Lýsingurs Tagebuch

Teil 1 (2005)  / Teil 2 (2006)  /  Teil 3 (2007) / Teil 4 (2008) Teil 5 (2009)

Teil 3

2007

 

Gleiches Schicksal widerfährt
Reiter und Ross im Lande.
Es knüpfen Isländer und Pferd
glückdurchwirkte Bande.

 

Februar 2007

Alte und Neue Sorgen

Das neue Jahr ist ja nun schon wieder ein paar Wochen alt und viel Neues gibt es zur Zeit nicht zu berichten. Dennoch möchte ich diese Seite nicht im Winterschlaf versinken lassen und notiere eben die kleinen Dinge, die so schnell in Vergessenheit geraten, wenn man sie nicht festhält.

Leider sind diese Kleinigkeiten im Moment nicht so erfreulich, jedenfalls nicht so richtig, aber auch nichts, woran man nun verzweifeln muss.

Lissy hat wie eigentlich jedes Jahr mit dem Winterfell ein paar kleine Scheuerstellen am Kopf bekommen. Zudem war der Winter ja so mild, dass die Pferde enorm schwitzten. Er hat sich nach dem reiten dann an einem Holzbalken gescheuert und dabei wohl Dreck an eine dieser Stellen bekommen. Jedenfalls begrüßte mein Pony mich Mitte Januar mit einem haarlosen "Loch" im Fell, genau dort, wo der Ring vom Gebiss liegt. Zum Glück war die Haut heile und der Schorf löste sich schnell, aber es sah schon schlimm aus. Mit Geduld und eincremen haben wir nun wieder einen zarten roten Haarflaum an dieser Stelle und auch der Rest heilt wie jedes Jahr langsam wieder ab.

Dann hat mein Dicker wohl beschlossen, die Nerven seiner Reitbeteiligungen zu testen. Nachdem er mit Stefan im letzten Jahr schon den einen oder anderen kleinen Test gemacht hatte, zum Beispiel so zu tun, als habe er noch nie in seinem Leben Schafe gesehen und beim ersten Anzeichen dieser bedrohlichen Tierart auf dem Absatz kehrt zu machen und loszurennen. Dabei reiten wir gerade im Sommer regelmäßig an Schafen vorbei. Nun ist jedenfalls Nina an der Reihe, so scheint es, denn letzte Woche beim Ausritt ist Lissy mit ihr umgedreht und in den Wald gerannt, als ein Hund von einem Holzstapel sprang. Lissy hatte Hund, Holz und Herrchen aber schon vorher gesehen und fand plötzlich den Hund ganz furchtbar, dabei interessieren ihn Hunde sonst gar nicht. Nina konnte aber oben bleiben und ich hielt diese Sache für abgeschlossen. Aber diese Woche gab es den nächsten Klopfer. Nach der Reitstunde wollte die Gruppe noch ein kleines Stück ausreiten und verließ zu Pferde die Reithalle. Normalerweise geht das ohne Probleme, man muss sich nur an der Tür etwas ducken. Die Pferde kennen das und sind eigentlich auch immer sehr vorsichtig.

Dieses Mal war ein Pferd dabei, dass noch nicht so lange bei uns im Unterricht ist und dieses rannte dann auch recht planlos durch die Tür. Lissy war ein gutes Stück dahinter und sollte als nächster. Wie gesagt, er kennt den Ablauf und passt normalerweise sehr gut auf. An diesem Tag jedoch war eines der Kinder auf der Tribüne und stieß dort unvermittelt gegen einen dort stehenden Plastikstuhl. Dieses Geräusch kennt Lissy auch zur Genüge, denn es passiert oft genug, wenn Zuschauer dort oben stehen. Aber in diesem Moment meinte er, dass es sich nur um ein pferdefressendes Monster handeln könnte und er setzte dem anderen Pferd so schnell nach, dass nur eine beherzte Gymnastikeinlage Nina davor rettete an der Tür hängen zu bleiben. 

Es ist niemandem etwas passiert und alle kamen mit dem Schrecken davon, aber es ist doch nicht so toll jede Woche auf den Hof zu kommen und zu hören, was denn nun wieder passiert ist. Ich hoffe, dass Lissy diese Testphase bald abschließt und das mit einem befriedigenden Ergebnis für alle Beteiligten.

 

Zum Abschluß aber doch noch etwas erfreuliches. Lissy läuft noch immer super und zeigt Fortschritte. Er kommt nun noch besser aus der Schulter und seine Hinterhand ist deutlich aufnahmefähiger. Auch mit Pia und Nina töltet er weitestgehend taktklar, auch wenn dort die Haltung noch zu tief ist, aber dennoch ist es eine tolle Sache. In diesen Punkten bin ich sehr zufrieden mit meinem Pferd und sehr gespannt, was uns die kommenden Lehrgänge bringen und natürlich, wie wir beim Turnier abschneiden werden.

 

März 2007

Weiterbildung und Schirmmonster

Ich werde das Tagebuch in diesem Jahr monatlich aktualisieren, denn es ist ja doch eine gewisse Routine in meinen Pferdealltag eingekehrt und ich werde hier nun die Highlights und natürlich die kleinen und großen Momente des Glückes aber auch des Zweifelns (wenn nicht Verzweifelns) festhalten. Es läuft nach wie vor sehr gut und in zwei Wochen steht der dritte Kurs bei Andreas Windsio (http://www.andreas-windsio.de) an, auf den ich mich riesig freue, hat er mir doch die Augen für mein Pferd neu geöffnet und mir Wege gezeigt, die ich für uns außer Reichweite sah. Diesen Kurs teile ich mir mit Nina, denn ich möchte gern, dass auch sie von Andreas' Wissen profitiert. Immerhin kennt er meinen Dicken schon ganz gut und kann ihr sicher den einen oder anderen Tipp geben.

In fünf Wochen ist dann schon wieder Lernen angesagt, denn Andreas kommt zu uns und macht einen Kurs zur Turniervorbereitung. Das wird sicher sehr interessant und arbeitsintensiv, denn ich habe mir viel vorgenommen. Natürlich hoffe ich, nicht zuviel. Ich möchte gern noch einmal die einfache Töltprüfung (T8) reiten, um die Ergebnisse mit denen vom letzten Jahr vergleichen zu können. Dann den Geländeritt, die Geschicklichkeitsprüfung und zur Entspannung dann noch Bierglastölt. Ich freue mich schon sehr aufs Turnier und bin sehr gespannt, wie weit sich unser fleißiges Training auszahlen wird. Natürlich bin ich Realist genug, zu wissen, dass ich keine Höhenflüge erwarten darf, dazu fehlt nicht nur dem Pferd, sondern auch dem Reiter das Material. Aber ein gutes Mittelmaß ist doch wohl erstrebenswert. Ich lasse mich jedenfalls überraschen.

Tja, dann hat es mich nun auch noch erwischt mit Lissys "Macken". Beim letzten Ausritt, in Begleitung eines anderen Pferdes hatten wir eine "unheimliche Begegnung der beschirmten Art". Wir ritten im Staatsforst und uns kamen zwei Frauen mit Regenschirmen entgegen. Kein Problem dachte ich, denn Lissy kennt Regenschirme und sie interessieren ihn normalerweise nicht. Doch im Wald sind ihm wohl noch keine begegnet, obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin. Jedenfalls starrte mein Pony wie hypnotisiert auf den knallgelben Schirm der einen Frau (war vielleicht die Farbe?), die andere hatte einen unauffälligen in weinrot. Seine Ohren wurden spitz und spitzer, der Kopf kam hoch und höher...(hmmm Regenschirme sorgen also für eine gute Aufrichtung, vielleicht eine Notiz machen fürs Turnier... aber quietschgelb müssen sie sein.) Ich sprach ruhig auf ihn ein und fasste die Zügel nach, während ich meine Mitreiterin bat, mal anzuhalten. Lissy stand dann auch wie angewachsen und starrte und starrte... Dann drehte er sich recht unvermittelt um und machte einen Hüpfer nach vorn. Doch darauf hatte ich gewartet, vorgewarnt von Nina und Stefan, die ja ähnliche Situationen erlebt haben. Ich hatte die Zügel kurz und nun hielt ich gegen, während ich laut und bestimmt "Halt!" sagte. Lissy stand sofort wieder wie ein Standbild, beide Ohren waren auf mich gerichtet und er hatte den Popo eingezogen, als erwarte er ein Donnerwetter. Ich lobte ihn ausgiebig, dann bat ich die beiden Frauen ihre Schirme zu schließen. Das hatten die aber schon getan und so drehte ich Lissy wieder um. Noch etwa argwöhnisch musterte er die Frauen, aber da nun keine "Schirmmonster" mehr zu sehen waren, ließ er sich überreden weiter zu gehen.

Der Ritt lief danach unproblematisch weiter und ich hoffe, dass wir das Thema "umdrehen und weglaufen" jetzt mal zu den Akten legen können. Ich werde Lissy in der nächsten Zeit mal immer wieder mit Regenschirmen in verschiedenen Farben und Größen konfrontieren und hoffe so, dass er sich dran gewöhnt, dass diese Dinger immer mal wieder auftauchen können und vor allen, dass sie keine Pferde fressen...

