Lýsingurs Tagebuch

Teil 4

2008

Teil 1 (2005)   /   Teil 2 (2006)   /   Teil 3 (2007) / Teil 4 (2008) / Teil 5 (2009)

 

Wenn ein Traum zerbricht, dann darf man nicht verzeifeln.

Aus den Scherben kann man vielleicht etwas einmalig Schönes

erschaffen.

Wenn man etwas wirklich liebt, lohnt es sich, dafür zu kämpfen.

(P. Hillbrecht, Jan. 2008)

Januar 2008

Ich wünsche allen Lesern nachträglich ein Frohes Neues Jahr. Ich habe das letzte Tagebuch nicht im Dezember beendet, da sich etwas ergeben hat, was mich im Moment sehr beschäftigt. Unser neues Jahr begann mit einer schlechten Nachricht. Lissy hat kranke Augen. Er ist an Equiner rezidivierender Uveitis erkrankt. Im Volksmund lange "Periodische Augenentzündung" genannt. Inzwischen spricht man hier von "Wiederkehrender Augenentzündung". Lissy hatte Entzündungsschübe im hinteren Augenbereich, die wenig schmerzhaft sind und deutlich weniger Symptome zeigen, als die Entzündungen im vorderen Augenbereich.

Gestern, am zweiten Januar waren wir in der Pferdeklinik in Sottrum und bekamen die Diagnose, dass er auf dem linken Auge nur noch Hell-Dunkel Sicht hat und rechts eben auch schon Trübungen zu sehen sind. Das war schon ein echter Schlag. Mein Traumpferd ist krank, und nicht so, dass wir es wieder heilen können, es wird immer krank sein. Niemand kann etwas dafür, da die Bakterien, welche die Entzündungen hervorrufen in der natürlichen Umgebung des Pferdes vorkommen und die meisten eben davon nicht betroffen werden. Nur bei wenigen dringen die Bakterien (Leptospiren) ins Auge ein, was dann eben zu diesem Krankheitsbild führen kann. Die Bakterien sind keine aggressiven Keime und können Monate bis Jahre unbemerkt im Auge existieren, ehe es zu einer Entzündung kommt.

Nun ist es eben so gekommen und wir müssen sehen, wie wir das Beste daraus machen. Im Moment steht für mich die Erhaltung der Sehkraft des rechten Auges an erster Stelle und die Vorbeugung weiterer Entzündungsschübe.

Heute habe ich nun noch einmal mit der Hauptaugenärztin der Klinik telefoniert und leider gibt es wieder keine gute Nachricht. Das rechte Auge ist zwar nicht so stark betroffen, aber da es schon zu Verklebungen (Eintrübungen gekommen ist), hat mir Dr. Brandt von der OP abgeraten. Das fand ich sehr fair. Sie sagte wörtlich: Ich will zu nichts überreden, was in meinen Augen nichts mehr bringt.

Sie hat mir geraten, eben gut auf die Augen zu achten, Lissy regelmäßig untersuchen zu lassen (evtl. alle 6 Monate eine Nachuntersuchung in Sottrum) und eben bei akutem Behandlungsbedarf eingreifen, WENN man denn etwas erkennt. Lissy hat eben den ungünstigen Krankheitsverlauf, dass die Entzündungen im Hinteren Augenbereich stattfinden, wenig schmerzhaft und unauffällig sind.

So, dass ist der Stand der Dinge. Nicht besonders schön, aber es gibt sicher schlimmeres. Lissy ist reitbar und bei Beachtung seines Handicaps und aufmerksamer Pflege und Betreuung werden wir noch einen (hoffentlich) langen und schönen Weg vor uns haben, nur das Tempo hat sich nun geändert und die Ziele.

Ich werde dieses Tagebuch weiterführen, allerdings vielleicht nicht im gewohnten monatlichen Rahmen. Dennoch freue ich mich über Einträge im Gästebuch, schon allein, weil es ein unglaublich schönes Gefühl ist, zu wissen, dass jemand an einen denkt.

 

9. Januar

Heute war ein seltsamer Tag.

Ich hatte einen Termin mit einem Tierarzt, der auch homöopathisch behandelt. Auch wenn ich inzwischen gehört hatte, dass die Homöopathie bei der Augenentzündung nichts bringt, so war der Termin fest und ich war ja auch neugierig. Dr. Schneider hatte mir am Telefon gesagt, dass er nicht die Entzündung isoliert betrachtet, sondern das ganze Tier. Er wollte sich Lissy ansehen und dann entscheiden, ob er irgendwie helfen kann, wenigstens die Entzündungsschübe zu mildern oder eben prophylaktisch eine Lösung fände.

Als ich ihn heute kennen lernte, faszinierte mich zuerst einmal die Ruhe, die dieser Mann ausströmte. Er ließ mich Lissy holen und fragte erst mal allgemein nach Alter, Vorgeschichte und Auffälligkeiten. Dann schaute er sich die Augen an.

Links wie immer keine Reaktion auf ruckartiges Nähern der Hand, das Auge blickt starr in eine Richtung, die Pupille ist eng und verklebt.

Nun wurde es erst einmal seltsam, denn Dr. Schneider entfernte sich ein ganzes Stück, um dann langsam wieder auf Lissy zuzugehen, er berührte ihn jedoch nicht, sondern ließ seine Hände mit etwas Abstand über ihn und an ihm entlang gleiten. Mein Pferd stand wie ein Baum, aber nicht starr, sondern entspannt.

Dann erklärte mir der Arzt, dass Lissy eine Leber-Gallen Problematik hat, eine Störung im körpereigenen Energiefluss. Er erklärte dann, dass mein Pferd quasi energiemäßig am Übergang von Rücken zu Kruppe aufhören würde. Bei Wallachen hinge das auch oft mit der Kastration zusammen, da durch das durchtrennen der Samenleiter ja der Weg für den Energiefluss nicht mehr frei wäre. Er sagte weiterhin, dass bestimmte Körpermeridiane am Auge entlanglaufen würden, eben auch für Leber und Galle. Durch den gestörten Fluss käme es dann quasi zu einem Rückstau und der würde die schwächsten Körperteile; in diesem Fall die Augen angreifen.

Ich kann das leider nur so wiedergeben, da ich Laie bin und gerade in solchen Dingen immer etwas skeptisch.

