm total und freue mich schon auf lange Ausritte mit ihm.

13. März 2005

Neuigkeiten zu vermelden! Heute haben wir noch einmal den Sattel anprobiert, den wir für Lissy vorgesehen hatten und er passte! Endlich. Er hat inzwischen recht gute Rückenmuskeln aufgebaut und der Sattel liegt nun richtig gut. Keine Spur mehr von dem "ins Fett eindrücken" was noch vor ein paar Wochen der Fall war. Ich bin ihn dann heute mit dem Sattel geritten und er war sehr entspannt und lief locker. Ich hab ein gutes Gefühl. Und es war toll, endlich wieder einen Sattel unter dem Po zu haben. Das Sattelkissen war eine gute Alternative für den Anfang, aber jetzt kann ich besser mit Schenkelhilfen und Gewicht arbeiten und ich fühle mich auch sicherer. Wir sind erst in der Halle geritten und dann auf der Ovalbahn, denn nun spielt auch endlich das Wetter ein wenig mit, so dass wir auch die anderen Reitmöglichkeiten nutzen können. Ich hoffe, dass der Frühling nun bald richtig Einzug hält.

Mitte April werde ich voraussichtlich einen Lehrgang mitmachen, Schwerpunkt Dressur. Ich hoffe dort konkrete Hilfen zur Trabfindung zu bekommen und eben allgemein mal einen Überblick, woran Lissy und ich noch gemeinsam arbeiten müssen und können. Ich freue mich schon sehr darauf. Bei unserem Turnier möchte ich dann mit ihm die Geschicklichkeitsprüfung mitreiten, mal sehen, wie es da um seine Coolness bestellt ist...

Bilder von Lissy mit Sattel folgen am Mittwoch, wenn ich nicht wieder die Kamera vergesse...

16. März 2005

Und schon wieder etwas Neues. Im Moment überrascht mich mein Pferd immer mehr. Heute sind wir mal wieder im Unterricht mitgeritten und endlich hat es geklapt. Wir sind galoppiert. Erst haben wir eine Runde ausgesetzt und er konnte sich anschauen, wie es die anderen machten und wurde schon "hibbelig" als das Pferd vor uns angaloppierte. Dann kamen wir an die Reihe und als ich ihn die Galopphilfe gab, da klappte es! Nicht gleich perfekt, aber er hat verstanden, was ich von ihm wollte. Dann wurde es von Runde zu Runde besser und am Ende wurde er sogar recht flott. Das hat Spaß gemacht und ich freue mich sehr über diesen Fortschritt. Morgen wird er noch mal mit mir im Unterricht mitgehen, wenn ich nicht spontan das tolle Frühlingswetter ausnutze und einen Ausritt mache.

Ich habe mich heute zu dem erwähnten Kurs im April angemeldet. "Dressur für Gangpferde" mit Videoanalyse... da bin ich aber sehr gespannt, was wir da erleben. Ich bin aber nicht die einzige mit einem "Anfänger", da ist noch eine Teilnehmerin mit einem 15 jährigen Pferd, das auch noch nicht so viel kann. Ich hoffe einfach mal, dass wir viel lernen können und werden.

19. & 20. März 2005

Ein tolles Wochenende hatten wir. Am Samstag ist Tanja mitgekommen und wir haben uns schon mal Gedanken gemacht, wie wir beim Paareiten reiten wollen. Es ist noch recht chaotisch, aber unsere Pferde hatten mindestens soviel Spaß dabei, wie wir. Dann sind wir noch ein wenig auf der Ovalbahn geritten, wo ich Lissy viel einfacher in den Galopp bekam. Zum Abschluss ritten wir noch eine große Runde um die Weiden.

Am Sonntag sind wir dann zu dritt ausgeritten, sogar über eine Stunde. Es war traumhaftes Wetter und wir ließen uns auch Zeit. Dieses Mal war die Straße schon ein alter Hut und es gab keine Probleme, obwohl uns dieses Mal mehrere Autos entgegen kamen und auch von hinten an uns vorbei fuhren. Im Gelände tut Lissy sich schwer mit dem Galoppieren, aber das kommt sicher noch. Allerdings ließ er sich wieder problemlos von den anderen wegreiten, was ich wirklich gut finde. Jetzt kann ich fast eine Woche nicht zum Hof, da meine Babysitter kollektiv ausfallen, aber Laura hat mir schon zugesagt, dass sie am Donnerstag hinfährt und ansonsten hat er eben mal ein paar Tage Pause.

25. & 26. März 2005

Am Donnerstag ist Laura mit Lissy ausgeritten und es hat nicht nur ihr sehr gut gefallen. Am Freitag waren wir dann zusammen auf dem Hof und mussten wegen dem schlechten Wetter leider in der Halle bleiben. Doch es war nett. Ich hatte mal wieder Gelegenheit an ein paar "Problemen" zu feilen, wie dem Anhalten aus dem Tölt. Hierbei zieht der Dicke immer den Kopf runter, dass es mich fast aus dem Sattel reißt. Aber mit Hilfe eines Gurtzügels locker um den Hals gelegt und bei Bedarf etwas angezogen tat wahre Wunder. Es klappte viel besser. Auch das Galoppieren in der Halle ist besser geworden. Es war sehr schön, nach für mich doch recht langer Abstinenz so intensiv zu reiten. Am Samstag nahm ich Tanja mit zum Hof. Sie sollte auf Lissy an der Longe galoppieren, da sie immer noch die Angst in sich trägt, nach dem Runterfallen im Galopp. Ich ließ sie erstmal in Ruhe reiten und sich auf den Dicken einstellen. Als sie dann sagte, sie fühle sich wohl, nahm ich ihn an die Longe, was er kennt. Bei den ersten Galopprunden hielt sie sich noch am Sattel fest, doch beim Seitenwechsel brauchte sie diese Hilfe schon nicht mehr. Dann nahm ich die Longe ab und sie galoppierte tatsächlich fast zwei Runden ganz alleine. Lissy war so aufmerksam und lieb, er wird sowieso auf Kommando langsamer, was sehr hilfreich und vertrauensfördernd ist. Ich denke, es hat Tanja viel gebracht und hinterher war ich nicht nur stolz auf sie, sondern auch auf mein Pony, dass sich mal wieder als absolutes Verlasspferd erwiesen hat.

Übermorgen fahre ich wieder mit Tanja hin und wir nehmen meinen kleinen Sohn Jeremy mit...

Nur kurz...es hat prima geklappt mit Jeremy, er war superartig. Erst ist Tanja eine halbe Stunde geritten und sogar in der Bahn galoppiert. Danach dann ich eine halbe Stunde. Jeremy wolle zwischendrin auf den Arm, also habe ich ihn vor mir auf den Sattel genommen. Er hielt sich in der Mähne fest und meinte dann: "Lissy Hopp Hopp!" So ritten wir eine Runde um die Bahn und dann auf Jeremys Wunsch noch eine zweite. Dann ging er wieder spielen. Er hat mir auch vorher geholfen Lissy zu putzen und hinterher seine Futterschüssel getragen.

15. - 17. April 2005

Dressurkurs auf dem Röllinghof

Da meine Arbeit mir Lissy sich im Groben immer wieder wiederholt, werde ich hier einen Sprung machen und vom Dressurkurs schreiben.

Der Kurs begann am Freitagnachmittag, aber eigentlich schon vorher, denn Berit, die Kursleiterin bat uns vorher um eine Mail, in der wir ihr unsere Probleme schildern sollten und unseren Ausbildungsstand einschätzen. Das fand ich sehr gut. Also am Freitag dann fuhr ich zusammen mit Yvonne und ihrem Wallach Skeggi nach Röllinghausen. Dort begann dann nach dem kurzen Kennenlernen auch gleich der praktische Teil mit dem Vorreiten der einzelnen Teilnehmer und Aufnahme per Kamera. Lissy war wie immer, legte sich auf die Hand, ging mehr Pass als Tölt und war insgesamt sehr steif. Berit zeigte mir dann, wie ich ihn durch Schlangenlinien und Stellung lockern und sogar in Aufrichtung reiten kann. Das klappte auf Anhieb recht gut. Die Kamera hatte ich nach kurzer Zeit völlig vergessen... Am Abend schauten wir uns dann die Aufnahmen an und ich war überrascht, aber positiv, denn ich hatte mir meinen Sitz schlimmer vorgestellt. Am nächsten Morgen ging es dann weiter mit reiten. Wir durften Wünsche äußern, was wir gern mal probieren wollten. Ich wollte meinen neuen baumlosen Sattel ausprobieren, was ich dann auch tat. Fazit: Bequem zu sitzen, etwas breiter als normal. Lissy schien es auch sehr gut zu gefallen.