 

April 2007

Wochenend und Sonnenschein und ein Korb voller Zufriedenheit

Endlich war das schon erwartete Wochenende da, der dritte Lehrgang mit Andreas Windsio. Ich hatte Lissy fleißig nach seinen Vorgaben trainiert und gearbeitet und war schon vom Bauchgefühl her sehr zufrieden mit ihm. Eigentlich wollte ich am Freitag noch mal ganz konzentriert arbeiten zur Vorbereitung, doch leider machte mir mein kleiner Sohn einen Strich durch die Rechnung, denn seine Ohrenschmerzen riefen mich vom Hof nach Hause, direkt nachdem ich dort angekommen war. Zum Glück ging es ihm am Samstag schon wieder total gut und ich konnte mit gutem Gewissen zum Lehrgang fahren.

Wir begannen auf der Ovalbahn mit strahlendem Sonnenschein und guter Laune. Die Atmosphäre war entspannt und fröhlich, zudem kannten wir uns auch meist schon von den ersten beiden Lehrgängen und es wurden eifrig Erfahrungen ausgetauscht.

Lissy war zu Anfang noch ganz eifrig und ließ sich auch gut motivieren. Andreas erkundigte sich bei jedem Reiter, also auch bei uns nach den Zielen, die wir uns für diesen Lehrgang gesteckt haben und wie es so gelaufen war seit dem letzten Mal. Ich konnte ihm nur Gutes berichten und ansonsten wollte ich weiter an den kleinen Problemen der Durchlässigkeit, dem Nachgeben und natürlich noch mehr taktklaren Phasen beim Tölt arbeiten.

Und los ging es mit Warmreiten und Lockern. Lissy war gut bei der Sache und zeigte, dass wir nicht untätig waren, was Andreas auch lobend bestätigte. Er riet mir weiter an meinen Ansätzen zu arbeiten, viele Übergänge zu reiten und vor allem immer das Pferd zu motivieren und die Energie zu halten. Dann bemerkte er, dass ich dazu neigte nach hinten zu kippen und nahm mir kurzerhand die Steigbügel weg. Ich dachte, dass es für ein paar Runden ja kein Problem ist, aber es wurde die gesamte erste Einheit daraus. Den Muskelkater spüre ich heute noch, drei Tage später. Aber es war gut, denn ich lernte mich besser hinzusetzen, mein Bein lang zu lassen und besser zu treiben.

Am Nachmittag ging es dann mit Bügeln weiter. Lissy war deutlich schlapper, als am Morgen und musste doppelt motiviert werden. Er wurde dann auch recht schnell maulig und legte sich vermehrt aufs Gebiss. Hier wusste Andreas wieder Rat und schlug mir vor, dass ich, sobald er nach unten zieht und sich aufs Gebiss legt, einen schnellen Handwechsel reiten soll. Das ging wirklich gut, nur muss ich hier noch daran arbeiten, noch schneller zu reagieren. Dann zeigte er mir noch, wie ich mein Pferd auf dem Zirkel besser biegen kann und gab mir wichtige Tipps zur besseren Handhaltung und Zügelführung. Wieder konnte ich mir viel mitnehmen und werde natürlich damit weiter arbeiten.

Was mich sehr stolz gemacht hat war die Aussage von Andreas, dass wir wirklich gut weiter gearbeitet haben nach den letzten Kursen und dass er nicht gedacht hätte, dass sich Lissy so gut entwickelt. Natürlich war ich erstmal sehr verlegen, aber es macht mich natürlich sehr glücklich so etwas zu hören. Ohne jetzt angeberisch klingen zu wollen war die Aussage in etwa so, dass er, wenn Lissy durchgehend so laufen würde, wie in seinen guten Phasen, nichts hätte, woran wir arbeiten könnten. Das war natürlich ein Super Lob.

Am nächsten Tag konnte ich erst am Nachmittag zum Hof fahren, aber ich hatte mir den Kurs mit meiner Reitbeteiligung Nina geteilt, so dass sie den Sonntag übernahm. Ich hoffte natürlich, dass Andreas ihr ebenso wie mir gute Tipps geben konnte, wie sie mit Lissy arbeiten kann. Sie erzählte mir dann auch, dass es sehr gut gewesen war am Vormittag und dass es ihr schon was gebracht hätte.

Nach der Theorieeinheit, in der wir über die unterschiedlichen Gänge mit Schrittfolgen, Fehlern und Korrekturmöglichkeiten sprachen, ging es zurück an die praktische Arbeit.

Ich war sehr gespannt, wie sich Nina und Lissy machen würden und es war wirklich gut. Auch wenn Lissy wieder zuerst sehr lustlos wirkte, so ließ sie sich nicht beirren, sondern arbeitete konsequent mit ihm weiter. Andreas stand ihr mit gutem Rat zur Seite und ich konnte sehen, dass sie Spaß daran hatte, seine Vorschläge umzusetzen und den Erfolg zu spüren.

Hinterher sagte sie mir dann auch, dass es ihr sehr gut gefallen hat und dass sie nun Ideen hat, wie sie auch allein mit Lissy auf der Bahn arbeiten kann und wie ich sie kenne, wird sie das auch tun.

Mein Fazit: Es war einfach wieder eine rundum gelungene Sache. Angefangen beim Traumwetter, natürlich die nette Gesellschaft, dass tolle Essen und immer wieder Andreas, der da ist mit Tipps und Ratschlägen, der Kritik verständlich äußert und mit Lob motiviert. Wieder einmal waren alle Pferde und Reiter „gleich viel“ wert und alle konnten frank und frei über ihre Vierbeiner reden und zusammen Erfahrungen austauschen. Ich habe wieder Neues gelernt, Vergessenes aufgefrischt und bin sehr stolz auf mein Pferd, weil es sich so fantastisch entwickelt hat und natürlich auch auf mich, weil ich es geschafft habe, dank Andreas, dass Lissy sich so entwickelt hat.

In drei Wochen frischen wir das Ganze auf und können hoffentlich weitere Fortschritte aufweisen.

 

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Allein unter Trollen

Nach dem super schönen Lehrgang letztes Wochenende und fleißigem Üben in der letzten Woche wollte ich heute mal ganz entspannt ausreiten. Der Sonnenschein lockte und dass ich allein reiten musste war nur ein kleiner Wehmutstropfen. Gemütlich ritt ich dann vom Hof und in Richtung Wald. Da war er plötzlich da, mein Schweinhund, der im Inneren, der eigentlich schon lange in seiner Ecke schlummert. Es kribbelte im Bauch und was ich tat, es wurde nicht weniger. Das war ein blödes Gefühl und es ärgerte mich total. Vielleicht lag es an dem dummen Zwischenfall mit dem Regenschirmen, den ich aber doch gut gemeistert hatte. Ja, ich war mal wieder soweit, dass ich mit dem Gedanken spielte umzudrehen, aber und das zählt, ich habe es nicht getan. Ich habe leise vor mich hingesungen und seit langem mal wieder richtig viel mit meinem Pony geredet. Ich verkneife mir das oft, wenn ich mit mehreren ausreite, um meine Mitreiter nicht zu nerven. Doch heute war es ok und vielleicht hat das auch geholfen, denn nach der ersten Töltstrecke, bei der auch mein Pony einfach traumhaft lief, ging es mir tatsächlich etwas besser. Wir ritten durchs Dorf und kamen in den Wald. Auch hier war Lissy einfach knuffig und lieb und vor allem, er lief super schön, ich bekam das Grinsen kaum vom Gesicht, wenn ich den sauberen Viertakt unter mir hörte.

Ich beschloss eine etwas größere Runde zu reiten und war nun auch wieder recht guter Dinge. Wir erreichten einen langgezogenen Sandweg und uns kam eine Joggerin in ganz langsamen Tempo entgegen. Lissy hatte sie schon lange gesehen und so dachte ich mir nichts weiter dabei und wir ritten einfach im Schritt weiter. Doch als die Frau echt nur noch etwa drei Meter von uns entfernt war, machte mein Dicker plötzlich einen kleinen Hüpfer zur Seite, als hätte er aus dem Nichts einen Troll im Gebüsch gefunden. Die Frau hat sich allerdings fast noch mehr erschrocken und blieb gleich stehen und fragte, ob mein Pferd sich wegen ihr erschrocken habe. Ich verneinte das allerdings, denn so richtig glaube ich da immer noch nicht dran. Sie meinte dann, dass sie einen Heidenrespekt vor Pferden hätte und ich grinste bei dem Gedanken, dass mein Puschelpony jemandem Respekt einflössen könnte. Frohen Mutes ritten wir weiter und kamen an eine weitere Töltstrecke, die einfach nur Genuss pur war. Lissy lief locker in schöner Aufrichtung und auch mein Grinsen war wieder festgetackert. Da ritten wir an einem Gebüsch vorbei und ein weiterer Troll, in Form eines Astes, biss meinem Pony in den Schweif und ließ sich ein Stück mitziehen. Lissy erschrak sich ein bisschen, aber wirklich nur ein ganz bisschen, doch das Rascheln spornte ihn zu noch mehr Aufrichtung an und er trat noch besser unter. Also eigentlich ein positives Erschrecken...schade, dass es auf der Ovalbahn keine Gebüsche gibt, wenn man eine Prüfung reitet.