Dr. Schneider hat Lissy dann eine homöopathische Lösung gespritzt und gemeint, wir würden gleich eine Veränderung sehen können. Meine Skepsis wuchs.  Nun begann der Arzt Lissy im Maul zu berühren, was Lissy zum regen Kauen brachte. Ich habe es nicht ganz verstanden, aber ich denke, dass es bestimmt Druckpunkte gibt, die eben auf den Körper wirken. Und dann geschah wirklich etwas. Mein Pferd veränderte sich zusehends. Es ist total schwer, das zu beschreiben. Es sah zuerst aus, als würde er sich zusammenziehen, fast schrumpfen, die Bauchseite wurde leicht faltig irgendwie. Dann fiel er „auseinander“, entspannte sich, schien dabei zu wachsen, der Bauch kam hoch, er entlastete ein Hinterbein und sein linkes Auge schloss sich. Ob er das rechte auch zumachte, weiß ich nicht, da ich auf der linken Seite stand.

Dr. Schneider machte das ungefähr 20 Minuten lang und Lissy sah aus, als würde er sich, ganz salopp gesagt „auskotzen“. Natürlich kam nichts aus seinem Maul, aber er wirkte so, als würde er ganz viele Dinge beim Kauen „durchkauen“ und loswerden. Dann bewegte sich das linke Auge. Zuerst dachte ich, ich hätte mich verguckt, aber dann zwinkerte er mehrmals und bewegte das Auge wieder. Er konnte den Kopf nicht drehen, den hielt ja der Tierarzt, aber er schaute eindeutig mit dem linken Auge zu mir. Und die Pupille war groß. Dann hob der Arzt ruckartig die Hand zum linken Auge und der Schließreflex setzte ganz leicht verzögert noch aber eindeutig ein, wo ich vorher auf Auge hätte hauen können, ohne dass etwas geschah.

Lissy entspannte sich immer mehr, fast sah es zwischendurch mal so ein, als wäre er eingenickt, aber immer wieder schaute er mit dem linken Auge eindeutig umher.

Ich war ganz sprachlos und konnte es nicht glauben. Für mich ist es ein Wunder, auch wenn es medizinisch zu erklären ist.

Als Dr. Schneider aufhörte, bekam ich die Anweisung mit Lissy noch etwa 10 Minuten stramm spazieren gehen, wobei er im ersten Moment hinten ganz klamm war. Das erklärte mir der Tierarzt damit, dass nun ja die Energie wieder frei fließen kann und das ungewohnt für Lissy wäre.

Das gab sich aber ganz schnell und als wir unterwegs waren, musste ich den Schließreflex des Auges gleich einmal selber überprüfen. Jetzt kam er ohne Verzögerung, wo eine halbe Stunde vorher noch gar nicht passiert war.

Wieder am Hof bekam ich nun den Fortgang der Behandlung erklärt. In den nächsten zwei Wochen wird Lissy nicht geritten, sondern immer 15-20 Minuten stramm im Schritt geführt. In zwei Wochen dürfen wir dann langsam wieder an die Arbeit. Unterstützend machen wir eine Kur mit Schüßler Salzen (Nr.3) für drei Monate.

Wenn die nächste Tetanus Impfung fällig ist, werden wir noch mal sehen, ob eine weitere Behandlung nötig ist, denn die Impfung kann einen Schub der Augenentzündung auslösen.

So, ich glaube, ich habe alles erzählt, ich bin noch immer etwas durch den Wind. Was mir nur gerade noch einfällt ist, dass der Tierarzt mich auf meinen Sattel ansprach und ihn auch ansah, weil er der Meinung war, der Sattel passt nicht. Doch bis auf eine minimale Aufpolsterung hatte er dann nichts auszusetzen. Er hatte mir aber vorher erzählt, dass durch die Behandlung auch „alte Wunden“ ans Licht kämen. Da erzählte ich ihm von dem ersten Sattel, der ja zum einen nicht passte und zum anderen hatten wir damit ja einen Sturz, bei dem das Kopfeisen (vermutlich) gebrochen ist. Das hatte enormen Druck zur Folge und ich könnte heute noch heulen, dass ich es damals nicht gleich erkannt habe. Dr. Schneider meinte dann, dass sich seine Beobachtung wohl eher auf dieses zurückliegende Sattelproblem bezieht.

So, mehr fällt mir jetzt auch nicht ein, ich muss das erst mal sacken lassen. Aber als ich heute nach Hause fuhr, musste ich noch mal schnell mein Pony knuddeln und konnte es mir nicht verkneifen, noch einmal den Reflex zu überprüfen. Doch das tollste war echt, der Blick den er mir aus großen offenen Pupillen zuwarf…

Man mag von ganzheitlicher Medizin und Homöopathie halten was man möchte, ich will sicher niemanden bekehren. Aber was ich heute mit eigenen Augen gesehen habe, dass kann mir keiner abstreiten und ich bin froh, dass ich diesen Weg probiert habe. Ob es der letzte Weg ist, denn ich im Kampf gegen die Augenentzündung gehe oder gehen muss, dass wird die Zeit zeigen.

Dr.Schneider ist auch im Internet präsent:

http://www.pferdemedizin.com/

und ganz interessant fand ich dort dieses hier:

http://www.pferdemedizin.com/meridian/

 

März 2008

Der Februar ist vorbei und Ostern steht vor der Tür. So langsam ist der Alltag wieder eingekehrt in mein Ponyleben, nach dem Schrecknis zu Jahresbeginn.

Lissy geht es sehr gut. Das Auge ist noch immer ein wenig getrübt, was aber wohl auch so bleiben wird. Ich beobachte es jedoch, um eine Verschlechterung so früh wie möglich erkennen zu können. Allerdings ist die Pupille weiterhin beweglich, wird größer und kleiner je nach Lichtverhältnis, was sehr gut ist.

Allgemein kann ich auch sagen, dass Lissy sich körperlich verändert hat. Er hat viel mehr Schub in der Hinterhand, was ich zum Beispiel beim Antölten oder auch im Galopp bemerke, wo jetzt die Energie deutlich „von hinten“ kommt und nicht mehr ein „ich lauf dann mal schneller“ ist. Insgesamt empfinde ich ihn als aufmerksamer, interessierter und motivierter.

Noch etwas ist mir sehr drastisch aufgefallen: Das schreckliche Stolpern ist weg! Früher ließ Lissy sich total fallen, wenn er mal ins Straucheln kam, wodurch ich ja ein paar Mal über seinen Hals abgestiegen bin. Er ging immer sofort in die Knie, beim kleinsten Fehltritt, ich war nur noch damit beschäftigt auf den Weg vor uns zu schauen und konnte die Ritte im Gelände gar nicht mehr richtig genießen.

Jetzt ist es so, dass er zwar hin und wieder mal stolpert, aber das ist dann immer mit Grund: Stein, Baumwurzel, kleine Unebenheit, etc. Und dann läuft er weiter, es fühlt sich an, als würde er sich von hinten weiter schieben, während er vorne die Beine sortiert. Ein kleines Hoppeln und es geht weiter. Ich kann ihn am langen Zügel durchs Gelände reiten und muss nicht mehr mit Argusaugen den Weg betrachten.