Nach dem Mittagessen schauten wir uns dann die Videos vom Vormittag an und waren sehr überrascht, wie deutlich sich schon Veränderungen zum Vortag zeigten. Leider war meine Aufnahme nur wenige Sekunden lang, da es wohl Probleme mit der Kamera gab. Aber am Nachmittag wurden wir ja noch mal gefilmt. Und hier gab es für mich zwei große Überraschungen. Berit hatte Trabstangen aufgebaut und einen Cavaletti Sprung. Ich ließ Lissy über die Stangen laufen und tatsächlich begann mein Pony zu traben. Zwar nur wenige Schritte und nur über die Stangen, aber es war ein tolles Gefühl, diese Gangart endlich mal bei ihm zu spüren. Wir werden dort weiter arbeiten.  Die zweite Überraschung kam dann. ich möchte eine Geländeprüfung mitreiten bei unserem Turnier. Dort gibt es auch einen Geländesprung in Cavalettihöhe. Also hatte ich mir gewünscht, das mal mit Lissy zu probieren. Und was macht der Süße? Nimmt Anlauf und springt mit einem großen Galoppsprung über das gekippte Cavaletti, Über das "richtig" stehende traute ich mich nicht, aber er hätte das sicher auch gemacht...Das darf dann Laura erst mal mit ihm üben, ehe ich es mich traue. Aber Lissy schien da einen Riesenspaß dran zu haben. Er galoppierte immer mit gespitzten Ohren und richtig Tempo auf das Hindernis zu. Ich gebe zu, ich habe nach dem ersten Sprung Tränen in den Augen gehabt...Freudentränen wohlgemerkt.

Abends schauten wir uns das Video an und ich bekam das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Anschließend sahen wir noch ein Video über den richtigen Sitz, sehr lehrreich, aber die Kleidung der Reiter und die Musik (80er Jahre) entlockten uns doch den einen oder anderen Lacher.

Am Sonntag Vormittag fand dann noch ein kurzes Abschlussreiten statt, wo ich mich in die Anfänge des "Schulter herein" einweisen ließ. Das wird nun meine "Hausaufgabe".

Fazit: Es hat sich jede Minute gelohnt, Berit hat es toll gemacht und ist so prima auf jeden Einzelnen von uns eingegangen. Die Gruppe war sehr gut zusammengesetzt und ich denke, jeder von uns hat eine Menge gelernt. Ich freue mich schon darauf, wenn es tatsächlich einen weiteren Kurs im Herbst geben wird, wieder dabei zu sein!!!

7. & 8. Mai 2005

Reinfall beim Turnier

Nun stand sie also an, Lissys Turnierpremiere. Ich hatte mit ihm eine Geländeprüfung und die Geschicklichkeitsprüfung genannt. Gangprüfungen waren ja noch nicht drin. Es begann am Samstag morgen mit der Geländeprüfung. Ich wollte mit einer Freundin zusammen reiten, da ich die Strecke kannte und ihre Stute meinem Dicken etwas Sicherheit geben sollte. Aber es kam leider alles ganz anders. Am Start war noch alles ganz nett, wir mussten etwas warten, ritten ein paar Mal den Weg auf und ab und schließlich ging es los. Lissy fand es schon mal doof, dass die Stute gehen durfte, er aber warten musste. Das erste Tänzeln und Kopfschlagen. Zum Glück kam Laura gerade und lenkte Lissy ab. Dann war ich auch dran und musste ein paar Scherzfragen beantworten. Endlich konnten wir dann losreiten und legten auch gleich etwas Tempo zu, damit sich die Spannung abbaute. Doch das nächste Problem lag direkt vor uns...der Sprung. Bislang war ich von "normaler" Cavalettihöhe ausgegangen, aber selbst das hatte ich nicht geschafft zu überspringen, da mir meine Angst einfach im Weg stand. Als ich nun den aufgebauten Sprung sah, wusste ich, dass ich da nicht drüber gehen würde. Meine Freundin galoppierte an und Lissy ließ sich sogar noch zurück halten, bis sie dann seinem Blick entschwand. Dann wollte er nur noch hinterher. ich rief den Richtern zu, dass ich nicht springen würde und sie nahmen netterweise die Stange weg, so dass ich schnell hinter Ingrid herreiten konnte. An der nächsten Wegkreuzung mussten wir wieder warten, bis sie eine Aufgabe erledigt hatte. War eigentlich Ok, da sie noch zu sehen waren, aber da kamen etwa 20 Meter vor uns die anderen Reiter im Galopp auf den Weg geprescht und das fand Lissy so aufregend, dass er ein paar Hüpfer machte und auch dorthin wollte. Zum ersten Mal dachte ich daran, dass ich absteigen und zum Hof zurück gehen wollte. Doch da war ich auch schon mit der Aufgabe dran, bei der dann alles glatt ging. Wir ritten weiter und ich sprach mit Ingrid über meine Bedenken, bezüglich der folgenden Galoppstrecke. Lissy hatte die ganze Woche gestanden, er war heiß, das merkte ich und ich hatte einen Klumpen aus Angst im Magen, der immer größer wurde. Zudem schüttelte er nun immer mehr mit dem Kopf, legte sich auf die Hand... Wir kamen an die Stelle zum angaloppieren und zu meiner Riesenerleichterung galoppierte er total ruhig an und folgte Thokki. Doch dann ist sie gestolpert und aus dem Tritt gekommen, so dass es nichts mehr wurde mit der ordentlichen Ausführung der Aufgabe. Wir durften allerdings noch einmal wiederholen. Doch das war dann das Desaster. Aufgeheizt von dem kurzen Galopp meinte Lissy, dass es ja nun mal richtig losgehen müsste. Er versuchte sich an Thokki vorbeizudrängen, was ich ihm nicht erlaubte. Da buckelte er zweimal heftig! Fast hätte es mich aus dem Sattel gehauen, aber als ich vor Schreck "Hohoo!" rief, blieb er fast sofort stehen und töltete dann sogar recht brav weiter. Wir stellten dann fest, dass der Richter gar nicht da war, denn ein anderes Pferd lief nach einem Abwurf frei herum und er hatte wohl nach der Reiterin gesehen oder so. Zumindest standen wir nun wieder da und hatten die Aufgabe nicht erledigt. Doch nun wollte ich auch nicht mehr, denn ich zitterte bereits wie Espenlaub. ich beschloss das Ganze sein zu lassen und stieg ab. ich wollte Lissy dann zu Fuß zu Hof führen, aber inzwischen war ich so hektisch und nervös, dass er auch panisch wurde und sogar versuchte sich loszureißen. So kannte ich mein Pferd nicht...na ja, er mich auch nicht, das war ja das Problem. Zum Glück kam da schon die nächste Reiterin, die mich dann tatsächlich überredete, noch einmal aufzusteigen, sie wollte im Schritt vor mir reiten. Das machten wir dann auch und tatsächlich entspannten wir beide uns, so im gemütlichen Zockelschritt hinter dem braven Pferd von Mira (noch mal 1000 Dank, solltest du das hier lesen!). Dann kam die nächste Aufgabe, wir sollten durch ein L reiten, absteigen und das Pferd rückwärts zurück führen. Mira begann die Aufgabe, wir mussten wieder warten. Zuerst scharrte Lissy nur ein bisschen, doch je länger es dauerte, umso nervöser wurde er wieder, er schlug mit dem Kopf, tänzelte und als wir dann an der Reihe waren, war es vorbei. Mira war weiter geritten, sie hatte nicht daran gedacht, auf uns zu warten und als sie nun außer Sicht war, wollte Lissy nur noch hinterher. Ich stieg wieder ab, doch das Führen ging natürlich wieder nicht. Zum Glück waren wir ziemlich am Schluss gestartet, so dass eine der Heferinnen mir Lissy abnahm und zum Hof führte. (Auch Anja ein dickes Danke noch mal, ohne dich wäre ich aufgeschmissen gewesen!) Ich lief als heulendes Elend hinterdrein und wollte nur noch im Boden versinken. Ich hab mich echt gefragt, wie ich so blöd sein konnte diese Prüfung zu machen, die weder ich noch mein Pferd kannten. Ich war sauer auf mich, nicht auf Lissy, denn der hatte nur auf mich reagiert. Fazit: Ich glaube nicht, dass ich das so schnell noch mal mache und ich habe eine andere Trense. Jetzt will ich sehen, ob das ewige Kopfschlagen an der Trense lag, denn er machte das auch schon beim Auftrensen.