Ich horchte in mich hinein und der Schweinehund schnarchte wieder brav in seiner Höhle, soweit so gut, uns konnte also nichts mehr schocken. Warum hat mir auch keiner gesagt, dass Trolle auch Fahrrad fahren? Wir waren auf dem Heimweg und kamen an die Dorfstraße. Von links kam ein älterer Herr, der ein Fahrrad schob und von rechts näherten sich zwei als Frauen verkleidete Trolle, die allerdings auf ihren Rädern fuhren. Mein Pony dachte sich nun, wenn sich hier schon alle verkleiden, dann könnte er sich ja auch mal als Vollblut versuchen und tänzelte auf der Stelle, mit einer super Aufrichtung und geblähten Nüstern. Die Fahrrad-Trolle hat das aber nicht beeindruckt, der Mann schob freundlich grüßend an uns vorbei und die beiden Frauen fuhren mit einem lächelnden Gruß an uns vorüber. Lissy war wohl beleidigt, dass ihm niemand den Araber abgekauft hatte und trottete nun wieder ganz mein Plüschtier weiter dem heimatlichen Futtertrog zu.

Doch einen kleinen Troll fanden wir dann doch noch, beim letzten Haus im Dorf hatte er sich versteckt. Ganz gemein hockte er in einer Farbdose und ließ sich von einem Mann schütteln, dass es klapperte. Lissy versuchte es noch mal mit der Vollblutnummer, aber da gab es kein Publikum, außer einem Hasen und einem Meerschweinchen in einem Freigehege vor dem Haus, so verpuffte auch dieser Versuch. Lissy schien es nun einzusehen, dass die Nummer nichts bringt und töltete wie ein braver Isländer mit mir gen Heimat. In der Futterschüssel saß dann auch kein Troll und zu Hause war die Welt wieder friedlich und in Ordnung.

Ich bin stolz auf mich, dass ich  dem Schweinehund die Zähne gezeigt habe und habe im Großen und Ganzen doch viel Spaß an meinem Pony gehabt heute. Schade, dass niemand dabei war, am besten mit einer Kamera um zum Einen die Araber Nummer für die Nachwelt festzuhalten und zum anderen natürlich zu dokumentieren, wie schön mein Pferdchen laufen kann, wenn es will.

Ich wünsche allen Lesern FROHE OSTERN und trollfreie Eier!

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Gelernt ist gelernt!

Bei strahlendem Sonnenwetter hieß es zum zweiten Mal in diesem Jahr „Lehrgang bei Andreas Windsio“ Unter dem Aspekt der Turniervorbereitung trafen wir uns dieses Mal auf dem Stormurhof. Da sich die Teilnehmer größtenteils schon kannten war die Stimmung gleich locker und fröhlich. Die gute Atmosphäre übertrug sich wohl auch auf die Pferde, denn die liefen brav und fleißig drauflos. Wie immer stand uns Andreas mit Rat und Tat zur Seite. Wenn es mal zum besseren Verständnis diente, stieg er auch selber in den Sattel, aber vor allem hatte wieder ein offenes Ohr für die großen und kleinen Probleme und mehr als einen Lösungsvorschlag parat.

In der ersten Einheit wurden wieder Videos von den einzelnen Reitern gemacht, die wir nach dem leckeren Mittagsgrillen zusammen anschauten und analysierten. Dann ging es wieder an die Arbeit und die Tipps und Ratschläge, die man gerade bekommen hatte, galt es nun in der Praxis umzusetzen. Fazit des Samstags waren müde, aber zufriedene Gesichter, auf denen sich hier und dort leichte Vorboten eines Sonnenbrandes zeigten.

Am Sonntag erschienen wir hochmotiviert zur Fortsetzung, auch wenn hier und da der Muskelkater zwickte und das warme Wetter einen eher in den Liegestuhl als den Sattel lockte.

Trotzdem gingen alle noch mal mit einer guten Portion Elan an die Arbeit und es ging an die Feinarbeiten. Mittags gab es dann noch mal gutes Gegrilltes und leckere Salate zur Stärkung, dann folgte eine gute Theorieeinheit, die sich mit der korrekten Aufgabenerfüllung in einer Geschicklichkeitsprüfung befasste. Am Nachmittag ging es dann in die reiterliche Schlussphase des Lehrganges.

Ich denke, dieser Lehrgang war wie seine Vorgänger ein voller Erfolg. Andreas hat wieder einmal sein Einfühlungsvermögen bewiesen und seine Fähigkeit jeden Reiter und jedes Pferd wirklich da abzuholen, wo sie gerade stehen. Er kann motivieren und fordern, spart nicht mit Lob und kann Kritik sehr konstruktiv anbringen.

Ich glaube auch dieses Mal sind die Feedback Bögen, die Andreas am Ende des Kurses verteilte durchweg positiv ausgefallen.

Für mich persönlich war dieser Lehrgang eine weitere Steigerung meiner und vor allem Lissys Leistung. War ich nach der ersten Einheit noch der Meinung, wir hätten uns in den drei Wochen nicht besonders weiter entwickelt, so belehrte mich das Video  eines Besseren. Zu meiner großen und besonders freudigen Überraschung sah ich mein Pferd in toller Haltung und mit für seine Verhältnisse viel Aktion über die Ovalbahn tölten. Klarer Viertakt, eine starke Hinterhand und eine freie Schulter zeigten, dass wir doch mehr geschafft hatten, als gedacht. Wie immer voller Selbstzweifel brauchte ich genau diese Bilder um es wirklich glauben zu können. Viele hatten mir schon im Vorfeld gesagt, dass Lissy super schön gelaufen sei, aber ich bin da ja immer skeptisch.

Was mir vor allen gut gefallen hat ist, dass ich es geschafft habe, meine Haltungsfehler wegzuarbeiten, nur die Hand kommt leider immer noch gern zu hoch. Aber wer ist schon perfekt?

Ich freue mich total aufs Turnier, nicht, weil ich mit großen Erfolgen rechne, sondern um einfach dabei zu sein und zu wissen…wir sind gut! Sehr gut sogar…für unsere Verhältnisse.

Lissy hat sich verwandelt, er ist wie eine Raupe, die sich immer wieder verpuppt, um als noch schönerer Schmetterling wieder hervorzukommen. Ein blöder Vergleich, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein. Als ich ihn kaufte, da war es ein fettes, ungerittenes Pony, ohne Kondition. Behindert durch sein Gewicht und einige Gebäudemängel konnte er nichts von dem zeigen, was in ihm schlummerte. Heute, fast zweieinhalb Jahre später ist er ein kräftiges, gut bemuskeltes Pferdchen, dass Spaß an der Arbeit hat und sich ständig weiter entwickelt und gern läuft. Wir haben uns den Tölt erarbeitet, unermüdlich gymnastiziert, wir hatten unsere Reibereien und unsere Sternstunden. Oft war ich am Rande der Verzweiflung, einige Male sogar am Boden der Tatsachen, aber immer wieder haben wir uns zusammen gerauft und sind unseren Weg weiter gegangen. Und eins weiß ich ganz sicher…am Ende angekommen sind wir noch lange nicht…

Ein paar Bilder vom Lehrgang findet ihr im Pixum Album. Dort könnt ihr sehen, wie gut Lissy sich gemacht hat.

Mai 2007

Erfolgserlebnisse

Ich bin zurück vom Stormurhof und habe keine Schwimmhäute bekommen. Die Niedersachsenmeisterschaft war wohl vom Wettergott dieses Mal nicht mit ‚Dauerregen’ gekennzeichnet worden, sondern nur mit ‚SA Schauerwetter, SO…mal sehen’ oder so. Jedenfalls habe ich es geschafft am Samstag sowohl die Geländeprüfung als auch die Töltprüfung (T8) im Trockenen mit Sonnenschein zu reiten. Am Sonntag hatten wir dann gar keinen Regen mehr, bis es wohl dem Wettermacher am frühen Abend einfiel, dass sich so ein paar Tropfen zum Abschluss doch ganz gut machen würden. Aber auch diese letzte Prüfung ist nicht ins Wasser gefallen.

Jetzt nach dem ersten Aufräumen und einer Nacht Tiefschlaf habe ich meine Gedanken etwas geordnet und kann vom Turnier aus meiner und Lissys Sicht berichten.

Samstag:

Mit Sack und Pack und guter Laune traf ich am Morgen auf dem Hof ein. Nach einer kurzen Besprechung mit Anja, die mit mir den Abreiteplatz machte, brachten wir dort noch letzte Sachen hin und bereiteten alles vor.

Aber als erstes stand die Geländeprüfung auf dem Plan und weil noch Zeit war, ging ich in die Halle um zu frühstücken. Ich hatte beschlossen die Strecke nicht mit abzugehen, da ich ja ortskundig bin und die Strecke auch immer gut ausgeschildert ist.