Ich bin so glücklich, dass alles so gut ausgegangen ist. Ich werde Dr. Schneider zum Jahresende noch einmal kontaktieren und einen weiteren Termin zur Kontrolle vereinbaren.

In vier Wochen haben wir mal wieder einen Lehrgang bei Andreas Windsio und ich bin sehr gespannt, wie er die Veränderungen wahrnimmt, wenn überhaupt und was er allgemein zu Lissy sagt, denn er läuft im Moment echt toll.

Das hat mich dann auch veranlasst mit ihm in einer Dreigangprüfung auf dem Freizeitturnier zu starten. Eigentlich wollte ich ja nur eine Spaßprüfung wie Geschicklichkeit oder Bierglastölt machen, aber ich denke, es geht Lissy gut und wir können einen Start wagen.

Ich kann wieder optimistisch in die Zukunft sehen und ich bin sehr glücklich, dass ich meine Skepsis überwunden und mich auf Dr. Schneider eingelassen habe. Dieser Weg war für uns der Richtige und ich würde ihn jederzeit wieder gehen…

 

Mai 2008

 

So, da wollte ich vom Freizeitturnier berichten, doch hier fehlt ja noch ein kleiner Bericht über den Turniervorbereitungskurs, den wir mit Andreas Windsio zusammen gemacht haben. Dann muss ich wohl damit erst mal anfangen.

Turniervorbereitungskurs am 19. und 20. April

Ich war sehr gespannt darauf, ob Andreas auch eine Veränderung bei Lissy bemerken würde. Er hatte ihn ja zuletzt vor der unseligen Augengeschichte gesehen und kannte den ganzen Verlauf nicht, mit Klinik und Dr. Schneider und den verblüffenden Resultaten. Vor der ersten Einheit hatte ich auch keine Gelegenheit mit ihm darüber zu sprechen, also bekam er eine Kurzfassung nach dem Warmreiten und der Frage nach unserem Befinden. Dann ging es auch schon los. Lissy lief recht gut, allerdings begann er nach kurzer Zeit wieder damit, sich aufs Gebiss zu legen, wenn ich zuviel Druck machte, oder er schlug unwillig mit dem Kopf, wenn er nicht nach unten entkommen konnte. Das ärgerte mich, wie es mich schon lange vorher geärgert hatte und so langsam spürte ich einen richtigen Unmut in mir, weil dieses Mal anscheinend nichts richtig klappen wollte. Dann setzte sich Andreas auf Lissy und probierte es selber mal. Vermutlich lief Lissy echt nett, denn er übergab ihn mir hinterher zufrieden und bestätigte, dass sich da was getan hatte im Hinterhand und Rückenbereich. Irgendwie kam das bei mir aber nicht richtig an. Überhaupt wurde ich immer unkonzentrierter und irgendwie auch mürrischer. Allerdings bemerkte ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich konnte mich nur nicht an den Fortschritten meiner Mitreiter und Freunde freuen und grübelte immer noch darüber nach, was denn dieses Mal nicht richtig lief. Ich kam nicht drauf. Aber ich merkte, dass ich andere Pferde beobachtete und mir immer wieder wünschte, dass Lissy doch so locker und schön tölten würde, mit Aktion und guter Haltung... ja, das wäre doch toll...

Ja, der zweite Tag war auch nicht viel besser, nicht mal das Video am Abend hatte mich recht überzeugen können, dass wir uns noch mal verbessert hatten. Andreas hatte mich auch bestärkt, in der Dreigang Prüfung zu starten und mir immer wieder gesagt, dass Lissy sich noch mal gesteigert hat. Aber es kam nicht an, ging einfach nicht in den Kopf. Da waren diese netten Pferde, die so schön tölten konnten, während wir immer wieder gegen den Pass kämpften und "am Zügel sein" eine seltene Ausnahme darstellte. Ich war so unzufrieden und wusste selber nicht warum. Mittags fand ich mein Pony gemütlich in der Sonne liegend und nutzte die Gelegenheit, mich dazu zu setzen und einfach mal zu kuscheln.

Dann kam die letzte Einheit des Kurses und ich fühlte mich ausgelaugt und schlapp, konnte mich nicht recht konzentrieren und wünschte mir zum ersten Mal auf einem Lehrgang, dass die Einheit vorbei wäre. Nachdem ich mein Pferd versorgt hatte, suchte ich meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause. Dort packte ich mich ins Bett, denn ich stellte fest, dass ich Fieber hatte und nun wusste ich zumindest, was mir da in den Knochen gesteckt hatte. Doch das konnte nicht der Grund für meine Unzufriedenheit sein. Ich lag lange wach und dachte nach und immer wieder fand ich mich dabei, wie ich Lissy mit anderen Pferden verglich. Das hatte ich früher nie so getan und irgendwann begann ich dann zu erkennen, dass da etwas ganz Hässliches in mir gärte. Es war ein krankhafter Ehrgeiz. Ich wollte auch ein so gutes Pferd haben; eines, das immer taktklar töltete, schön am Zügel ging, eine nette Haltung hatte UND traben konnte. In diesen hässlichen Gedanken wertete ich Lissy immer mehr ab und reduzierte ihn auf das, was er nicht konnte, anstatt zu sehen, was er alles konnte, was er alles gelernt hatte und was ich alles an ihm habe. Er ist so ein verlässlicher Partner für mich, mein Zuhörer, mein Seelenstreichler, mein Schmusetier, das sind so wertvolle Dinge, die natürlich in keiner Prüfung der Welt bewertet werden, aber doch unbezahlbar sind.

Nachdem mir klar geworden war, was da im Argen lag, konnte ich mich auch wieder auf Lissy konzentrieren und ihn realistisch sehen. Alles, was Andreas gesagt hatte, drang nun auch zu mir durch und ich konnte mich endlich freuen. In den zwei Wochen vorm Turnier nahm ich mir vor, ganz entspannt zu trainieren und zu nehmen, was Lissy bereit war, zu geben. Er war kein Turnierpferd und ich bin kein Turnierreiter, also würden wir wieder zur Basis zurück gehen, denn Reiten macht Spaß! Und den Spaß wollte ich wieder finden.

Ach du Schreck!