Am Sonntag hätten wir die Geschicklichkeit reiten müssen, aber ich habe die Nennung zurück gezogen. Es war so unsicher mit dem Wetter und nach einem Samstagnachmittag im fast nur strömenden Regen, hatte ich da keine Lust drauf. Zudem war mir am Samstag beim Aufsteigen die Kniescheibe rausgesprungen. Die schnippt zwar gleich wieder rein, zieht aber meist Schmerzen nach sich. Und so war es dann auch. Ich hätte die Aufgaben der Prüfung wohl eh nicht zu meiner Zufriedenheit erledigen können, also habe ich es uns beiden erspart. Und ich muss sagen: Zum Glück! Denn kurz vor Ende der Prüfung öffnete der Himmel seine Schleusen und schickte uns einen wunderschönen Hagelschauer, der mich innerhalb von 5 Minuten bis auf die Unterhose durchnässte, als ich als Helfer der Geschicklichkeitsprüfung mitten auf der Ovalbahn stand... ich hatte glücklicherweise Ersatzsachen mit...

Etwas Schönes zum Schluss. Lissys Vorbesitzerin Doro war am Sonntag auf dem Hof und hat Lissy besucht. Leider (zum Glück?) sah sie uns nicht reiten, aber sie meinte auch, er habe sich fein rausgemacht. Dann hat sie mir noch ein paar Tipps zur Arbeit mit ihm gegeben, die ich gern annahm. Also, das Turnier an sich war schön, bis auf das Wetter, aber ich weiß genau, dass ich es mir gut überlegen werde ob und was ich beim nächsten Mal nenne...

11. & 12. Mai 2005

Eine Frage des Vertrauens

Der Alltag hat uns wieder, das Turnier ist vorbei und mit etwas Abstand gesehen, ist es auch nicht mehr ganz so schlimm. Gestern war ich das erste Mal wieder mit Lissy im Reitunterricht, irgendwie hatte ich das Gefühl, ich brauche das erst mal wieder, um meine Sicherheit wieder zu finden. Und so war es auch. Lissy war zu Anfang sehr unruhig, ich hatte Schmetterlinge im Bauch und im Gelände hätten wir uns sicher wieder gegenseitig hochgebracht. Aber in der Bahn fühle ich mich ja sicher und so konnte ich mich dann angespornt durch meine Reitlehrerin schließlich durchsetzen. Lissy versuchte zwar hin und wieder seinen Dickkopf durchzukriegen, aber ich blieb dran. Das frechste war, dass er beim ersten Angaloppieren meinte, er könne einen Haken schlagen und sich gleich wieder an die Abteilung hängen. Das hat er ganz zu Anfang im Unterricht gemacht, aber nun schon lange nicht mehr. Und ich habe es auch geschafft, ihn davon abzuhalten. Sicher kribbelte es im Bauch, aber hinterher war ich auch stolz auf mich, dass ich mich durchgesetzt hatte. Zum Abschluss sind wir dann noch eine Runde um die Weiden geritten und hier war Lissy wieder das Gemütstier, das ich eigentlich kenne. Ich war im Großen und Ganzen recht zufrieden mit dem Nachmittag und nahm mir dann ganz mutig vor am nächsten Tag, die Strecke des Geländerittes abzureiten, ganz in Ruhe und alleine.

Und das habe ich heute getan. Als ich zum Hof kam, war niemand da. Ich ging also gleich zu Lissy auf die Weide und holte ihn. Er tänzelte neben mir her und war irgendwie seltsam, je näher wir dem Hof kamen. Als er dann feststellte, dass dort kein anderes Pferd war wurde er noch unruhiger. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ihn mit viel Streicheln, ruhigen Worten und ein paar Leckerlies einigermaßen beruhigen konnte. Putzen und Satteln klappte gut und seit ich den Sperrriemen aus der Trense genommen habe, ist sein Kopfschlagen auch so gut wie weg. Ich hatte etwas Bammel beim Aufsitzen, aber Lissy blieb ruhig stehen und als ich ihn abtrieb zockelte er gleich unternehmungslustig vom Hof. Alles ging prima, bis wir zur Sandgrube kamen. Hier blieb er wie angewurzelt stehen. Zuerst dachte ich, es läge am Trecker, welcher auf dem Schotterweg vorbeituckerte, aber der war es nicht, denn als dieser schon außer Sicht war, ging Lissy trotzdem nicht weiter. Jedenfalls ging er nicht vorwärts. Ich gab ihm sogar einen Klaps mit der Gerte, worauf er dann zwei Schritte vor machte. Doch dann drehte er auf der Hinterhand und legte sich aufs Gebiss, ein paar zuckelnde Töltschritte und ich fühlte mich total hilflos und sah mich schon im Straßenstaub. Aber da war noch etwas anderes, ich war wütend, schließlich reiten wir diesen Weg IMMER lang und er macht nie Probleme, wenn andere Pferde dabei sind, aber spult sich oft auf, wenn er alleine ist. Dort ist uns noch nie etwas passiert und ich treibe ihn auch immer fleißig vorwärts. Also, ich wurde sauer, richtete mich auf, schimpfte mit ihm und gab ihm noch einen Tick mit der Gerte, darauf gefasst, dass er auch mit mir auf und davon tölten konnte, vermutlich in Richtung Hof. Aber nein...mein Pony ließ sich wenden und zuckelte den Weg weiter, als habe er nie etwas anderes vorgehabt...Ich verstehe das nicht, ich verstehe es einfach nicht ...*seufz* Erklär mir einer dieses Pony!

Der Rest des Weges war in Ordnung, er blieb zwar hin und wieder stehen, an den Stellen, wo beim Geländeritt Aufgaben zu erledigen waren, als würde er sich fragen, wo denn heute die Menschen seien, die da im Gebüsch hockten... An der Galoppstrecke der Geländeprüfung kniff ich dann aber doch und wir ritten sie im Schritt hoch, aber nur, um gleich darauf einen flachen Hügel hinauf zu galoppieren, aber ganz ruhig und besonnen, wie sich das gehört. Lissy ließ sich gleich wieder durchparieren und wir ritten gemütlich nach Hause zurück, wo er dann Futter und einen zusätzlichen Apfel zur Belohnung bekam. Ich hab mich riesig gefühlt und ich bin mir ganz sicher, dass wir gestern und heute wieder ganz viel Vertrauen zueinander aufgebaut haben...

Der hässliche Gedanke, dass ich ihn vielleicht verkaufen sollte, weil ich eh nicht mit einem eigenen Pferd klarkomme, der ist weg und wird ein für allemal verbannt aus meinem Kopf! Ich liebe Lissy und werde ihn sicher nie wieder hergeben.

18. Mai 2005

AHA!

Heute war mal wieder so ein Tag mit AHA Erlebnissen. Ich bin Lissy zuerst in der Bahn geritten, habe ganz viele Biegungen gemacht, bis er richtig gut durchlässig war. Er hat total viel gekaut, was ich bei ihm irgendwie noch nicht so bemerkt habe, war aufmerksam und ganz bei der Sache. Im Tölt hatte er dann nur wenige Taktfehler, sogar bei beim Abbiegen. Beim Galopp lief es auch sehr gut, nur einmal meinte er mal wieder kurz buckeln zu müssen. Vielleicht hat es ihm nicht gepasst, dass ich vorher nachgegurtet habe *g*. Zum Abschluss bin ich mit ihm noch eine kleine Runde geritten und dieses Mal ist er nur ganz kurz an der besagten Stelle stehen geblieben. Ich hab dann recht laut "Vorwärts!" gesagt und ihn angetöltet und siehe da, er lief einfach weiter, ohne einmal zu mucken. Auf einem Feld war ein Traktor am düngen (glaub ich zumindest, es stank, puhh) und den fand er erst etwas schrecklich. Ich hab ihn dann in Ruhe schauen lassen und dann ging er auch gleich weiter. Also, wir machen Fortschritte. Ich werde ihn jetzt so oft es geht alleine ins Gelände reiten, damit er dort jeden Winkel kennen lernt und vielleicht cooler wird auch ohne Pferdebegleitung.