Also hatte ich viel Zeit mein Pferd fertig zu machen. Ich war gut gelaunt und fühlte mich ganz ruhig. Allerdings hatte ich dann plötzlich Probleme die Startnummern anzubauen, meine Hände zitterten wie verrückt. Ich atmete mehrmals tief durch und schließlich klappte es dann doch. Lissy wirkte etwas unlustig, was ich darauf schob, dass ich ihn vom Frühstück geholt hatte, aber ich entschloss mich dann zu Fuß zum Startpunkt zu gehen, es war nämlich noch viel Zeit und ich wollte nicht so lange auf dem Pferd rumsitzen.

Am Startpunkt waren auch noch kaum Teilnehmer. Ich gurtete nach und saß dann auf und ritt die Straße einmal auf und ab, nicht unbedingt nur um Lissy warm zu machen, sondern auch, um meinen Magen zu beruhigen, dem plötzlich eingefallen war, dass er ja mal rebellieren könnte. Immer wieder versuchte ich mir zu sagen, dass es doch nur ein leicht abgewandelter Ausritt wäre und wir nichts zu befürchten hätten. Aber die Wahrheit war, dass ich sehr viel Angst vor dem Sprung hatte. Doris sah mich dann und fragte, ob ich schon starten wollte. Ich war dafür, denn so hatte ich zum einen keine Zeit mehr mich verrückt zu machen und zum anderen kam ich früh zum Abreiteplatz und konnte dort Anja unterstützen.

Und los ging es.  Die drei Scherzfragen waren nicht so schwer. Ihr könnt ja mal mitraten:

1. Nenne ein Abführmittel aus Metall

2. Welches Laub wächst nicht am Baum und wenn man es erstmal hat, dann wird es immer kleiner?

3. Es hat viele Blätter doch ist kein Baum, es hält dich wach und ist ein Traum. Was ist das?

(Lösungen am Ende des Berichtes)

Auf dem Sandweg zum Wald bin ich gleich angetöltet, denn ich wollte Lissy vor dem Sprung schon etwas warm haben. Normalerweise bin ich nicht der Freund vom „Kaltstart“, aber das war für mich eine Ausnahmesituation. Zum Wäldchen hoch kamen dann noch ein paar Galoppsprünge und Lissy lief locker und gelassen dahin. Für ihn war das ein normaler Ausritt, so schien es mir, er war nur durch meine leichte Nervosität verunsichert, das konnte ich schon merken, denn seine Ohren waren noch mehr bei mir, als sonst.

Nach dem Wäldchen geht es einen Hügel hinab, hier mussten wir Schritt reiten, was gut klappte, denn dort reiten wir immer im Schritt runter. Doch die Überraschung für Lissy kam nach dem Hügel, denn dort wartete dann auf dem weiteren Weg das Hindernis. Es war nicht höher als ein Cavaletti, aber es war mit zusätzlichen Fängen versehen, was ihn wohl noch mehr irritierte, als der Umstand, dass dort ein Cavaletti auf dem Weg stand, wo wir immer den Abschlussgalopp nach Hause starten. Galopp war dann auch OK und ich war bereit mit ihm zu springen, doch dann in letzten Sekunde blieb Lissy stehen und schaute mal, ob er nicht links oder rechts vorbei käme. Doch das ging nicht, wegen der Fänge und so ließ er sich von mir umdrehen und noch einmal dem Hindernis zuwenden. Ich erklärte ihm dann, dass er einfach nur „hopp“ machen sollte, gab ihm also quasi das Kommando aus unseren Freispringübungen und dieses Mal ging er das Cavaletti auch ohne Zögern an. Allerdings wollte er nicht galoppieren, sondern töltete drauf zu. Kurz vorher meinte ich ein Zaudern zu bemerken und ging nicht in den Entlastungssitz, da ich mit einem erneuten Verweigern rechnete. Doch mein Pony hatte nur Schwung geholt um dann mit einem seiner Riesensätze über das Hindernis zu springen. Leider war ich nicht darauf eingerichtet und fiel ihm etwas unsanft in den Rücken. Daran werden wir nun arbeiten.

Ich war jedenfalls so glücklich darüber, dass wir diesen Sprung geschafft hatten, dass mir glatt ein paar Tränen übers Gesicht liefen und ich mein Pferd überschwänglich lobte.

Weiter ging es auf dem Weg und wir folgten einem weiteren Hügel abwärts, wieder im Schritt. Unten angekommen gab es eine ungeplante Überraschung, denn dort hockte ein Mann mit einer Kamera im Feld und fotografierte uns. Zum Glück waren die Tränen schon so gut wie getrocknet. Immer diese Paparazzi!!! *g*

Hier am Feld gab ich mich meiner Freude hin, über den Sprung und das schöne Wetter und mein gut gelauntes Pony, dass ich flott dahin töltete bis wir wieder in den Wald mussten. Ich trieb ihn ordentlich an, damit er über die Steigung zum Waldweg kam und dann waren wir schon fast auf dem Heimweg. Am Hochsitz warteten dann Ines und Karen mit einer Aufgabe für mich. Ich musste eine Brezel essen, die an einer Art Mini-Galgen  vor meinem Gesicht baumelte. Das klappte leider nicht so gut, da ich einfach mit der Handhabung Probleme hatte. Aber irgendwann hatte ich die Brezel dann doch geschnappt und wir konnten weiter.

In dem Waldweg, wo wir sonst immer springen, weil dort zwei Baumstämme hintereinander liegen, erwarteten uns genau an dieser Stelle Katrin und eine Richterin mit einer weiteren Aufgabe: Zwischen den beiden Baumstämmen lag eine blaue Plane, die es zu überqueren galt. Lissy war sich wohl sicher, dass sich darunter ein ganzes Trollrudel versteckte und er schnaubte sie einmal kräftig an, um sie zu vertreiben. Ich ließ ihm Zeit und dann trieb ich ihn kurz aber deutlich an und er ging ruhig und gelassen über die Plane. Katrin hatte mir dann noch gesagt, dass ich ein Eschenblatt einsammeln sollte, das war am Start vergessen worden zu sagen. Ich zupfte dann auch gleich eines ab, aber im Weiterreiten und Blätter begucken bemerkte ich meinen Irrtum und tauschte das falsche Blatt gegen ein richtiges aus. Wir machten uns nun auf den Weg nach Hause, zurück über die Schotterstraße an den Paddockplätzen vorbei. Doch kurz vor der Ziellinie gab es noch etwas zu erledigen. Sackhüpfen sollte ich nun und dabei mein Pony führen. Vorschriftsmäßig schlug ich die Bügel über und stieg in den Sack. Auf die Plätze…fertig…los! Na gut, gehüpft war ich das letzte Mal auf einem Kindergeburtstag, als ich selber noch ein Kind war, aber dafür ging es erstaunlich gut. Lissy lief brav neben mir her und besah sich die ganze Sache kommentarlos. Wie der wohl ausgefallen wäre? Ich gab dann noch das Blatt ab und war damit fertig.
Nun war die Prüfung beendet und ich ganz zufrieden. Der Sprung hätte besser sein können, wäre ich auf den Absprung gefasst gewesen. Aber wir hatten das Hindernis nicht gerissen und sind drüber gesprungen, mehr wollte ich ja gar nicht. Die Brezel hätte ich mit weniger grobmotorischen Einschränkungen auch schneller essen können, aber im Großen und Ganze war es gut gelaufen, so kam ich glücklich und zufrieden zum Hof zurück.

Lissy durfte zu seinen Kumpels auf die Weide und ich trat meine Arbeit am Abreiteplatz an, bis es Zeit wurde für die Töltprüfung. War es am Morgen noch mit Fingerzittern und einem flauen Magen abgegangen, so merkte ich, dass ich nun nervlich total angespannt war. Zudem begann es zu regnen und gleich darauf zu schütten, als ich mein Pferd am Hof hatte. Tatsächlich zuckte mir hier der Gedanke durch den Kopf, dass ich ja auch zurückziehen könnte, doch da kläffte mein Schweinehund plötzlich gegen den aufgeblähten Ballon voll Nervosität in meinem Magen an und scheuchte ihn ein Stück zurück. Ich zog mich um und haderte mit dem schlechten Wetter, doch als ich aus der Tür kam, da riss der Regenvorhang und hinterließ ein leichtes Nieseln, welches dann auch noch aufhörte. Das war für mich das Zeichen, dass es einfach nur gut werden konnte und das hat sich dann ja auch bestätigt. Nach einer kurzen Abreitephase mit vielen Biegungen und dem Bemühen Energie ins Pferd zu bekommen war ich dann auch an der Reihe. Wie beim letzten Mal war ich in dem Moment ruhig, als ich in die Bahn ritt. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man auf heimischen Boden reitet und das Pferd unter einem ruhig und gelassen bleibt. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Pepp in diesem Moment gewünscht, doch die einzige Aufregung war dann eine große Pfütze auf der Bahn, an der wir nicht vorbei kamen. Lissy stakste hindurch und lief dann weiter. Er lief gut, wirklich gut, aber leider nicht ganz so gut wie in den Lehrgängen. Vielleicht hätte ich noch etwas energischer sein müssen, aber ich traute mich nicht. Ich dachte mir, dass es besser ist, wenn er nicht ganz so viel Aktion hat, dafür aber taktklar ist, als wenn er über die Bahn rollt oder gar passig wird. So war ich dann nach der Prüfung auch sehr zufrieden und meine Noten bestätigten das Gefühl auch. Mit einer Endnote von 4,57 Punkten (4,2/4,7/4,8) haben wir uns zum letzten Jahr um 1,25 Punkten verbessert und darauf bin ich sehr stolz, ganz besonders habe ich mich über die Noten für Sitz und Einwirkung gefreut (5,5/5,5/5,0) Das war echt ein super tolles Gefühl.