Leider lief nicht alles glatt in diesen zwei Wochen. Am Samstag nach dem Turnier war ich allein auf dem Hof, denn die anderen waren nach Stapelfeld zur Hengstparade gefahren. Ich beschloss das gute Wetter zu nutzen und eine große Runde zu machen. Lissy war etwas unmotiviert, vor allem, als er merkte, dass kein anderes Pferd auf dem Hof wartete. Wir ritten los und nach einer Weile musste ich mir erst mal einen Ast pflücken, denn Lissy schlich unlustig vor sich hin und meine Gerte hatte ich am Hof gelassen. Ich beschloss dann, die Runde doch normal groß zu machen, nur mal anders herum zu reiten. War auch alles gut soweit, Lissy wurde etwas munterer, als wir dann im Wald waren.

An einer Stelle kamen uns dann andere Reiter entgegen, drei Großpferde im gemächlichen Schritt. Ich grinste mir erst mal eins, denn ich hatte schon oft gehört, dass Großpferde beim Anblick töltender Isländer nervös werden. Ich sagte Lissy also, dass er nicht tölten dürfe. Der hatte aber anscheinend andere Sorgen, denn er blieb abrupt stehen und spitze die Ohren. Dann schnaubte er unruhig und wurde immer größer. Ich fand das albern, schließlich waren es keine kläffenden Rottweiler da vor uns, sondern Pferde... Die sah er schließlich jeden Tag rund um sich herum. Doch irgend etwas schienen diese an sich zu haben, denn ehe ich noch ein freundliches "Hallo" herausbekam, hatte sich mein Pony auf dem Absatz herum geschmissen und preschte im gestreckten Galopp davon. Ich hatte nicht mal Zeit, Angst zu haben, ich versuchte nur ruhig mit Lissy zu reden und ihn durchzuparieren, was zwecklos war. Ich verlor einen Steigbügel und beschloss, nicht runter zu fallen. Mit einer Hand hielt ich mich am Sattel fest, mit der anderen zog ich immer wieder am Zügel, doch Lissy war nicht bereit zuzuhören. Er bog im Galopp in den Waldweg ein, aus dem wir gerade vorher gekommen waren und erst hier schien er der Meinung zu sein, dass die Gefahr nun weit genug weg sei, denn er ließ sich anhalten. Jetzt schlug mir aber das Herz im Halse und am liebsten wäre ich abgestiegen. Aber das war nicht möglich, denn damit hätte ich mich geschlagen gegeben, denke ich zumindest, also versuchte ich, Lissy wieder auf den Weg zu bringen, den ich eigentlich reiten wollte. Erst wollte er nicht so recht, sondern lieber die Strecke, die wir gekommen waren zurück gehen, aber ich konnte mich durchsetzen. Nun hatten wir die anderen Pferde vor uns und als er sie erneut erblickte, spitzte er wieder die Ohren, aber dieses Mal eher erfreut und seine Schritte wurden flotter, als könne er es gar nicht erwarten, sich ihnen anzuschließen.

Ich dachte echt, ich spinne. Erst abhauen und jetzt hinterher rennen? Nicht mit mir. Lissy musste im Abstand von gut 500 Metern hinter ihnen bleiben, was ihm gar nicht gefiel, aber ich hatte wieder die Oberhand und setzte mich durch. Trotzdem war ich heilfroh, als wir schließlich den heimatlichen Hof wieder erreichten.

Dieses Erlebnis hat mir meine Freude am allein ausreiten erst mal gründlich getrübt und ich traue mich ohne Begleitung momentan nicht ins Gelände, jedenfalls keine weiteren Strecken.

 

 Stolperfallen und Überraschungssiege

Das 5. Freizeitreiter- und Jugendturnier stand an und wir waren dabei. Ganze sechs Prüfungen hatte ich dieses Mal genannt und war gespannt, wie wir uns auf neuem Terrain bewähren würden. Begonnen haben wir allerdings mit etwas Bekanntem, der Geländeprüfung. Nach den obligatorischen Scherzfragen, die kein Problem darstellten ging es in den Wald. Die erste Hürde ist ganz wörtlich zu nehmen, denn zuerst kam der Sprung. Eigentlich kein Problem, aber dieses Mal war mir doch glatt der Kopf im Weg. Lissy spürte mein Zaudern und sprang nicht. Leider schafften wir es auch nicht mehr, das Hindernis im Schritt zu überqueren, denn Lissy riss die Stange runter. Egal, abhaken und weitermachen. Als nächstes durfte ich mich beim Hufeisenwerfen bewähren, was wieder ohne Probleme gelang. Gemütlich zuckelten wir weiter und an der nächsten Station wurde es echt kniffelig, denn es galt eine englisch kombinierte Trense zusammen zu bauen. Das hatte ich noch nie gemacht, aber ich gab mein Bestes. Weiter ging es zur nächsten Station, die echt lustig war, denn ich musste vom Pferd aus Wäsche aufhängen. So viele Stücke wie möglich in einer Minute. Nicht schlecht geschlagen haben wir uns hier, ich hatte nur einen Moment lang die Vision, dass Lissy vielleicht die Sachen, die ich aufhänge wieder abnehmen könnte. Doch das tat er nicht. Die letzte Aufgabe hatte es in sich, denn es galt abzusitzen und mit dem Pferd eine 200 Meter Strecke in einer Minute zurück zu legen. Leider bin ich in solchen Sachen nicht gut zu Fuß, denn meine kaputten Knie hindern mich am Sprinten. Auch hier gaben wir unser Bestes und den verlangten Stock von 19,5cm Länge brachten wir auch noch mit, wobei ich hier gar nicht weiß, wie lang mein Stock war, denn ich habe versäumt, den Richtzettel einzusehen. Jedenfalls war ich guter Dinge und konzentrierte mich auf die nächste Prüfung. Best of Dreigang war neu für uns und wir hatten ordentlich am Schritt und Galopp gearbeitet. Die Prüfung lief gut und Lissy war echt super. Ich hielt mich an mein neu gefundenes Motto: REITEN MACHT SPASS! und genoss einfach, wie nett mein Pferdchen war und das tolle Wetter half zusätzlich, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Die Töltprüfung T8 war schon ein alter Hut für uns und nach dem spritzigen Dreigang fast schon langweilig. Dennoch war ich auch hier sehr zufrieden, dann Lissy war gut drauf und ich hatte Spaß. Unsere Noten waren in Ordnung, jedenfalls haben wir uns nicht verschlechtert. Mehr wollte ich nicht. Zum lustigen Abschluss dieses Tages gab es für uns eine Runde Bierglastölt, wobei wir wieder eher durch eine große Kleckerei glänzten, als durch eine tolle Zeit. Das Bier schmeckte trotzdem. Nachdem mein Pferd versorgt war, widmete ich mich wieder der Arbeit auf dem Abreiteplatz und freute mich schon auf den nächsten Tag, der für uns mit der Geschicklichkeitsprüfung beginnen würde.