3. Juni 2005

Von Dickköpfen, Hufschmieden und Schenkelweichen

Nachdem ich Lissy zweimal sehr arbeitsreich im Unterricht geritten bin, wollte ich gern mal wieder ausreiten: Da es ein Montag war, bot es sich zudem an, denn in der Halle war Doris mit einer ganz neuen Anfängergruppe und der Platz war völlig matschig. Also ritt ich Lissy vom Hof, was noch ganz unproblematisch war. In den Unterrichtsstunden war er auch sehr aufmerksam gegangen, hatte nette Aufrichtung gezeigt und sein Tölt war einfach klasse. Mit diesen guten Erinnerungen ging es nun ins Gelände. Es war ein toller Ritt und ich war schon total glücklich, weil er so gelassen blieb. Aber zu früh gefreut..denn kurz vor dem Hof mussten wir noch an einem Haus vorbei. welches er aber schon von den vorigen Ritten kennt. Aber an diesem Tag waren zwei Jungen auf dem Hof und spielten Hockey. Lissy konnte sie nicht sehen, aber wohl hören, denn plötzlich stemmte er alle viere in den Boden und ging nicht mehr weiter. Als ich ihn antrieb, ging er nur rückwärts und dann wollte er seitlich ausbrechen um über ein freies Feld am Haus vorbei zu kommen. Früher hätte er mich dabei sicher abgesetzt, aber inzwischen scheine ich ganz gut zu sitzen. Aus meiner anfänglichen Nervosität wurde langsam Ärger, denn jedes Zureden und sanftes aber druckvolles Treiben ließen ihn kalt. Ich habe dann einfach entschieden, dass wir eben da stehen bleiben, wenn er nicht vorwärts geht und habe ihn nur am rückwärts oder seitlich gehen gehindert. Dann habe ich den Jungs zugerufen, sie mögen bitte den Ball mal kurz liegen lassen und sich zeigen... Das schien zu helfen, und tatsächlich waren wir schon neben dem Haus, als gegenüber ein Huhn aus einem Busch lief. Lissy kennt die Hühner und lässt sie eigentlich links liegen, aber an diesem Tag war es zuviel für ihn und er drehte auf dem Absatz rum, allerdings hatte ich das erwartet und lenkte ihn in einer engen Volte wieder zurück. Das schien nun endlich zu helfen, denn plötzlich lief er ohne weitere Mucken an Haus, Hühnern und Jungen vorbei und wir erreichten den Hof. Der Vorfall dauerte ca. 5 Minuten, aber es kam mir wie eine Ewigkeit vor, in der ich mindestens zehnmal in Gedanken abgestiegen war, etwa ebenso oft in Erwägung zog umzudrehen und einen anderen Weg zu nehmen, ganz zu schweigen davon, wie oft ich mich im Dreck und mein Pony auf der Flucht sah. Aber ich wusste, dass ich nicht nachgeben durfte, denn dann hätte ich verloren. Dominanz scheint noch immer ein Problem bei uns zu sein, aber ich habe mindestens einen so großen Dickkopf wie er.

Vorgestern war der Hufschmied da, zum zweiten Mal für Lissy. Aber der hat mich mal wieder völlig überrascht. Er blieb so cool, selbst beim aufbringen des heißen Eisens auf den Huf, wo es doch qualmte und stank. Einmal zuckte er mit dem Hinterbein, rechts, wo er es bei mir anfangs auch gern mal machte Und beim Abschlussraspeln hatte er einfach keine Lust mehr und war etwas zappelig. Doch ansonsten echt toll gelaufen. Jetzt hat er vorne 10er Eisen und hinten 8er, mal sehen, was das bringt.

Die neuen Eisen sind anscheinend toll, denn Doris meinte gestern im Unterricht, dass Lissy noch besser läuft und mehr Aktion zeigt. Es fühlte sich auch tatsächlich noch bequemer an und sein Tölt ist klasse. er neigt in Kurven immer noch zum "rollen", aber daran arbeiten wir nun intensiv.  Seine Haltung ist viel besser geworden und beim Anhalten lässt er nun auch den Kopf oben. Ich bin sehr zufrieden mit unseren Fortschritten, vor allem wenn ich bedenke, dass ich ihn ja erst so richtig seit Anfang März reite.  Gestern haben wir dann was Neues gelernt, also er, nicht ich. Schenkelweichen...sehr spannend. Zuerst wollte er gar nicht, auch nicht, als Doris ihm die Richung zeigte. Die lief er lieber fast über den Haufen. Da war es wieder, das Dominanzproblem, da muss sich etwas ändern. Das Schenkelweichen zur anderen Seite klappte dann überraschend gut und ich war mal wieder platt vor Staunen.

Zum Abschluss haben wir noch einen der Reitschüler nach Hause gebracht, zu Pferd und bei diesem Mini Ausritt war Lissy dann wieder völlig lieb...Berg- und Talfahrten scheinen zu unserem Leben zu gehören...

18. Juni 2005

Heya Lissy!

So, erst mal herzlichen Glückwunsch nachträglich an mein Knuffelpony. Am 16.6. ist Lissy 14 Jahre jung geworden. Leider hat es mit dem Geschenk zeitlich nicht geklappt, aber das holen wir nach. Er bekommt eine neue Trense aus dunkelgrünem Nylon und ich bin schon sehr gespannt, wie es aussieht. Im Moment läuft es noch immer ganz gut bei uns. Leider hatten wir noch keine Zeit am Trab zu arbeiten, dafür gefällt mir der Tölt von Mal zu Mal besser, das Rollen wird immer weniger. Ich bin zumeist im Unterricht mitgeritten und wir waren fleißig.

Ich habe jetzt ein Mädchen, dass Lissy Dienstags im Unterricht reitet, wenn ich keine Zeit habe. Sie heißt Jolin, reitet schon länger bei Doris und kommt ganz gut mit Lissy zurecht. Leider kann sie ihn noch nicht so gut tölten, da fehlt ihr vielleicht auch etwas an Gewicht. Dafür lässt sie sich von ihm nicht veräppeln, klebt im Sattel, wenn er mal einen Haken schlägt und setzt sich prima durch. Es ist zwar nicht die Reitbeteiligung die ich suche, aber für den Anfang schon mal eine Erleichterung für mich.

Auf meine zahlreichen Anzeigen hat sich leider noch niemand gemeldet, keiner scheint ein nettes Freizeitpony zum reiten zu wollen. Ich wäre früher mit fliegenden Fahnen aufgeschlagen, bei einem solchen Angebot...aber die Zeiten sind eben anders...

Gestern sind wir dann endlich mal wieder ausgeritten. Irgendwie war mir etwas flau vorher, warum kann ich gar nicht recht sagen. Vielleicht, weil unser Hengst mitging und der eben recht viel Temperament hat und die anderen Pferde damit gern mal aufheizt. Na ja, ich dachte mir dann, versuchen können wir es ja. Es wurde nicht so schlimm, wie ich dachte, zumal wir noch einen Reitschüler dabei hatten, auf den wir etwas mehr Rücksicht nehmen wollten, da er in der letzten Stunde runtergefallen war, als sein Pferd im Galopp stolperte. Ich spielte dann "Bremse" für ihn, da Lissy ja kein Problem hat, wenn andere Pferde vor ihm weglaufen. Es ging gut, bis darauf, dass ich Lissy nicht so schnell tölten konnte und er dann im rasanten Schweinepass abzog. Doch er ließ sich gut zurück nehmen und so blieb es auch für Jan ein angenehmes Tempo. Am Galopphügel ließen wir Reykur und Sæla dann vorgaloppieren und ich hielt Lissy erstmal an. Dann bin ich hochgetöltet mit ein paar Galoppsprüngen an der steilsten Stelle. Jan kam gut mit und wir alle wohlbehalten oben an. Noch ein paar schöne Töltstrecken und dann ging es gemütlich gen Heimat. Wir brachten Jan nach Hause und beschlossen noch einen kleinen Bogen zu reiten...so geschah es auch und nun endlich durfte mein Dicker laufen. An der nächsten Galoppstrecke hieß es dann "Heya Lissy!" und wir flitzten zu dritt durch den Wald...herrlich. Ich hatte nicht einen Moment Angst. Lissy lief super, ohne irgendwie zu rasen, selbst als die anderen Pferde wieder weiter weg waren. er ist einfach toll, wenn es darum geht zurück zu bleiben. Keine Spur davon dass er auf jeden Fall hinter her muss. Im Gegenteil, ich kann ihn sogar zurück nehmen. Ein gutes Gefühl! Müde, aber glücklich kamen wir wieder zum Hof. Heute ist traumhaftes Wetter und ich schätze mal, da wartet ein weiterer schöner Ausritt auf uns.