Lissy hatte nun Feierabend und ich noch etwas auf dem Abreiteplatz zu tun.

Am Abend gab es dann die Siegerehrung für die Geländeprüfung und ich saß da am Tisch und wurde immer nervöser, als die achtzehn Teilnehmer von hinten aufgezählt wurden mit ihren Punktzahlen. Ich hatte mir einen 10. Platz gewünscht, doch die zehn kam und ging, es wurde immer weiter gelesen…9,8,7,6… ich habe echt schon gedacht, die haben mich vergessen… aber dann kam es: Auf dem 5. Platz…Petra Hillbrecht… Meine Punkte habe ich nicht mehr verstanden, weil plötzlich Jubel losging und überhaupt war ich viel zu glücklich und aufgelöst. Nach dem Fiasko meiner ersten und einzigen Geländeprüfung vor zwei Jahren, als ich mir schon schwor nie wieder so eine Prüfung zu reiten war das wie ein Traum, der wahr wurde. Doris hat mir dann meine Schleife überreicht und fast genauso gestrahlt wie ich.

Ich hatte also Grund zum feiern, eigentlich sogar zwei, denn Laura hat mit Saela die Gehorsamsprüfung gewonnen.

Sonntag:

Nach einer etwas kurzen Nacht  ging der Sonntag gleich arbeitsmäßig los, denn es galt in der Halle die fleißigen Brötchenschmierer zu unterstützen. Dann aber musste ich nach einem schnellen Kaffee und einem halben Brötchen mein Pony holen, denn die Geschicklichkeitsprüfung stand an.

Bei der Wippe, die es zu überqueren galt stutzte Lissy, denn die Wippe kannte er, nur dass dort so bunte Gummibälle dran rumwippten (Luftballons), das fand er nicht gut, da hockten sicher Trolle drin. Ich ließ ihm wieder Zeit und so ging er dann auch schließlich über die Wippe und ließ sich nicht mehr von den Ballons ärgern.

Schade, denn Lissy kennt sowohl die Wippe, als auch Luftballons…nur nicht in Kombination. Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir dort weniger Probleme haben würden.

Anschließend ritten wir durch einen flatternden Vorhang aus Plastikstreifen, der mein Pferd völlig kalt ließ.

Dann galt es eine Longe, die am Zaun befestigt war im Halbkreis herum zu führen und dann wieder zurück zu reiten. Dabei durfte die Longe nicht auf den Boden kommen. Das ging sehr gut, bis auf das Wechsel der Longe von der rechten in die linke Hand, wo Lissy zuerst einen Schritt rückwärts machte. Aber dann verstand er mich und führte die Aufgabe brav zu Ende.

Nun wurde es richtig nett, denn wir sollten Fähnchen von einer Pilone zu einer anderen tragen und dort einstecken, zweimal gesamt. Das klappte natürlich prima, denn wir arbeiten ja viel mit den Gummihütchen und ich stelle sie auf und sammel sie ein, vom Sattel aus. Lissy fand das dann auch richtig gut und machte dementsprechend mit.

Dann sollten wir das Pferd rückwärts durch die Pilonen reiten, was wir auch schon öfter gemacht hatten, denn Rückwärts richten gehört zu meinem Gymnastikprogramm für Lissy.

Er hat das toll gemacht, ganz ruhig und aufmerksam. Zum Schluss wurde ich dann richtig gefordert, denn es hieß: Hüpfball hüpfen! Und wieder wurde das Pferd dabei geführt. Ich zeigte Lissy den knallroten Hüpfball und er schaute mich an, als würde er sagen: „Na, wenn du unbedingt willst mach es…“ Also hüpfte ich drauf los und er folgte mir ganz artig. Das war die Geschicklichkeitsprüfung.

Nachmittags waren wird dann noch zum Bierglastölt gemeldet, doch irgendwie schien bei Lissy die Luft raus, denn als wir an der Reihe waren lief er plötzlich total passig und das Bier kleckerte aus dem Glas, zudem bekam ich kein Tempo in ihn rein und als er dann noch im Slalom um ein paar Hütchen tölten sollte, ging gar nichts mehr. Mit der langsamsten Zeit und dem Umstand, dass eine Teilnehmerin abgebrochen hatte, kam ich auf den sechsten Platz. Aber eigentlich hatte ich diese Prüfung nur zum Spaß mitgemacht und ärgerte mich auch nicht drüber.

Beim anschließenden Aufmarsch der Teilnehmer wurden dann auch die Ergebnisse der Geschicklichkeit bekannt gegeben und hier erreichten wir den 5. Platz. Das hat mich doch etwas geärgert, denn ich fand Lissy wirklich besser. Leider konnten mir die Richtzettel im Anschluss auch noch keinen genauen Aufschluss geben, wo es gehapert hatte, es kann ja nicht nur an der Wippe gehangen haben… Aber auch hier werden wir einfach üben und es noch mal probieren.

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben und auch sehr stolz darauf, was ich mir mit meinem Pferd erarbeitet habe. Lissy hat eine tolle Entwicklung durchgemacht und ich habe mich reiterlich ordentlich weiter entwickelt. Wir sind noch lange nicht am Ende des Weges und ich glaube, das werden wir wohl nie sein, aber unsere Schritte sind zielstrebig und nach vorne gerichtet.

Lösungen zu den Scherzfragen:

 1.Handschellen

2. UrLaub

3. ein Buch

Lýsingur und ich in der Töltprüfung T8

 

Happy Hochzeit

Am 26. Mai gab es ein besonderes Ereignis für uns vom Stormurhof, denn unsere Freundin Melanie und ihr Freund Martin "trauten" sich. Schon lange vorher stand für uns fest, dass wir da was machen mussten, um sie zu überraschen. Spalier stehen war angedacht, natürlich mit Pferden. Váli hatte natürlich einen besonderen Platz, ist er doch Melanies Pferd. Wir planten, verwarfen, planten erneut und wurden dann doch von unvorhergesehenen Ereignissen zu einer Umplanung in letzter Minute gezwungen.

Ursprünglich wollten wir mit 4 oder noch mehr Pferden aufschlagen, doch Probleme mit unserem Hänger und dass uns dann doch der Viererhänger fehlte, ließ schließlich drei Pferde zu. Váli war klar und dazu kamen Lissy und Galdur, seine Weidekumpel. Wir schmückten die Ponys mit weißen Bändern, weißem Tüll und roten Herzen (farbiges Haarspray haftet extrem gut auf weißem Fell, wie wir nun wissen...) Váli bekam als besonderes Highlight Doris' Brautschleier aufgesetzt und sah einfach nur genial aus.

Erwartungsvoll standen wir dann mit den geschmückten Ponys am Heimatmuseum in Syke, in der Hoffnung, dass Melanie unsere Ankunft nicht bemerkt hat. Und so war es dann auch, völlig ahnungslos trat sie aus der Tür und brach in überglückliche Tränen aus, als sie ihren Herzenswunsch erfüllt sah. Sie hatte davon geträumt, dass ihr Pferd an diesem wichtigen Tag dabei sein könnte und wir hatten es ihr ermöglicht. Es war einfach unbeschreiblich, wie sehr sie sich freute.

Doris hatte noch ein Lied gedichtet zu Melanie, Martin und natürlich auch Váli, dass sie dann vortrug. Melanie lachte und weinte gleichzeitig und konnte es anscheinend immer noch nicht fassen, dass wir wirklich da waren. Ich denke, diese Überraschung ist eindeutig gelungen.

Lobend erwähnen muss ich unsere drei Vierbeiner, die den ganzen Rummel absolut cool über sich ergehen ließen und sich über Möhren und den Rest Hafer, der nicht in Martins Haaren und Melanies Kleid gelandet war, freuten.

Nach einer Tasse Kaffee und einem Stück umwerfender Hochzeitstorte ging es dann mit den Pferden zurück auf den Stormurhof.

Bilder dieser Aktion gibt es ganz bald im Fotoalbum!