Im Gegensatz zu den letzten Turnieren wusste ich dieses Mal nicht, was uns erwartete und kam auch erst kurz vor der Prüfung dazu, mir die Aufgaben anzusehen.

Also, es war ganz lustig. Zuerst mussten wir dem Pferd eine Abschwitzdecke anziehen, ohne abzusteigen... dann diese wieder ausziehen. Ging gut, indem ich mich erst hinter den Sattel setzte und dann die Decke über den Sattel legte, mich draufsetzte und sie nach hinten weiter zog. Lissy steht ja wie eine Eins, wenn ich die Füße aus den Bügeln nehme...
Dann ging es zu einer Wippe, unter der eine Plane lag. Plane und Wippe kennt Lissy, aber nur einzeln. Er stutze also erst mal und ging einen Schritt nach links. "Ach, lass uns doch hier lang gehen..." Ich lenkte ihn wieder zurück, er schaut sich das Ganze an, macht einen Schritt nach rechts. "Ach dann vielleicht hier lang?" Ich hab ihn wieder drauf zu gelenkt und er schnuppert und macht einen Schritt auf die Plane *raschel*. Lissy bleibt stehen und ich sehe, wie seine Ohren spielen... er denkt nach... Ok, das ist die Plane, die ist OK. Er macht einen zweiten Schritt auf die Wippe *klong* Wieder hält er inne und schaut sich das ganz genau an... Da hab ich schon gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, weil ich mir seine Mimik vorstellte. Dann hatte er raus, dass das die Wippe ist, über die wir öfter mal reiten und trottet da voll gemütlich rüber, als hätte er nie was anderes vorgehabt. Hinter der Wippe bleibt er stehen und der Kopf ruckt zu mir herum... (normalerweise bekommt er nach der Wippe ein Leckerlie) Ich hab so gelacht...
Dann musste ich mit dem Mund einen Schokokuss von einem Fass aufnehmen und ihn etwa fünf Meter weit im Mund transportieren... oh je, ich wusste nicht, dass Lissy so hoch ist... aber ich kam echt an den Schokokuss ran, musste ihn aber erst rumdrehen, da ich die weiche Masse ja gleich durchgebissen hätte. Ich hab die Waffel zwischen die Zähne genommen, bin zur nächsten Tonne geritten und hab ihn ordentlich auf der Serviette abgelegt... Dann durfte ich ihn essen... *lecker*
Dann musste ich mit einem Hufeisen ein Hütchen treffen, dass ein Tischtennisball da runter fällt. Kein Problem... Dann ging es zum Kartoffelslalom.Kartoffel auf Löffel und auf Zeit einen Hütchenslalom reiten. Das geht sogar im Tölt.
Danach musste ich vom Pferd aus einen Basketball in den Korb werfen. Eigentlich bin ich eine totale Niete darin, aber ich hab zwei Bälle versenkt und einmal den Rand getroffen...

Ja, das war die Geschicklichkeitsprüfung und bei der Siegerehrung am Mittag war ich schon aufgeregt, hatte ja gut geklappt. Natürlich konnte jemand bei dem Kartoffelslalom schneller gewesen sein oder dreimal mit dem Basketball getroffen haben, aber alles andere hatte ich geschafft.... ich hoffte auf Platz 4 und träumte von Platz 3. Die Plätze wurden aufgerufen und ich war weder auf 5, noch auf 4 oder 3... Ich war enttäuscht, aber ich knuddelte mein Pony und sagte ihm, dass er es trotzdem toll gemacht hätte. Dann begann ich mich mit dem Sohn meiner Freundin zu unterhalten, der in der Kinderklasse Geschicklichkeit geritten war. So bekam ich den 2 Platz nur am Rande mit und beim ersten dann, dass die Reiterin einen großen Punktevorsprung hatte... Ich war gerade mitten im Reden, da fällt mein Name und meine Freundin, die die Siegerehrung machte strahlte mich an und winkte... Ich war total perplex und konnte es gar nicht glauben, dass sie mir die goldene Schleife überreichte... Ein irres Gefühl... meine erste goldene Schleife...
Dazu gab es eine dunkelblaue Satteldecke und einen Holztölter als Pokal.

Ich freu mich so sehr über diesen Erfolg, der mir wieder mal gezeigt hat, dass Gänge nicht alles sind, beim Islandpferd und dass ich mir meinen Lissy schon ganz richtig ausgesucht hab. Ein Pferd zum durch dick und dünn gehen und hin und wieder mal zum Trolle jagen, vor allem solche, die sich als Pferde verkleidet haben.

Jetzt freu ich mich ganz motiviert aufs OSI, bei dem ich mit der T6 Töltprüfung eine neue Herausforderung annehme und hoffe, in der Geschicklichkeit meinen Erfolg vielleicht wiederholen zu können.

 

Juni 2008

Leider gibt es nicht immer nur Schönes zu berichten, so auch bei uns. Ich hatte am 31. Mai wieder Besuch von Dr. Schneider. Eigentlich wollte ich Lissy nur mal durchchecken lassen, da eine Freundin von mir den Doktor zum Hof geholt hatte für ihr Jungpferd. Mir machte vor allem Lissys Schreckhaftigkeit zu schaffen und ich wollte eben wissen, wie es mit seinem Auge aussieht, bzw. dem Leber-Gallen Meridian. Doktor Schneider schaute sich Lissy aufmerksam an, fasste in den Mähnenkamm und eröffnete mir, dass eine Blockade des Blasen Meridians vorläge, wodurch sich Wasser im Körper einlagert, zum Beispiel eben am Mähnenkamm und an der Schulter. Hervorgerufen wurde es in unserem Fall durch falsches Futter und das Anweiden auf dem fetten ersten Gras. Das war wohl zuviel des Guten. Er behandelte Lissy auf dem mir schon bekannten Weg, und ich konnte fast zusehen, wie der Mähnenkamm schmaler wurde und auch die "Wasserpolster" am Hals und der Schulter "schmolzen". Dadurch, dass die Blockade aufgehoben wurde, konnten diese Einlagerungen nun abfließen. Natürlich geschah das nicht von jetzt auf gleich und äußerte sich in den kommenden Tagen auch durch häufigeres Wasserlassen. Nach der Behandlung musste ich wieder ca. 20 Minuten stramm marschieren und drei Tage hatten wir Reitpause. Lissy bekommt nun anderes Futter und zusätzlich noch Schüssler Salze. Der Doktor erklärte mir, als ich ihm von der Schreckhaftigkeit erzählte, dass das durchaus sein könnte, das es mit der Blockade zusammenhängt. Der Blasen Meridian verläuft bis in den Kopf und durch die Blockade konnte Lissy vielleicht optische Reize nicht mehr richtig zuordnen, ob es nun etwas Neutrales oder Gefährliches war, was ihm da begegnete. Ich beobachte das natürlich weiter und muss sagen, dass er schon deutlich ruhiger geworden ist und wenn er mal guckig ist, dann liegt das eher an meiner Nervosität. Es gab auch Gutes zu vermelden, denn der Leber-Gallen Meridian ist frei und das Auge hat sich nicht zum Schlechteren verändert. Soweit diese Geschichte.