22. Juni 2005

Autsch! Das "Erste Mal"

Heute ist es passiert... musste ja irgendwann kommen, und es ist glimpflich abgegangen, aber der Reihe nach:

Ich fuhr zum Hof, voller Freude, denn das Wetter war toll, meine neue Trense ist angekommen (Grüne Nylontrense, maßgefertigt) und es konnte doch nur toll werden... aber dann kam alles anders. Als ich Lissy die Hufe auskratzen wollte da begann Hermann hinter uns zu sägen, nicht laut, aber ein neues Geräusch für den Dicken, was er gleich mal zu spinnen benutzte. Jedenfalls konnte er keine Hufe mehr geben und schon gar nicht hinten, obwohl er Hermann und die Säge gut sehen konnte. Als ich den Huf mit Nachdruck anhob zuckte er und es wirkte wie ein zaghaftes Ausschlagen. Na danke...ich war echt geladen, weil er das früher schon gern mal versucht hatte, sogar beim Schmied. Ich bin hoch, wie von der Tarantel gestochen und habe ihn in den Hintern getreten Alle Pferdeliebhaber mögen mir verzeihen, aber es geschah echt im Affekt. Danach schaute er mich völlig perplex an und begann dann sein nicht unbeträchtliches Hinterteil in meine Richtung zu schieben, also dass ich nicht hinter ihn stand sondern neben ihm. Hätte ich nichts gemacht, dann wäre ich an die Wand gepresst worden, aber ich hab ihm dann gegen die Kruppe geknufft und recht laut gesagt: "Ich stehe hier, pass auf...!" Dann bin ich um ihn rum, weil ich dachte er wollte die Säge lieber im Blick haben, doch da wiederholte sich das Spiel und wieder stand ich zwischen ihm und der Wand. Wieder habe ich ihn geknufft und ihn angeblafft und endlich kam eine Reaktion, ein in meinen Augen mehr als prüfender Blick. Ich hab mich dann vor ihm aufgebaut und ihm recht laut mitten in diesem Blick hinein gesagt, dass ich es blöd finde, wenn er meint mich über den Haufen rennen zu müssen... Dann hab ich mich umgedreht. Ich war echt sauer. Solche Sachen hat er am Anfang gemacht, aber nun schon lange nicht mehr. Ein paar mal tief durchatmen und dann habe ich ihm die Stirn gekrault und mich langsam nach hinten gestreichelt, wo ich dann aber entschlossen am Bein herunter strich und er mir sofort den Huf gab. Auch die beiden letzten waren kein Problem, als habe er nie etwas anderes vorgehabt. Typisch!

Die schöne neue Trense erwies sich dann als zu klein, was mich sehr ärgert, habe ich doch alles dreimal gemessen und vermutlich dreimal falsch. Nun geht der Nasenriemen nicht zu, sehr ärgerlich und ich hoffe sehr, dass ich das ändern lassen kann. Immerhin ist es doch das erste Geburtstagsgeschenk für Lissy von mir.

Auf dem Platz war Lissy heute superartig, er lief aufmerksam und taktklar, zeigte sich also von seiner besten Seite. Ich hatte also richtig Spaß und alles Dumme von vorher war vergessen. Beim Galoppieren wollte ich nun die Bügel überschlagen. Das mache ich öfter mal, aber beim Galopp eher nicht, das war am Sonntag eine Ausnahme gewesen, da meine Freundin ihn nicht in Galopp bekam und ich die Bügel nicht verstellen wollte, um es ihr zu zeigen. Nun wollte ich es aber mal in der Bahn versuchen. Lissy war ja total artig gewesen und ich hegte keinerlei Argwohn, bis zu dem Moment, als wir auf den Zirkel gingen. Obwohl... nein, da auch noch nicht, denn er bog echt gut ab, ohne  dass ich ihn groß "überzeugen" musste. Doch kurz bevor wir den Zirkelpunkt an der nächsten langen Seite erreichten schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass die Abteilung recht nahe war und er vielleicht zu ihnen abdrehen könnte. Ich hatte das noch nicht zu Ende gedacht, als es eben so geschah. Ich wollte linksrum weiter, er nach rechts abbiegen... das konnte nicht gut gehen und schon kam ich der Erde näher. Lissy war allerdings nicht mehr im Galopp, als ich ins Rutschen kam, war er sofort langsamer geworden und als ich zu Boden plumpste, da blieb er sogar bei mir stehen, anstatt  zu den anderen zu laufen. Mir ging es gut, ich rappelte mich auf, froh, mal nichts zu haben nach einem Sturz. ich war zwar staubig und vielleicht bekam ich einen kleinen blauen Fleck an der Hüfte. Lissy hatte meiner Meinung nach meinen Helm gesteift mit einem Huf, aber nicht schlimm und irgendwie hatte ich mir das Kinn gestoßen, das war eine Schürfwunde und brannte etwas eklig. Ich klopfte mir den Staub ab und wollte wieder aufsteigen, ärgerte mich total darüber, dass er mich so überlistet hatte und wollte es nun besser machen. Da kam Doris und schaute mich prüfend an. "Du blutest da" sagte sie und deutete auf mein Kinn. Also wollte ich die Schramme abwaschen und vielleicht ein Pflaster drauf machen. Doch im Waschraum stellte sich die kleine Wunde als hässliches kleines aufgeschürftes Loch dar, welches auch noch recht gut blutete. So was Blödes aber auch.  Gerade hatte ich mich noch gefreut, dass es so glimpflich abgegangen war und nun das. Doris meinte, das sollte sich besser ein Arzt ansehen und nach kurzem Zögern stimmte ich ihr zu. Hermann, unsere gute Seele brachte mich dann zu seinem Hausarzt, der und freundlicherweise an seinem Sprechstundenfreien Nachmittag empfing.

Doch der konnte nicht viel machen. Er desinfizierte die Wunde und schickte uns dann weiter zum Chirurgen, denn er meinte, dass sollte besser genäht werden. Das hat der Chirurg dann auch getan. Nun habe ich einen Riesenverband am Kinn, eine genähte Platzwunde und ärgere mich noch immer, aber nur über mich. Natürlich bin ich noch gut davon gekommen, bei meinem Talent von stehenden Pferd zu fallen und mir den Finger zu brechen, weil der Zügel drum gewickelt ist hätte das auch anders ausgehen können. Dennoch ärgert es mich und ich werde sicher mit Lissy daran arbeiten, dass er sich dieses Hakenschlagen ganz schnell wieder abgewönht.

Ich bin Lissy nicht böse, er hat nur getan, was er in diesem Moment für sich am besten fand. Ich habe selber entschieden die Bügel hochzuschlagen und habe die Quittung bekommen. Mein Pferd trifft keine Schuld. Ich hoffe einfach, dass ich in der nächsten Zeit beim arbeiten mit ihm an dieser Sachen feilen kann und galoppiert wird in der Abteilung nur noch mit Bügeln, jedenfalls, wenn es auf den Zirkel geht... versprochen!

5. Juli 2005

Den inneren Schweinehund besiegen...