 

Juni 2007

Rekordverdächtig

Deutschland = Reiterland? Das galt es zu beweisen und am 3. Juni war es soweit. In allen Bundesländern waren die Reiter aufgerufen sich an bestimmten Stellen zu sammeln und gemeinsam eine ca. 3 Kilometer lange Strecke zu reiten. Die Reiter wurden dann gezählt und das Ziel war, den Rekord von Kolumbien mit über 8300 Pferden zu schlagen. Dieses Ereignis wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, zumal es quasi vor unserer Haustür in der Landesreitschule Hoya stattfand. Wir mobilisierten die Hofreiter und Freunde von außerhalb und fanden uns am Sonntag zu einer fast zwanzigköpfigen Gruppe zusammen. Ausstaffiert mit Island- und einer Niedersachsenfahne ritten wir rüber zur Landesreitschule und waren enttäuscht, dort nur wenige Reiter vorzufinden. Das Abreiten der Strecke zeigte mir dann mal wieder die Vorteile unserer tollen Rasse auf. Tänzelnde, steigende, augenrollende und schließlich geführt werdende Pferde gab es bei den Isländern nicht, wohl aber fanden sich einige Vertreter bei den anderen Rassen. Unsere Pferde waren absolut vorbildlich, ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und waren eifrig dabei.

Leider haben wir nicht annähernd genug Reiter zusammenbekommen, die Endzahl lag bei ca. 1600 Reitern. Eigentlich ein mageres Ergebnis für das Reiterland Deutschland. Aber Spaß hat es auf alle Fälle gemacht und wir konnten unsere Rasse sicher gut präsentieren. Das "Wir-Gefühl" war präsent und das tolle Wetter noch das krönende Sahnehäubchen.

 

Juli 2007

Höhenflüge, Muskelkater und die Sache mit den blau-weißen Trollen

OSI 2007

Endlich komme ich dazu, meinen Juli Bericht zu schreiben, auch wenn wir schon August haben. Wir hatten einfach viel zu tun, im positiven Sinne.

Zuerst einmal möchte ich von unsrem OSI berichten, auf dem ich ja mit Lissy gestartet bin. Wieder stand die T8 auf dem Plan, dazu noch einmal die Geschicklichkeit und als Premiere die Gehorsamsprüfung D4. Ins Gelände wollte ich dieses Mal nicht gehen, da mir bei mehreren Sprüngen in verschiedener Höhe, doch das Herz in die Hose rutschte. Das Turnier zeigte sich schon allein wettertechnisch von seiner Sonnenseite und bis auf einen recht heftigen Gewitterschauer am Sonntagnachmittag blieb es sonnig, windig und schön. Beste Vorzeichen also für uns. Begonnen haben wir am Samstag Nachmittag mit der Töltprüfung. Ich hatte mir Andreas' Worte zu Herzen genommen und ordentlich trainiert, war sehr zufrieden, nicht nur mit Lissy, sondern auch mit mir. So gingen wir auch zuversichtlich in die Prüfung. Ich hatte ihr vorher ordentlich abgeritten und war wirklich guter Dinge. Doch leider war bei meinem Pferd die Lust weg, als wir nun in die Bahn ritten. Vielleicht etwas zuviel Training im Vorfeld, vielleicht zuviel Anspannung von mir aus, wer weiß das schon? Er kam nicht in Aufrichtung und als ich dann etwas nachdrücklicher versuchte ihn zusammenzustellen, begann er mit dem Kopf zu wackeln und rollte durch die nächste Kurve. Ich ließ ihn also gewähren, denn in freier Haltung lief er immerhin taktklar und ganz so tief war er ja auch nicht. So brachten wir die Prüfung doch zufriedenstellend hinter uns. Auch die Noten waren in Ordnung. Wir wurden zwar nur vorletzte, aber wir haben uns verbessert, vom Durchschnitt des letzten Turniers mit 4,57 Punkten waren es nun 4,76 Punkte. Nicht viel, aber immerhin. Natürlich hatten wir auch starke Gegner in der Prüfung, was meiner Freude über die Leistung unsererseits aber nicht schmälert. Besonders über meine 5,5 er Noten für Sitz und Einwirkung freue ich mich riesig.

Am Samstagabend mussten wir dann ins Dressurviereck, hier wusste ich nicht, was uns erwarten würde. Wir hatten gut geübt und ich war auch in dieser Prüfung sehr zuversichtlich, dass wir uns nicht blamieren würden. Lissy war auf jeden Fall besser gelaunt, als wir in die Prüfung gingen, nur leider auch etwas schlapp, wie mir schien. Dennoch schnurrten wir sicher und ganz auswendig das Programm der Gehorsamsprüfung runter und verließen zufrieden das Geviert. Am Abend folgte dann die Siegerehrung in der Reithalle und siehe da, wir erreichten den 6. Platz von 10. Das fand ich völlig in Ordnung und hier werden wir nun eben ordentlich weiter arbeiten.

Sonntag morgen hieß es dann früh aufstehen, denn als erste Prüfung stand die Geschicklichkeit auf dem Programm. Hier galt es wieder einmal, viele interessante Aufgaben zu meistern. Angefangen haben wir mit der Wippe, die ohne Luftballons jeden Schrecken verloren hatte und einfach überquert wurde. Der Flattervorhang war ebenfalls schon ein alter Hut. Dann wurde es neu, denn es hieß absteigen und dem Pferd drei Hufe in Eimer stellen. Lissy nutzte die Pause und graste ein wenig, während ich seine Beine in die Eimer stellte. Nur als alle drei drin waren, hob er kurz den Kopf, als wollte er fragen: "Und, was ist mit dem Vierten?" Ich entfernte die Eimer und weiter ging es auf den Trailhügel. Hier sollte das Pferd warten, während der Reiter unten auf einem Hüpfball um den Hügel herum hüpfte. Lissy kennt es von mir, dass ich ihn "parke" während ich etwas aufbaue oder so, also blieb er auch hier stehen, zupfte ein paar Grashalme, während ich meine liebe Not mit dem Hüpfball hatte. Nicht nur blieb ich dauernd mit den Füßen im hohen Gras hängen, sondern auch die blöde Arthrose im rechten Knie machte mir diese Aufgabe zur Hölle. Doch ich biss die Zähne zusammen. Wieder bei Lissy kam mir das von rechts aufsteigen eher wie Zuckerschlecken vor und oh Wunder, meine Kniescheibe blieb brav an ihrem Platz, neigt sie doch sonst gern mal zum rausschnicken, wenn ich von rechts aufsteige. Als nächstes musste ich auf dem Pferd durch einen Hula Reifen steigen, was nicht weiter problematisch war. Zum Abschluss kam ein Stangen L, doch das war tückisch, dann anstatt, wie wir es sonst taten, erst vorwärts durchzureiten und dann rückwärts zurück zu gehen, sollten wir gleich rückwärts beginnen. Das war nicht so einfach und leider trat Lissy hier auch auf die Stangen. Doch dann hatten wir den Dreh raus und die Aufgabe erledigt. Nachmittags, bei der Siegerehrung dann die unglaubliche Meldung, dass wir den dritten Platz erreicht hatten. Super! Dieses Turnier hat uns wieder eine Menge Spaß gemacht und ich denke, dass ich gerade im Bereich der Freizeitprüfungen noch viel mit Lissy zusammen machen werde.

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WM Stafettenritt 2007 – Teilstrecke Duddenhausen-Röllinghausen

Nur drei Tage nach dem OSI auf dem Stormurhof erwartete uns das nächste nette Ereignis. Die WM Stafettenreiter machten Station auf dem Hof und ich wollte den folgenden Teilabschnitt mit reiten. Die Ankunft der Reiter war für den Dienstagnachmittag angekündigt und das Hofteam wartete gespannt. Es regnete und stürmte und unser Mitgefühl mit den Reitern, die sich durch dieses Mistwetter bewegten, wuchs von Minute zu Minute und mit jedem durchnässten Kleidungsstück unsererseits. Am späten Nachmittag endlich erreichte die Stafette den Hof und sofort wurde alles Nötige getan, um Rösser und Reiter möglichst schnell ins Trockene zu bringen. Als dann auch die zugehörigen Fahrzeuge zum Hof nachgeholt worden waren, konnte der Abend gemütlich und trocken in der noch vom Turnier geschmückten Reithalle ausklingen.
Der Mittwochmorgen zeigte sich dann voller Sonnenschein, als habe er etwas vom Vortag wieder gut zu machen und auch der Wind hatte etwas nachgelassen. Ich hatte am Tag vorher noch mit mir gehadert und entschieden, dass ich bei Regen nicht mit reiten würde. Ich gebe ja zu, ich bin ein Schönwetterreiter. Nun stand aber dem Ritt nichts mehr im Wege und frohen Mutes machte ich mich auf zum Hof. Nach einem netten Frühstück hieß es dann auch Pferde holen und fertig machen. Um 10.00 Uhr wollten wir aufbrechen und das schafften wir auch mit minimaler Verspätung. Mit bester Laune, super schönem Wetter, absolut tollen Pferden und einer netten sympathischen Reitertruppe brachen wir auf. Ein kurzer Stopp am Serumswerk Memsen, um auch die für Pferdefreunde interessanten Wegpunkte etwas zu erklären, fand noch statt, wo wir unter anderem erfuhren, dass hier das einzige Serum gegen Fohlenlähme in Deutschland gewonnen wird.