Nun bin ich aber alarmiert und aufgeschreckt, denn während der Behandlung sprach Doktor Schneider davon, dass sich aus einer solche Geschichte auch ein metabolisches Syndrom entwickeln kann, wenn es nicht rechtzeitig erkannt und wie auch immer behandelt wird. Trotz der Behandlung bin ich noch immer skeptisch und beäuge mein Pony sehr kritisch. Ich denke ernsthaft darüber nach, ihn auf EMS testen zu lassen. Wenn er nichts hat, umso besser, aber dann habe ich Gewissheit. Wenn sich mein Verdacht bestätigen sollte, dann müssen wir sehen, wie wir mit einer erneuten Hürde auf unserem Weg klarkommen. Ich denke aber, dass wir diese genauso überwinden können, wie alle anderen Stolpersteine, die sich uns bis jetzt in den Weg legten.

Jetzt noch was Nettes zum Ausklang. Ich habe mir vor längerer Zeit einen Wunsch erfüllt und mir ein Bareback Pad zugelegt, welches ich nun in der letzten Woche endlich mal ausprobiert habe. Zusammen mit meiner Freundin war ich erst auf der Bahn und anschließend traute ich mich sogar eine kleine Runde ins Gelände. Das war etwas, das noch vor einem Monat undenkbar gewesen wäre. Ich habe noch immer sehr viel Angst, allein auszureiten und fühle mich selbst mit Sattel nur bedingt wohl, obwohl mir ja nichts passiert ist, als Lissy durchging. Dieser Ausritt jedoch war toll und Lissy war sehr aufmerksam und jedes kleine Wackeln meinerseits ließ ihn sofort langsamer werden, als würde er auf mich aufpassen. Das hat mir ganz viel Mut gemacht.

Vorgestern habe ich mich mit einem Reitschüler von Doris verabredet, um mit ihm auszureiten. Ich musste allerdings erst mal allein zu ihm hinreiten, eine Strecke von etwa 15 Minuten. Meine Magennerven flatterten wie Wäsche auf der Leine und einmal wäre ich fast abgestiegen, dabei war gar nichts, Lissy hatte nur einen Vogel aufgescheucht und einen winzigen Hopser zur Seite gemacht, als der aufflog. Aber ich habe durchgehalten und mir selber etwas vorgesungen, wie auf meinen allerersten alleinigen Ausritten. Wenn ich singe atme ich ruhig und gleichmäßig und das hilft mir ungemein. So kamen wir bei Jan an und wurden von ihm und seinem Pferd freudig begrüßt. Das ist auch so eine lustige Sache, denn Jans Pferd Kobold ist ein Lewitzer, den ich selber sehr gern mag und auch schon geritten bin. Seit einiger Zeit begrüßt Kobold den Lissy immer besonders freundlich, stubst ihn an und krault ihm Schopf und Mähne. Lissy lässt sich das ganz zufrieden gefallen. Da ist anscheinend eine richtige Pferdefreundschaft entstanden.

Mit Jan zusammen bin ich dann anderthalb Stunden ausgeritten, quer durch den Staatsforst, auf Wegen, die ich gar nicht kannte. Das war super schön und Lissy war ganz tapfer und unerschrocken und lief die meiste Zeit voraus, während Jan uns von hinten den Weg wies. Einmal begegnete uns eine andere Reiterin auf einem großen Schimmel und Lissy blieb stehen. Doch ich zwang meine Angst zurück und trieb ihn weiter. Lissy stapfte an dem anderen Pferd vorbei ohne Probleme, während der Schimmel tänzelte und mit den Augen rollte. Da war ich natürlich sehr stolz auf mein Pferd. Als wir Jan dann zu Hause abgeliefert hatten und uns auf den Heimweg machten, waren wir beide etwas müde, aber sehr zufrieden und der Rückweg zum Hof verlief dann auch ohne besondere Vorkommnisse. Jan und ich haben beschlossen, öfter mal solche netten Ausritte zu machen.

Gestern war ich dann ganz allein auf dem Hof, da die meisten anderen zum Turnier gefahren sind. Ich beschloss am Hof zu bleiben und noch mal mit dem Pad zu reiten, also ging ich auf die Bahn. Wieder fand ich mein Pferd besonders locker und auch aufmerksam. Er reagierte auf die kleinste Gewichtshilfe und lief mit viel Aufrichtung und Schwung. Das hat viel Spaß gemacht. Nach etwa 20 Minuten beendete ich zufrieden das Training und beschloss noch eine kleine Runde um die Jungstutenweide zu reiten. Lissy war auch hier wieder sehr brav und selbst als die halbwüchsigen Mädels zu einem Galopp über die Weide durchstarteten ließ er sich davon nicht aus der Ruhe bringen. So kehrten wir entspannt und unbeschadet zum Hof zurück.

Morgen habe ich meinen telefonischen Feedback Termin mit Doktor Schneider und ich werde ihn auf jeden Fall bezüglich meiner Bedenken im Hinblick auf EMS ansprechen. Mal sehen, was er dazu sagt. Natürlich halte ich euch weiter auf dem Laufenden, hin und wieder zwitschert mir ein Vögelchen, dass hier noch gelesen wird.

Juli 2008

OSI 2008

Das OSI war ok, keine besonderen Höhepunkte, darum gibt es auch keinen langen Bericht dieses Mal. In der Dreigangprüfung haben wir ganz knapp das B-Finale verpasst, was mich total überrascht hat. Ich hätte nie gedacht, mal in die Nähe von überhaupt irgendeinem Finale zu kommen. Also waren wir wohl ganz gut. In der T6 waren wir unter "ferner liefen" zu finden, aber nicht die Letzten, auch nett. Die Prüfung macht jedenfalls viel Spaß. In der Geschicklichkeit verwies uns die starke Konkurrenz dieses Mal auf den 5. Platz. Leider war mein Kampfgeist auch durch einen fiesen Arthroseschub gemindert, der dafür sorgte, dass ich kaum laufen konnte. Ich bin jedenfalls total zufrieden mit unserer Leistung und das Turnier an sich war so toll, da kann man gar nicht unzufrieden sein.