Also, es geht mir wieder gut, morgen werden die Fäden gezogen und es ist alles super verheilt. Nur eine Sache ist da noch, die mir Sorgen macht. Beim reiten ist es plötzlich da, dieses Kribbeln, dieses blöde Gefühl, dass doch "gleich" was passieren könnte. Ich hasse es. Ich bin nach dem Sturz einmal im Unterricht mit geritten und alles lief gut, nur beim galoppieren versteifte ich mich erstmal. Aber beim dritten Anlauf klappte es dann sogar und als wir die Runde geschafft hatten, war ich mächtig stolz auf mich. Beim vierten Mal bin ich dann sogar auf dem Zirkel galoppiert. Eigentlich schien alles wieder gut zu sein. Doch als ich dann zwei Tage später allein mit ihm reiten wollte, da traute ich mich nicht ins Gelände, wieder dieses Gefühl. Ich hab mich dann in die Halle verkrochen und ganz für mich in Ruhe am Tölt und an Übergängen gearbeitet. Hat nicht viel Spaß gemacht. Am Wochenende war es dann so warm und es waren viele Bremsen unterwegs, so dass ich eine Ausrede hatte, nur kurz in der Bahn zu reiten. Es hat wieder alles gut geklappt, nur Lissy hatte überhaupt keine Lust.

Gestern dann bin ich mit Laura zum Hof gefahren: Sie hatte mich schon vorher gefragt, ob wir nicht ausreiten wollen. Das Wetter war toll, es war sonnig, aber auch windig, weniger Bremsen... Ich sagte ja und wir sind dann zusammen losgeritten. Am Anfang fand Lissy die Bremsen doof, schlug mit dem Kopf und war sehr unkonzentriert. Ich hatte schon wieder einen eisigen Klumpen im Magen und wäre am liebsten gleich umgedreht. Ich sagte Laura auch, das ich Angst habe, das ist bei ihr kein Problem, ich kann mit ihr darüber reden und sie nimmt es immer ernst. So auch dieses Mal. Sie sagte, wir würden noch ein Stück reiten und wenn sie zu schnell sei, dann sollte ich es sagen... So ging es weiter und weiter und schließlich waren wir über die Straße hinweg und vor uns lag das wunderschöne Ausreitgelände. Laura hatte mir von der Schule erzählt und mich so völlig abgelenkt. Ich merkte erstaunt, dass ich keine Angst mehr hatte. ich schlug sogar vor gleich zur Galoppstrecke abzubiegen. Lissy war inzwischen viel ruhiger, im Wald waren kaum Bremsen und er wirkte so zufrieden, wie lange nicht mehr. Der erste Galopp war schon toll, denn Lissy ließ Sæla einfach weggaloppieren, als er nicht mehr mithalten konnte und lief wie ein Uhrwerk weiter, bis wir schließlich durchparierten.  Ich war echt begeistert. Wir sind ca. anderthalb Stunden ausgeritten und noch dreimal galoppiert, sogar richtig schnell. Es hat Riesenspaß gemacht und als wir dann zum Hof zurück kamen habe ich Laura erstmal ganz lieb gedankt, denn sie hat immer Rücksicht genommen und gefragt, ob das Tempo in Ordnung ist. Dieser Ausritt hat mir eine Menge Mut zurück gebracht und wenn das Wetter uns gnädig ist, dann wird er morgen wiederholt.

19. Juli 2005

Nochmal? Nochmal!

Es läuft wieder echt gut mit uns beiden. Meine Angst wird immer weniger und Lissy dankt es mir mit Vertrauen und Sicherheit. Im Unterricht arbeitet er fleißig mit, sogar das Schenkelweichen wird immer besser. Nun wollte ich aber endlich mal wieder ausreiten und heute haben wir es getan. Laura und Sæla im Schlepptau machten wir uns auf den Weg. Da wir dem Wetter nicht recht trauten ritten wir eine kleinere Runde, und es lief alles super. An der Galoppstrecke kribbelte es kurz, aber das war gleich vorbei, als wir angaloppierten. Laura hatte ihr Pferd wie immer total im Griff und schließlich genoss ich sogar das flottere Tempo. Unglaublich! Lissy galoppierte so sicher und ließ sich so fein zurücknehmen, dass ich nur den Galopp genießen konnte. Als wir durchparierten drehte Laura sich um und sah mein strahlendes Gesicht... Grinsend fragte sie halb im Spaß: "Nochmal? Aber warum denn nicht? Immerhin hatten wir nur die kleine Runde ausgemacht und außerdem war es so schön gewesen... Also antwortete ich voller Ernst: "Nochmal!" Und das taten wir dann. Wir drehten eine weitere Runde, um wieder an den Anfang der Galoppstrecke zu kommen und dieses Mal war es noch schöner... Lissy packte der Ehrgeiz und er ließ sich nicht abhängen, es war wie fliegen...

Endlich ist die Angst vorm Galoppieren weg, ich bin so froh, dass wieder überwunden zu haben. Aber mit Laura an meiner Seite fühle ich mich einfach sicher und das ist ein großer mentaler Vorteil.

 

28. August 2005

Viele tolle Neuigkeiten

Lange habe ich nichts geschrieben, aber die alltägliche Routine ist ja auch eher langweilig, denn lesenswert. Dennoch hat sich einiges getan, was ich den tatsächlich vorhandenen Lesern dieser Seite nicht vorenthalten möchte. Zuerst ist es mir beim letzten Turnier aufgefallen. Nein, ich bin nicht gestartet, denn auf einer Landesverbandsmeisterschaft fühle ich mich mit meinem mäßigen Können doch eher fehlplaziert und ich denke auch mal ganz realistisch, dass meinem Pferd da auch das gewisse "Potenzial" fehlt. Aber trotzdem gab es an eben diesem Wochenende eine Entdeckung, die mich sehr freute. Am Abend des ersten Turniertages beschlossen Laura und ich noch einen kleinen Ausritt zu machen. Ich war erst etwas skeptisch, denn der Trubel, die vielen Leute und Pferde, eben das ganze Drumherum hatten Lissy beim letzten Mal echt nervös gemacht. Aber wir wollten es einfach versuchen. Als wir losritten, war Lissy echt ruhig, er schaute sich aufmerksam um und mit Saela an seiner Seite schien er sich auch total sicher zu fühlen. Als wir an einem "Dixie-Klo" vorbeikamen ging gerade die Tür auf, also von innen und ich sah mein Pony schon zur Seite springen, aber das einzige was sich zur Seite bewegte war das Ohr auf der Türseite und er ging weiter, als würde dort immer und ewig schon eine Mobiltoilette stehen. Die Pferde auf dem Paddockplatz wurden ebenfalls aufmerksam begutachtet, aber ansonsten lief er einfach weiter. Ich war ganz platt, hatte ich doch mit viel mehr Theater gerechnet. Mein Pferd blieb ruhig und gelassen und ich habe mir das sprichwörtliche Loch in den Bauch gefreut.

Die zweite Neuigkeit ist, dass ich endlich eine Reitbeteiligung gefunden habe. Die junge Frau heißt Lena und ist für mich der Glücksgriff schlechthin. Bisher hat sie zwar noch keine Isländererfahrung, reitet aber schon lange und sehr gut, wie ich finde. Mit Lissy kommt sie sehr gut klar, nachdem er einmal seinen Dickkopf vergebens an ihr getestet hat. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei den beiden und es ist für mich eben auch eine Erleichterung zu wissen, dass er genug Bewegung hat, selbst wenn es bei mir mal zeitlich eng wird.

Heute hatten wir dann mal wieder eine Premiere, wurde ja wohl auch Zeit. Ich bin mit Lissy anderthalb Stunden lang alleine ausgeritten, durchs Dorf und dann durch den Wald, sogar Wege, die ihm völlig fremd waren. Und mein lieber Dicker zeigte seine anscheinend neu gewonnen Coolness auch heute wieder. Abgesehen von ein paar Metern "Sicherheitsabstand" zu ein paar liegenden Kühen, an denen er in der Gruppe anstandslos vorbeigeht, war der Ausritt ganz entspannt, keine Hüpfer, kein Stehenbleiben. Ich war mal wieder völlig überrascht, hatte ich doch zumindest mit etwas mehr Aufregung gerechnet. Andererseits bin ich natürlich sehr froh, dass alles so gut gelaufen ist und freue mich nun auf ausgiebige Ausritte, auch ohne Begleitung und vor allem, ohne das dumme "Kribbeln" im Bauch.

Zuletzt noch ganz kurz: Lissy war wieder beim Schmied, neue Eisen waren fällig und wie bisher auch, war er völlig artig und lieb. Und dann braucht er jetzt einen kürzeren Sattelgurt (110 cm), es ist doch zu merken, dass er 2 - 3 Mal mehr geritten wird in der Woche. Sollten wir übrigens nächstes Jahr wieder ein Hausturnier veranstalten, dann bin ich sicher mit ihm dabei. Inzwischen sind wir doch ein recht gut eingespieltes Team geworden, finde ich zumindest. so dass ich das getrost ins Auge fassen kann.