Das inmitten einer ländlichen Idylle gelegene Serumwerk Memsen mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden ist eine der wenigen Produktionsstätten in Europa, die unter GMP-Konditionen lebensrettende Seren für Tier und Mensch herstellen können.

(Quelle: http://www.tiho-hannover.de/service/presse/anzeiger/anzeiger2004/2004_05.pdf)

Durch den Staatsforst Selligsloh ging es nun weiter, nur unterbrochen von einer kurzen Pause für Mensch und Pferd, um sich noch mal kurz mit einem zweiten Frühstück zu stärken. Die Wege waren zwar hin und wieder etwas matschig vom Regen des Vortages, aber immer wieder fanden wir tolle Töltstrecken und die Pferde schienen mindestens soviel Spaß an der abwechslungsreichen Strecke zu haben, wie wir Reiter. Was mir besonders positiv auffiel war, wie ausgeglichen und harmonisch die Gruppe war. Kein Pferd zappelte, drängelte oder fiel sonst irgendwie negativ auf. Ich hielt mich zwar meist im hinteren Drittel der Gruppe auf, da mein Pferd ein eher langsames Grundtempo hat, aber dort war ich nicht allein, wie ich vorher manchmal insgeheim befürchtet hatte, denn auch andere Pferde sind nicht die Schnellsten. Ich war jedenfalls sehr zufrieden mit meinem Dicken, der seine sehr gute Kondition unter Beweis stellte und natürlich seinen tollen Charakter, denn auch wenn die anderen sich im schnellen Tölt entfernten, hielt er sein Tempo, als wisse er genau, dass die Gruppe schon auf uns warten würde. Hin und wieder genossen wir den Abstand sogar, um eine gemütliche Galoppstrecke einzuschieben. Hungrig, aber ansonsten gut gelaunt trafen wir zum Mittag in Neu-Bruchhausen ein. Im Gasthaus „Karnebogen“ erwartete uns eine zweistündige Pause mit Kartoffelsalat und Würstchen für die Reiter und abgesteckten Paddocks für die Ponys. Hier muss ich einfach mal erwähnen, wie begeistert ich von unserem tollen Trossteam war. Alles war bestens vorbereitet bei der Ankunft und auch sonst lief alles immer reibungslos.

 Nach dem Essen und einer kleinen Verdauungspause ging es nun zum letzten Abschnitt. Etwa anderthalb Stunden sollten noch vor uns liegen. Ich konnte das nicht so ganz glauben, da wir in meinen Augen ja nur noch einen Katzensprung von Röllinghausen entfernt waren, aber mit dem Auto sind die Wege natürlich völlig anders, als zu Pferd. Darum beschloss ich, mich überraschen zu lassen. Der Weg führte leider zunehmend über gepflasterte Wirtschaftswege und mein Pony weigerte sich beharrlich auf dem ungemähten Grünstreifen zu laufen. Da er ja beschlagen ist, ließ ich ihm schließlich seinen Willen und dann kamen wir ja auch noch wieder zurück auf Waldwege. Leider stellte sich heraus, dass die ausgesuchten letzten langen Töltstrecken dem Regen der Vortage zum Opfer gefallen waren und nun eher zum Schlammbaden einluden. Schade. Wir verloren dann auch ganz kurz die Orientierung, aber unseren „Scout“ mit der Karte konnte das nicht erschüttern und mit Ruhe und Optimismus war der Weg bald wieder gefunden. Leider gab es dann aber noch einen Wegabschnitt, der so nicht geplant schien, denn wir durchquerten den gesamten Ort Neu-Bruchhausen auf Bürgersteigen, was wirklich ermüdend war und viele Reiter dazu anhielt, abzusteigen und ihre Pferde zu führen. Endlich aus dem Ort heraus fand ich auch meine persönliche Orientierung wieder und konnte nun auch sagen, dass wir in absehbarer Zeit unser Ziel erreichen würden, denn nun ging es ohne Umwege nach Röllinghausen. Etwa nach einer halben Stunde erreichten wir unser Ziel und wurden herzlich empfangen. Unsere Pferde durften sich verdientermaßen stärken und in den Paddocks stärken, die Reiter konnten ihre trockenen Kehlen befeuchten und sich auf einen schmackhaften Abschluss des Abends beim Grillen freuen. Ich fuhr mit dem Trossfahrzeug mit zurück zum Stormurhof, denn es hieß nun den Hänger holen und unsere Pferde wieder nach Hause bringen.

 Dieser Tagesritt war der erste für mich und mein Pferd und hat uns beiden eine Menge Spaß gemacht. Ich fand es nicht nur sehr schön in dieser tollen Gruppe mit netten Menschen und tollen Pferden mit von der Partie zu sein, sondern auch mal neue Wege kennen zu lernen und nicht zuletzt, ganz persönlich für mich, endlich mal einen Gegenbesuch auf dem Röllinghof zu machen.

Vielen Dank für diese einmalige Erfahrung!

Am nächsten Tag hatte ich übrigens einen tollen Muskelkater, der bestimmt vier Tage anhielt, aber das war es wert.

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Ein Tag voller Trolle - aber seit wann spielen die Fussball?

Nach Turnierstress und dem Stafettenritt wollte ich nun endlich mal wieder ganz gemütlich durch den Wald gondeln. Ines und Karen begleiteten mich an diesem netten Samstag, doch leider musste Ines wieder umkehren, da ihr Pferd leicht lahmte. Karen und ich ritten munter weiter, freuten uns auf unsere nette Strecke und bogen guter Dinge zum Staatsforst ab. Dort an einer Wegschranke sahen wir den Duddenhausener Fussballverein versammelt, alle in blau-weißen Trikots, teils mit neongelben Fußballschuhen und was am schlimmsten war, alle mit den Armen rudernd, lautstark angetrieben von ihrem Trainer. Das war unseren Ponys aber nicht geheuer, vielleicht hatten sie Angst, dass sie auch noch mit den Beinen rudern sollten. Jedenfalls blieben sie erstmal stehen und schauten sich das Schauspiel aus sicherer Entfernung an. Die Männer hatten uns inzwischen auch gesehen und hielten in ihren Übungen inne, was wir als Zeichen nahmen, weiter zu reiten. Doch weit gefehlt, denn plötzlich begannen die Männer allesamt auf einem Bein zu hüpfen und dabei mit einem Arm zu kreisen. Das war nun der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ, denn wie in stiller Absprache drehten Lissy und Atli auf dem Absatz um und galoppierten in Richtung Heimat.

Für mich war es das erste Mal, dass mir Lissy durchging, wenn auch in zivilem Tempo und auf gerader Strecke, aber dennoch war es nicht angenehm, keinerlei Kontrolle mehr zu haben. Ich blieb allerdings erstaunlich ruhig, streckte die Beine, hielt mich mit einer Hand am Sattel, gab mit der anderen immer wieder Paraden und sprach ganz ruhig auf mein Pony ein. Zum Glück kam in diesem Moment kein Auto. Kurz vor der Dorfstraße hatte ich Lissy dann soweit, dass er anhielt und in mir stieg erst die Erleichterung und dann eine unglaubliche Wut auf diese Dummköpfe auf. Ich drehte mich um und rief etwas in der Art von: "Wie blöd kann man eigentlich sein?" Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte ihnen den Marsch geblasen, aber Karen beschwichtigte mich, dass bei diesen Typen eh Hopfen und Malz verloren sei und wir sollten einfach froh sein, dass nicht passiert ist und weiter reiten. Das taten wir auch, allerdings in anderer Richtung. Wir schlugen den Weg nach Riethausen ein, um von dort dann in den Wald zu kommen. Bis dahin ging dann auch alles gut, nur im Wald fanden wir noch ein Rudel Trolle, die sich aber als Wandergruppe älteren Semesters entpuppte, brav ihre Regenschirme zuließ, nicht zu hüpfen begann, eine Gasse für die Ponys bildete und sogar noch Streicheleinheiten verteilte. Die Pferdchen entspannten zusehends, und ich ich war wieder guter Dinge. Einen ausgedehnte Galopp auf unserer "Rennstrecke" später waren auch die letzten krausen Gedanken vorerst verflogen. Wir dehnten die Runde experimentierfreudig weiter aus, probierten neue Wege und beendeten den Ritt mit einem gemütlichen Stoppelfeldgalopp. Als wir wieder am Hof waren, merkte ich erst, dass da immer noch ein kleiner grummelnder Klumpen in meinem Magen rollte, so ganz war der Schrecken also doch nicht überwunden. Doch ich wollte mich nicht bange machen lassen und beschloss einfach den nächsten Ausritt abzuwarten.

Der kam dann auch gleich ein paar Tage später, allerdings ritten Laura und ich gleich die "neue" Strecke über Riethausen, da ich sie ihr zeigen wollte. Es war ein toller Ausritt, mal wieder nur mit Laura und Saela unterwegs. Inzwischen habe ich meinen Schrecken überwunden und weiß nun, dass mein Pferd nie ein Fan des Duddenhausener Fußballvereins werden wird und Lissy hat entdeckt, dass es auch Trollrudel gibt, die nett sein können, wie die Senioren Wandergruppe. Wieder was gelernt!