Lehrgang mit Andreas Windsio 19. und 20. Juli 2008

Es war mal wieder Zeit für einen Lehrgang und irgendwie erinnerte es an ein Familientreffen, denn es gab nur bekannte Gesichter zu sehen. Der Reitkurs war in Rekordzeit ausgebucht und wer dabei war, der weiß auch warum. Andreas ist ein Kursleiter, der sehr individuell auf die einzelnen Pferd-Reiter Paare eingeht. Er holt jeden da ab, wo er gerade steht, egal, ob auf zwei oder vier Beinen. Er hat ein offenes Ohr für jeden Wunsch und jedes Problem, versucht zu helfen und zu erklären, aber er kann auch gut aufzeigen, warum eben das eine oder andere Ziel noch zu hoch gesteckt ist. Ich persönlich fühle mich sehr gut beraten von ihm und besonders mag ich seine Art, immer noch ein „bisschen“ mehr rauszukitzeln, wenn man eigentlich schon meint, das Ende erreicht zu haben.

In diesem Kurs trafen nun wieder Reiter und Pferde verschiedenster Art zusammen und jeder fand für sich die Aufgabe, an der er arbeiten wollte oder das Problem, für das er einen Lösungsansatz suchte. Wir nutzten alles, was der Stormurhof bietet, nicht nur die Ovalbahn für die Arbeit im Gangbereich, sondern auch das Dressurviereck für gymnastizierende Übungen, das Gelände für spezielle Trainingseinheiten und für die praxisgestützte Theorie nutzten wir die Reithalle.

Das Wetter versuchte ja hin und wieder uns einen Strich durch die Rechnung zu machen, aber die Islandpferdeleute lassen sich von ein bisschen Regen doch nicht die Laune verderben, nicht mal spontane Güsse und grollende Gewitterschauer vertrieben die hartgesottenen von der Bahn oder aus dem Viereck; hinterher konnte man sich ja umziehen.

Ich fand den Kurs wieder einmal sehr abwechslungsreich, gut durchdacht und geleitet. Besonders gut hat mir die Theorie gefallen, in der wir uns mal in unsere Pferde hineinversetzen durften, während ein Partner uns per Hand vermittelte, wie unsere Vierbeiner Schenkelhilfen empfinden und wie sehr man sich dabei unterschätzen kann. Das war sehr aufschlussreich.

Ein großes Dankeschön noch mal an Andreas, der unsere Erwartungen sicher erfüllt und hier und da vielleicht auch übertroffen hat, an alle Teilnehmer, die sich vom Wetter Durcheinander nicht die Laune verderben ließen und natürlich an Familie Schiff, für die schöne Anlage und die schmackhafte und reichliche Verpflegung.

 

August - Dezember 2008

Zusammenfassung und Jahresabschluss

Etwas unerwartet an dieser Stelle, aber irgendwie ist das Tagebuch in der 2. Jahreshälfte auf der Strecke geblieben. Dabei gab es doch noch einiges zu berichten. Im September habe ich mit Doris zusammen angefangen an Lissys Trab zu arbeiten. Zwei- bis dreimal in der Woche bin ich vormittags zum Hof gefahren und wir haben mit Trabstangen in der Halle gearbeitet. Inzwischen trabt Lissy ganz gut, aber nur über die Stangen. Im Moment ruht das Training, da ich erst mal noch an seiner Durchlässigkeit arbeiten möchte, damit es ihm vielleicht leichter fällt, den Kopf runter zu nehmen zum traben. Irgendwie habe ich mir das alles einfacher vorgestellt und ich bin auch schon an dem Punkt gewesen, wo ich sagte, dann trabt er eben nicht. Allerdings ist der Wunsch noch immer vorhanden und im Frühling werde ich die Arbeit wieder aufnehmen.

Gesundheitlich geht es Lissy gut, er ist fit und munter. Sein Auge hat sich nicht merkbar verschlechtert. Beim nächsten Anweiden werde ich besonderes Augenmerk auf ihn haben und vermutlich Doktor Schneider dazu holen zur Kontrolle. Momentan steht nur der zahnärztliche Kontrolltermin an, der mir im letzten Herbst glatt entfallen ist und nun nachgeholt werden muss.

Einen Lehrgang hatten wir auch noch, denn Anna und Friffi waren wieder bei uns. Der Kurs hat mir nicht viel Neues gebracht und war wohl mein letzter in dieser Art. Ich kann dem "im Kreis reiten" nichts abgewinnen, zumal es mir nicht viel bringt. Ich möchte keine Turniere reiten, sondern mit meinem Pferd arbeiten und auch an mir. Ich würde lieber einen Kurs über Sitzschulung machen, Centered Riding, vielleicht Zirkuslektionen oder Arbeit mit der Doppellonge. Leider ist dafür das Klientel hier rar gesät und diese Ideen verlaufen im Sande. Also werde ich mich auf die Kurse bei Andreas beschränken und dort mehr den Schwerpunkt in Richtung Dressur verlagern und ansonsten die Reitunterrichtsangebote wahrnehmen und die Tageskurse anschauen.

Das Jahr habe ich recht unschön beendet, bzw. endete es mit einem Ritt, den ich so schnell nicht vergessen werde. Ich bin mit einer Freundin ausgeritten und im Wald kam uns ein Mann mit Hund entgegen. Da das recht oft passiert, dache ich mir nichts dabei und ritt weiter. Die Pferde aber wurden stocksteif und steigerten sich regelrecht in eine Panik hinein. Nach einem kurzen Abgehen konnten wir zunächst durchparieren und meine Freundin stieg auch sofort ab. Ich wog noch einen Moment ab, ob ich oben bleiben sollte, schließlich war es nur ein Mann mit Hund. Der Mann hatte den Hund auf den Arm genommen und stapfte weiter schweigend auf uns zu. In dem Moment geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Ich beschloss abzusteigen, Lissy beschloss, dass der Moment zur Flucht gekommen sei, warf sich herum und schoss in irrem Tempo mit mir gen Heimat und meine Freundin bat den Mann, doch wenigstens was zu sagen, wenn er schon nicht stehen bleiben würde. Ich saß also auf einem Pulverfass, dass mit mir durch den Hohlweg donnerte und dann die Senke hinunter in den nächsten Waldweg. Inzwischen hatte sich das Pferd meiner Freundin losgerissen uns rannte hinter uns her, was Lissy noch mehr anstachelte. Ich hatte zu allem Unglück nur ein Double Rope Sidepull drauf, mit dem ich mein Pferd weder langsamer noch gar durchpariert bekam. Im Waldweg überholte uns das andere Pferd und plötzlich ließ sich Lissy zurücknehmen und anhalten. Sofort war ich vom Pferd runter und stand mit zitternden Knien neben ihm.