Mein Zukunftswunsch bist jetzt ist allerdings immer noch, dass wir eines Tages den Trab finden... So, dass soll erst mal wieder reichen. ich freue mich, dass es doch immer noch Leute geben, die hier mitlesen und bedanke mich mal für die lieben GB Einträge und werde natürlich weiter berichten, wann immer es etwas Neues gibt.

 

03.Oktober 2005

Nicht viel Neues, aber trotzdem...

Erstmal möchte ich mich für die lieben neuen Gästebuch Einträge bedanken, vor allem bei Mira und Christine. es ist so schön, zu sehen, dass es Leute gibt, die sich für die doch recht "gewöhnliche" Geschichte von Lissy und mir interessieren. Na ja, es gibt nicht nicht wirklich viel Neues zu berichten, aber es läuft einfach gut mit uns. Heute bin ich mal wieder alleine ausgeritten und wieder blieb mein Pferdchen ruhig und gelassen, obwohl uns eine Menge Spaziergänger und Radfahrer begegneten und wir zudem unsere Standardstrecke einmal in anderer Richtung erkundeten. Lissy töltet nach kurzer Passverspannungsphase wieder sehr schön, traben kann er immer noch nicht, aber der Galopp wird besser. Im Gelände klappt zwar der Rechtsgalopp nicht so gut, aber da ist es mir eigentlich noch egal. Dafür kann er jetzt Zirkel und Volten galoppieren und das Schenkelweichen klappt sogar im Gelände. Ich habe jetzt seinen Sattel aufpolstern lassen, denn dadurch, dass er so abgenommen hat, hat der sich ganz schön abgesenkt. Und wir haben ein anderes Gebiss, ich reite ihn jetzt mit einem doppelt gebrochenem Olivenkopfgebiss mit Kupfermittelstück. Er nimmt es gut an und scheint auch aufmerksamer zu sein. Leider musste ich den Nasenriemen wieder an die Trense machen, denn er hat wieder begonnen sich auf die Hand zu legen und den Kopf runter zu ziehen. Ich suche ja immer noch nach einer isländischen Trense, allerdings waren bei denen, die ich bisher probiert hatte immer die Nasenriemen zu kurz... Ich wechsel jetzt eben zwischen der englisch kombinierten Trense und der Nylontrense, die ja hannoversch ist.

Eines noch: Ich musste heute echt lachen, denn an einer Stelle ist Lissy dann doch mal wieder in ein altes Muster verfallen. Wir ritten an einer Straße entlang, an deren Rand Eichen stehen. Dort wehte der Wind immer mal wieder eine Eichel herunter auf das Dach der darunterstehenden Scheune und bei jedem "Klack" machte er einen winzigen Hüpfer, um dann wie angewurzelt stehen zu bleiben... Allerdings schien ihm mein Lachen dann zu signalisieren, dass dort keine pferdefressenden Monster von den Bäumen springen, denn nach ca. sechsmal Hüpfen-Stehen, ging er normal weiter...Ich allerdings grinste die nächsten 500 Meter sicher immer noch wie ein Kobold.  Dann trafen wir zwei Frauen mit einem Kleinkind, die stehen blieben, um das "süüüße" Pony anzuschauen *g*. Ich hab dann gegrüßt und kurz angehalten, doch mein Pferd fand, dass er bei soviel Bewunderung doch auch auf Tuchfühlung gehen konnte, zumal die eine Frau eh schon zaghaft eine Hand gehoben hatte. Er hat dann einfach mal "nachgefragt", ob sie nicht zufällig was zu fressen dabei hätte. Wir lachten alle darüber und sie durfte dann ihre angesabberte Hand an seiner Mähne wieder abwischen. Typisch Lissy...kaum macht ihm jemand ein Kompliment wird er übermütig...

 

13. November 2005

Lehrer Lissy

Wieder über einen Monat Funkstille, das geht natürlich nicht und auch, wenn nicht wirklich etwas spannendes passiert ist, möchte ich etwas aus dem Alltag berichten. Es gibt mal wieder kleine Probleme, denn Lissy neigt wieder verstärkt dazu, sich auf die Hand zu legen. Allerdings macht er das nur in der Bahn, also bei der Arbeit. Im Gelände gibt es das Problem nicht. Ich dachte, es würde vielleicht mit dem Pullerriemen besser werden, aber dieses Mal funktioniert das so nicht. Ich hoffe, dass es mit einer anderen Trense vielleicht etwas besser wird. Mira hat mir eine angeboten, mit der ich es nun versuchen werde, wenn ich sie denn habe. Außerdem hat er immer wieder Phasen, in denen er meinen Rang in Frage stellt und recht respektlos ist. Bisher konnte ich es noch immer wieder klären, aber er kann schon sehr hartnäckig sein. Ich möchte mal in die "Be Strict" Bücher vom M. Geitner schauen, ich hab viel positives gehört. Mal sehen, ob wes was bringt. Unser Winterprogramm habe ich auch festgelegt, ich werde vermehrt Stangen und Cavalettis einsetzen, auch mal frei springen und Aufmerksamskeitsübungen beim Freilaufen. Dann ist natürlich immer noch der Trab ein Wunsch von mir, aber so richtig glaube ich nicht daran, dass wir ihn finden...ohne Hilfe sicher nicht. Na ja, wenn der Tölt so nett bleibt, dann werde ich mich sicher nicht beschweren.

Im Unterricht ist uns was Witziges aufgefallen. Wenn ich Lissy rückwärts richte, dann geht er Schritt für Schritt zurück, also ein Bein nach dem anderen, als würde er rückwärts tölten. Erst waren wir etwas irritiert, aber dann meinten wir, er kann eben nicht diagonal gehen, sonst könnte er ja auch traben *g*.

Gestern habe ich mal wieder etwas Neues gemacht. Lissy durfte Lehrer spielen. Meine Freundin Daniela möchte so gern reiten und hat nun angefangen bei Doris Unterricht zu nehmen. Ihr Liebling ist Gary, unser wilder "Oldie", den sie ohne jedes Vorurteil ritt und gut mit ihm zurecht kam. Allerdings hat sie natürlich noch Probleme mit dem Sitz und dem Gleichgewicht und in der Gruppe ist es schwer auf den Einzelnen einzugehen, zumal unsere Freitagsgruppe schon sehr fortgeschritten ist. Also habe ich ihr angeboten, sie auf Lissy an die Longe zu nehmen, damit sie mal ganz in Ruhe Sitzübungen machen kann. Das wollten wir nun gestern machen. Ich hab dann allerdings die Longe vergessen und Lissy geht an der Longe eh nicht so gut. Also machte ich das anders. Ich hab Lissy warm geritten, ihr noch ein paar Sachen erklärt, Schenkelhilfen, Zügelhilfen, usw. Es ist auch für mich immer wieder lehrreich, es jemandem zu erklären, weil ich mir dann noch mal richtig Gedanken machen muss, warum man eben die Sachen so macht, wie man sie macht. Dann ging es los. Daniela schwang sich auf Lissy und ich ließ sie erst mal in Ruhe ein paar Runden im Schritt reiten. Dabei korrigierte ich ihren Sitz immer wieder und erklärte noch mal die Hilfen. Es ging es super, sie war ganz konzentriert, aber entspannt, anders als in der Gruppe, wo sie schnell nervös wird.  Dann durfte sie antölten und Lissy ist sogar getöltet, hätte ich gar nicht gedacht. Wir übten nun Gangart wechseln und anhalten und wieder klappte es toll, denn auch Lissy wirkte sehr aufmerksam, er war viel auf Daniela konzentriert, holte sich aber meines Erachtens nach auch immer wieder durch ein Ohrenzucken oder einen Seitenblick die Versicherung von mir, dass er alles richtig machte. Dann habe ich Daniela die Zügel geklaut, sie durfte sich am Sattel festhalten und ich ließ Lissy galoppieren. Auch hier enttäuschte mich mein Pony nicht, denn er wurde auf Kommando sofort langsamer oder blieb stehen, auch wenn wir das lange nicht geübt haben. Zwischendurch ließ ich Daniela immer mal wieder die Arme locker an den Seiten runter hängen, über den Kopf nehmen oder die Arme kreisen, das natürlich im Schritt.