August, September und Oktober 2007

Tauschrausch und ein arbeitsreiches Wochenende

Ja, es ist lange her, seit dem letzten Eintrag, aber irgendwie hatten wir viele Wiederholungen, nach dem ersten aufregendem Halbjahr. Wir haben viel am Unterricht teilgenommen und unsere Samstagnachmittags Ausritte genossen. So richtig gearbeitet habe ich nicht, also nicht konzentriert auf den Punkt. Ich war immer mal wieder auf der Bahn und habe Gelerntes abgerufen, mehr eigentlich nicht. Dann bin ich mal gebisslos geritten und einmal ohne Sattel eine ganze Reitstunde, was mir einen netten Muskelkater einbrachte, aber echt gut für mein Gleichgewicht war. In einer Reitstunde habe ich dann einen Pferdetausch gemacht und mich auf den netten Ponyschecken von Jan gesetzt, der Freitags bei uns Unterricht nimmt. Kobold ist ein nettes Pony, keine Frage, nur furchtbar steif. Ich hab mich sehr bemüht, ihn etwas geschmeidiger zu bekommen und er lief auch gut. Jan hatte viel Spaß an meinem bequemen Pony und genoss den Tölt. Wir hatten schon lange vor, mal zu tauschen und endlich hat es geklappt. Ich hatte überhaupt keine Angst, sondern es hat mir gut gefallen Kobold zu reiten, der wirklich nette schwungvolle Gänge hat. Nette Gänge und noch mehr Schwung hat die süße Sæla, die ja meiner Freundin Katrin gehört und unter der Woche von Laura geritten wird. An einem Samstag trainierten wir zusammen auf der Ovalbahn und Katrin fragte mich, ob ich mal echt unbequemen Tölt reiten möchte und bot mir Sæla an. Ich war ja erst skeptisch, aber die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen, also rauf aufs Pony. Sæla ist zwar minimal kleiner als Lissy, hat aber eine Menge Temperament, die mich erst mal etwas bange machte. Aber nach und nach merkte ich, dass sie sich gut zurücknehmen ließ und probierte ihre Gänge aus. Ihr Trab ist im schnelleren Tempo echt unbequem und sogar der Tölt ist anstrengend zu sitzen, wenn sie richtig in Fahrt kommt. Zu Galoppieren habe ich mich dann doch nicht getraut, muss ja auch nicht sein. Es war eine gute Erfahrung, mal wieder so ein peppiges Pony zu reiten, denn seit ich Lissy habe, bin ich das nicht mehr gewöhnt. Meine vorige Reitbeteiligung war ja auch eher spritzig.

Katrin bemerkte dann, was ich ja schon wusste, dass Lissy nämlich rechts recht steif war und sich immer wieder gern aufs Gebiss legte, statt nachzugeben. Ansonsten fand sie den Dicken aber auch sehr bequem. Pferdetausch ist echt eine gute Sache, um mal aus dem gewohnten Trott zu kommen und neue Erfahrungen zu machen.

Dann kam der nächste Lehrgang. Am 6. und 7. Oktober hatten wir einen Kurs mit Anna und Friffi bei uns am Hof. Ich war sehr gespannt, denn bisher hatte ich auf Kursen immer wieder Verbesserung gefunden und ausserdem brannte ich darauf zu erfahren, wie jemand mein Pony und mich einschätzte, der unseren Weg nicht verfolgt hatte, wie Andreas zum Beispiel. Dann aber begannen sich leise Zweifel in mir zu regen: Was, wenn ich diesen hochkarätigen Leuten nicht "gut" genug war, mein Pferd nicht genug "Material" mitbrächte? Ich bin kein Sportreiter und Lissy kein Turnierpferd; würde das etwas ausmachen? Dumme Gedanken eigentlich, aber in der Vergangenheit hatte ich immer wieder von Trainern gehört, die Freitzeitreitern und Durchschnittpferden gegenüber eher negativ eingestellt waren. Würde mich das hier auch erwarten? Der Kurs war nicht grade ein Sonderangebot und ich zahlte dasselbe, wie jeder andere Teilnehmer auch, also hatte ich auch, wie jeder andere behandelt und akzeptiert zu werden. Das habe ich mir immer wieder gesagt, aber dennoch blieb der letzte Funke Zweifel. Schließlich sprach mich meine Freundin Doris dann sogar darauf an und brachte meine Befürchtungen auf den Tisch. Doch sie hatte gleich eine Lösung parat. ich sollte auf jeden Fall mit Lissy anfangen und sollte eine komische Bemerkung kommen, dann könnte ich in den folgenden Einheiten Reykur nehmen, unseren Hengst. Eine gute Lösung fand ich, denn Reykur mit seinen schwungvollen Gängen würde meinem Sitz gut tun und ausserdem trabt er im Gegensatz zu Lissy. Halbwegs getröstet konnte ich dem Kurs nun ruhiger entgegen sehen.

Meine Sorgen waren unbegründet, soviel schon mal vorweg. Wir fingen mit der üblichen Vorstellung der Pferde an und sollten erstmal Schritt und Tölt zeigen. Nach den ersten Runden meinte Friffi zu mir, dass Lissy ja wohl viel Temperament hätte und ich hätte fast losgelacht. Es stimmte schon, er war sehr eifrig bei der Sache, aber ich kenne meinen Dicken ja und wusste, wenn der erst merkte, dass es hier um Arbeit ging, dann würde er sein wahres Wesen schon noch zeigen. Friffi ging dann mit uns auf den Trainingszirkel und erklärte mir, wie ich Lissy korrekt stellen konnte. Biegen, Stellen und Gymnastizierung waren dann auch die Schwerpunkte dieser zwei Tage. Erfreut merkte ich schon nach der ersten Einheit, dass mein Pferd auf der schlechteren rechten Seite deutlich weicher wurde und zum ersten Mal nahm ich bewusst wahr, wie er deutlich nachgab und abkaute. Damit tat er sich immer schwer, da er ja dazu neigt, sich auf die Hand zu legen, besonders, wenn ihm die Arbeit nicht "schmeckt". Wir arbeiteten sehr konzentriert und Friffi hatte immer wieder gute Tipps und Erklärungen, wenn es mal hakte. Mein Pferd arbeitete sehr gut mit und zumindest der Samstag ließ bei ihm keine Zeichen von "genug-haben" erkennen. Am Sonntag setzte Friffi sich dann selber aufs Pony und ich konnte mal sehen, dass Lissy sehr auf mich fixiert ist, aber auch noch besser erkennen, wie ich ihm helfen konnte, seine Steifheit zu überwinden. Friffi sagte mir nach dem Absteigen: "Das ist ein gutes Pferd!" Na, dass hat mich aber dann doch mal eben 10 Zentimeter wachsen lassen, gebe ich gern zu. Ich denke, jeder Reiter mag es, wenn sein Pferd gelobt wird, aber nach meinen vorherigen Bedenken, war es natürlich ein besonderes Lob für mich.

Auch bei der Arbeit auf der Bahn zeigten sich Erfolge, denn Lissy ließ sich auch im Tölt immer besser stellen und zeigte immer öfter, dass er auch im flotten Tempo taktklar bleiben kann.

Dann wurden wir neugierig. Ich hatte Friffi natürlich auch erzählt, dass Lissy nicht trabt und er meinte, wir würden das einfach mal versuchen. Mit verschiedenen Übungen lockerten wir das Pony und versuchten ihn vorwärts abwärts zu bekommen. Das ist bei Lissy natürlich schwierig, da er dann gern auf der Vorhand rumlatscht und im schönsten Schweinepass rumschlurft. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, als ich meinen Puschel im Entlastungssitz durch Zirkel und enge Volten lotste und immer wieder zum antraben motivierte. Lissy machte das alles super mit, kam auch gut runter, aber der letzte Kick fehlte doch noch. Ich war nicht wirklich frustriert, aber natürlich träume ich immer davon, dass es bei Lissy doch mal "Klick" macht und er den Trab findet. Friffi ermunterte mich allerdings, am Ball zu bleiben und sagte mir, dass Lissy echt ganz kurz davor wäre. Wir werden also doch noch mal mit Stangen arbeiten. Ich muss mich da einfach endlich mal überwinden und in den Hintern treten. Ist natürlich schöner, durch den Herbstwald zu tölten, als in der Halle mit Stangen zu hantieren. Ausserdem fehlt mir einfach oft der Blick für den "Moment", denn ich erkenne es nicht immer gleich, wenn Lissy dann doch mal einen oder zwei Trabschritte macht... Aber wir bleiben am Ball.

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dem Lehrgang und habe wieder neue Ansätze mitgenommen, mit denen ich nun motiviert weiter arbeiten kann.

 

Lest ihr noch? Ich würde mich sehr über einen kleinen Eintrag im Gästebuch freuen, damit ich weiß, dass ich nicht allein mit meinem Pony im weltweiten Netz rumdümpel. ;o)

Bis zum nächsten Mal.

Petra und Lissy

GÄSTEBUCH (klicken und einen Gruß da lassen)

Pixum Photoalbum (klicken und ansehen)