Das andere Pferd wart auch stehen geblieben, doch ein Reh, das plötzlich aus dem Unterholz sprang und über den Weg lief, ließ es erneut flüchten . Ich streichelte Lissy und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Was war denn passiert? Ein Spaziergänger mit Hund, wie sie uns andauernd begegnen. Meine Mitreiterin und ihr Pferd, beide eher ängstlich. Ich, welche die Gefahr nicht gesehen hatte, weil sie zu alltäglich war. Warum war ich nicht sofort abgestiegen? Warum hatte ich nicht...? Warum konnte ich nicht...? Hätte, könnte, wollte... Das alles half nun nicht mehr, es war passiert und nun konnte ich nur noch den Schaden begrenzen, denn eins wusste ich ganz sicher: Das war der letzte Ausritt für sehr lange Zeit für mich.

Ich atmete tief durch und versuchte den Wallach meiner Freundin anzulocken, der inzwischen schon wieder ein ganzes Stück zu uns zurück gekommen war, Lissy war ruhig und schaute sich um. Da kam auch endlich meine Freundin, voller Sorge, dass ich mir auf dem Höllenritt etwas getan haben könnte. Nachdem ich ihr versichert hatte, dass es mir und Lissy gut geht, haben wir zusammen ihr Pferd eingefangen und sind dann erst mal zu Fuß in Richtung Hof gelaufen. Am Ende des Waldweges nahm ich meinen Mut zusammen und stieg wieder auf, denn von hier aus ging es schnurstracks nach Hause und hier fühlte ich mich sicher. Ich wusste, wenn ich jetzt nicht aufsteigen würde, dann hätte die Angst gewonnen und das wollte ich nicht. Mit wild flatternden Magennerven und einem böse kläffenden Schweinehund in mir ging es nun zu Pferd weiter. Ein Stück weiter stieg auch meine Freundin wieder auf und dann , wie um uns etwas zu beweisen ritten wir noch ein kleines Stück im langsamen Tölt an den Koppeln entlang.

Am Hof gingen wir noch mal kurz auf die Bahn. Ich für meinen Teil wollte unbedingt noch mal in der Sicherheit der Umzäunung galoppieren und dabei selber das Tempo bestimmen. Hier klappte auch alles wieder super und Lissy war total brav und konzentriert. Hinterher habe ich noch lange mit meiner Freundin und anderen Freunden auf dem Hof gesprochen, aber so richtig konnte ich mich nicht beruhigen. Ich hatte so dermaßen die Kontrolle verloren; das wollte ich nie wieder so erleben. Aber natürlich ist man als Reiter dagegen nicht gefeit. Man kann nur üben, wie man sich in einer solchen Situation verhält und hoffen, dass sie nicht eintritt.

Wann ich das nächste Mal ausreite mit Lissy weiß ich noch nicht... aber vielleicht kommt es doch eher als ich denke.

Eine Woche nach der Geschichte bin ich wieder mit dieser Freundin geritten, dieses Mal in der Halle, weil es draußen bitterkalt war. Zum Ende der Arbeit tauschten wir sogar die Pferde, wobei ich ihren Wallach schon öfter geritten bin, sie aber zum ersten Mal auf Lissy saß und total begeistert von seinen weichen Gängen und seinem tollen Galopp war.

Jetzt, mit einigem Abstand ist bei  mir noch etwas anderes stärker geworden, wenn ich auf die Situation zurückblicke: Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass ich oben geblieben bin. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ich nur den Gedanken gehabt, möglichst schnell vom Pferd zu kommen und mich notfalls fallen gelassen. Das war hier überhaupt keine Option. Fallenlassen auf den Waldboden, womöglich mit dem Rücken auf einer Baumwurzel oder einem Stein landen, niemals. Und dazu kommt, dass mein Sitz viel besser geworden ist, denn selbst, wenn ich hätte oben bleiben wollen, hätte mich früher meine Steifheit aus dem Sattel geworfen. Es hat mir gut getan, unterschiedliche Pferde neben Lissy zu reiten, auf jeden Fall.

Übrigens hatte ich das schönste Erlebnis in Sachen Vertrauen vor kurzem nicht mit Lissy, sondern mit unserer Reitschulstute Pandra. Nach dem Weihnachtsritt wollte ich gern Jan und Kobold nach Hause begleiten. Da Lissy ja schon geritten war, meinte Doris, ich könne Pandra nehmen. Das tat ich auch und als wir losritten war es schon recht dunkel. Im Wald war es noch viel dunkler und als ich mich von Jan verabschiedete war es stockfinster. Ich ritt langsam den vertrauten Weg zurück als uns plötzlich blinkende Lichter entgegen kamen. Pandra blieb stehen und spitzte die Ohren, aber ohne Zucken oder sonstige Zeichen von Angst. Dann hörte ich eine Frauenstimme: "Ist da ein Pferd?" Ich grinste, denn es war eine Frau, die ich gut kannte, die immer ihre drei Hunde hier ausführte. Ich rief ihr zu, dass es ein Pferd mit Reiter sei und sie holte die Hunde zu sich, die blinkende Lämpchen an den Halsbändern hatten.

Pandra ging unbeirrt weiter und schnupperte nur kurz nach der vorwitzigen Hundenase, die sich ihr entgegenstreckte. Als der Mond uns etwas mehr Licht spendete ging es im butterweichen Tölt nach Hause, wo wir schon ein wenig ängstlich erwartet wurden. Nachdem ich losgeritten war, ist nämlich Doris eingefallen, dass Pandra schon ewig nicht allein ausgeritten war und schon gar nicht im Dunkeln.

Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich wohl nicht losgeritten. So aber hatte ich einen tollen Ritt auf einem tollen zuverlässigen Pony!

 

Ja, das war das Jahr 2008. Es hat mit einem großen Schrecken begonnen und mit einem kleineren Schrecken geendet. Doch eigentlich zählt doch das dazwischen. Viele Hürden haben wir genommen, nicht den Mut verloren und viel Neues gelernt. Ich freue mich auf 2009 und hoffe auf ein Jahr mit vielen schönen Pferdemomenten und tollen Erlebnissen.

Ich wünsche allen Lesern von unserem Tagebuch ein Frohes Neues Jahr und alles Gute für 2009!

--> Das Tagebuch für 2009 findet ihr HIER <--

 

Bitte hinterlasst uns doch einen virtuellen Hufabdruck im Gästebuch, wir freuen uns über Grüße und Feedback!

Alles Liebe,

Petra und Lissy

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