Anschließend ging es dann mit Zügeln, aber ohne Bügel weiter, ich führte Lissy nun Daniela sollte einfach mal die Augen schließen und das Pferd unter sich gehen fühlen. Das war nicht ganz einfach, denn erst wollten die Augen nicht zu bleiben. Nach ein paar Runden entspannte sie sich aber immer mehr und wir machten die selbe Übung noch einmal im Tölt. Dann machten wir etwas völlig Verrücktes, denn ich ließ sie sich auf dem Pferd umdrehen und sie ritt von mir geführt eine Runde rückwärts im Schritt... Das war echt spannend. Wieder in der richtigen Richtung ließ ich sie Lissy dann trocken reiten. Müde, aber sehr zufrieden beendeten wir die Stunde, mit dem Wunsch von ihr, das möglichst bald noch einmal zu wiederholen...

Ich war sehr zufrieden mit beiden, denn nicht nur Daniela war sehr bemüht und hat sicher auch viel gelernt, sondern Lissy war genau, wie ich gehofft hatte das Verlasspferd, als das ich ihn gekauft habe. Er reagierte sofort auf Stimmkommandos, er war sehr aufmerksam, zum Beispiel, wenn Daniela nur wenig aus dem Gleichgewicht kam, wurde er gleich langsamer. Er wirkte so interessiert, als würde ihm diese Lehrstunde ebenso gefallen wie Dani.

Natürlich war nicht alles perfekt, das hätte mich auch gewundert. Beim Rückwärtsrichten blieb er nicht gerade, sondern drehte den Hintern immer in die Mitte. Ich korrigierte Dani ein paar Mal, aber er machte es immer wieder. Erst als ich mich an seine Hinterhand stellte und ihm, als er es wieder machte einen Klaps auf den Po gab, da ging es plötzlich wie geschmiert. Da hat der Dicke die Dani mal kurz ausgetestet. Aber wie gesagt, ich bin sehr zufrieden und freue mich schon auf eine Fortsetzung.

Ich möchte an dieser Stelle noch mal sagen, dass ich kein Problem damit habe, andere auf meinem Pferd reiten zu lassen. Es soll natürlich nicht ausarten und Lena und ich sind seine "Stammreiter".  Aber ich habe eben Tanja und Dani, die schnell mal Angst auf dem Pferd haben oder eben gerade erst anfangen zu reiten. Warum soll ich ihnen nicht helfen? Lissy wird es nicht schaden, wenn er drei bis viermal im Jahr einen anderen Reiter auf dem Rücken hat, der ihn dann ja auch nicht arbeitsmäßig reitet.  Und dann ist da noch Laura, die so gut reitet, dass ich sie eben gern zu Rate ziehe, wenn ich nicht weiter weiß. Warum soll sie nicht erst mal eine Sache erarbeiten, die ich Lissy  nicht plausibel nahe bringen kann, weil mir die reiterlichen Fähigkeiten fehlen? Gerade in diesem Fall wird Lissy eher profitieren, denke ich. Ich habe so wenig Leute, die mein Hobby teilen und mit denen ich mich austauschen kann, dass ich froh bin, wenn ich ihnen durch so etwas, wie die Reitstunde mit Dani gestern, etwas Gutes tun kann.

Ich kann natürlich die Leute verstehen, die fein gerittene Turnierpferde haben, oder Pferde, die nicht einfach zu reiten sind, dass sie da "Alleinreiter" sind.

So, nun ist es doch ein recht langes Update geworden. Vielleicht liest es ja jemand und gibt mir ein kleines Feedback im GB, würde mich freuen.

Bis zum nächsten Mal!

15. Dezember 2005

So, da sind wir wieder. es gibt nicht viel Neues von Lissy. Er ist zufrieden, hat Dani noch zweimal als Lehrpferd zur Verfügung gestanden und macht sich immer noch prima. Mit der isländischen Trense kommt er scheinbar doch besser zurecht, zumindest schlägt er nicht mehr mit dem Kopf. Sein Tölt ist im Moment echt locker und gut, er liegt kaum noch auf der Hand und es macht irre Spaß ihn zu reiten. Am letzten Samstag habe ich ihn mal ganz kurz ohne Sattel geritten, was für ein Unterschied zum Anfang des Jahres, wo man seine Wirbelsäule nicht spüren konnte... Ich hab mir selber einen Wunsch erfüllt und bin mal ohne Sattel galoppiert, irre! Lena kommt auch prima mit Lissy zurecht, was mich natürlich sehr freut, denn sie ist ein echter Glücksgriff.

Jetzt habe ich es endlich geschafft mir Stangen und Cavaletti in die Halle zu holen, das bedeutet, dass ich nun keine Ausrede mehr habe, mich vor der Bodenarbeit zu drücken. Ich bin echt gespannt, ob sich da noch der Trab zeigt.

So, ein Mini Update dieses Mal, aber es gibt eben nicht viel Neues... Falls wir uns nicht mehr lesen wünsche ich allen stillen und mir bekannten Mitlesern von Lissys Tagebuch eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

31. Dezember

Jahresrückblick

Das Jahr ist fast zu Ende und es wird Zeit ein kleines Resumee zu ziehen. Noch bin ich kein volles Jahr Pferdebesitzer, aber lange ist das auch nicht mehr hin. Es war vor allem ein Jahr des Lernens für mich genauso, wie für Lissy. Ich habe mir noch nie so viele Gedanken über Pferdehaltung, Fütterung, Beschlag, Sättel, Ausbildung, und und und... gemacht. Vorher hatte ich eben ein Schulpferd, welches ich vor und nach dem reiten versorgte und gut war's. Jetzt lag es auf einmal an mir Entscheidungen zu treffen? Welche Eisengröße, bzw. Gewicht? Soll Lissy zum Zahnarzt? Wo wird der Sattel zum Aufpolstern hingebracht? Woher bekomme ich eine neue Trense, die auch passt? Aber wir haben es geschafft und alle Fragen zu unserer Zufriedenheit beantworten können, denke ich.

Nun liegt das neue Jahr vor der Tür und ich habe das alte reiterlich mit einem fast zweistündigen Glühweinritt in netter Runde beendet. Wir ritten durch den winterlich verschneiten Wald und machten zwischendrin eine Pause, in der ich Lissy mit dem Punschbecher nicht zu nahe kommen durfte, sonst hätte er wohl einen Schluck genommen. Auf diesem Ritt hatte ich ein wundervolles Erlebnis, denn Lissy lief zwar von Anfang an total gut durch den Schnee, aber als wir dann auf dem Weg nach Hause eine besonders schöne Strecke nahmen, da ist er endlos lange absolut taktklar und sogar recht schnell getöltet. Das war so ein irres Gefühl, über diese wunderschöne Schneelandschaft zu gleiten, den Atem als weiße Wolke vor dem strahlenden Gesicht und den reinen Viertakt meines Ponys im Ohr... Ich hätte jubeln können vor Freude und Stolz!

Jetzt liegt ein neues Jahr vor uns. Es wird ein paar Veränderungen bringen, jedenfalls für mich, da ich wieder anfange zu arbeiten. Es ist ein lausiger Job, aber ich will mein Pferdchen nicht hergeben, also werde ich alles tun, was dafür nötig ist. Lissy fühlt sich riesig wohl auf dem Stormurhof, er spielt und schmust mit den anderen Wallachen, ist munter und zufrieden. Ich habe endlich alles zusammen, was ich an Ausrüstung haben wollte...obwohl, hat man das wirklich jemals? Ich möchte jetzt den Sattel noch mal kontrollieren lassen und ihn ggf, noch mal aufpolstern, bzw. die Polsterung erneuern. Und dann steht auf dem Plan für 2006 noch, dass wir weiter am Trab arbeiten, dass wir Daniela weiter helfen, dass wir auf dem Hausturnier zeigen, das wir auch anders können und vor allem wünschen wir uns ein gesundes, fröhliches Jahr mit vielen Highlights und wenig Wolken.

Petra und Lýsingur wünschen allen Lesern von Lissy's Tagebuch einen guten Rutsch und ein wunderschönes neues Jahr!

Wir lesen uns 2006!!!

 

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