Lýsingurs Tagebuch

Teil 5

2009

Teil 1 (2005)  / Teil 2 (2006)  /  Teil 3 (2007) / Teil 4 (2008) Teil 5 (2009)

Januar 2009

Frohes Neues Jahr allen, die noch immer diesem kleinen Pony-Tagebuch die Treue halten. Für Lissy und mich hat das neue Jahr ganz ruhig und besinnlich begonnen, denn es ist zur Zeit so kalt, dass wir am liebsten in der Halle arbeiten. Hier reite ich Lissy dann abwechselnd mit Sidepull oder mit Gebiss. Beim gebisslosen Reiten reagiert er echt gut und ich war sehr erstaunt, als ich es im Dezember zum ersten Mal ausprobierte. Inzwischen hat er ein "maßgeschneidertes" Single Rope Sidepull, welches ich mir zu Weihnachten schenkte, natürlich mit blau.  Das Trabtraining ruht noch, bis es etwas wärmer wird und auch sonst werden wir es in diesem Jahr ruhig angehen lassen. Weniger Kurse und Lehrgänge, mehr Spaß!

10. Januar

Ich hab mich mit Melanie verabredet und weil das Wetter so toll war, beschlossen wir allen Mut zusammen zu nehmen und auszureiten, eine ganz kleine Runde, unsere Lieblingsstrecke, schön im Schritt und beim kleinsten "piep" abzusteigen.
Zuerst aber kamen die Bubis in die Halle und durften Dampf ablassen, was sie auch ordentlich taten. Dann ging es raus und die Ponys waren wie verwandelt... liefen sehr vorsichtig, obwohl die Wege kaum rutschig waren. Ganz manierlich im Schritt ging es durch den Wald, sogar den Berg hoch, den wir sonst galoppieren. Kein Trippeln, kein Zappeln, beide gingen ganz ruhig und konzentriert nach oben.
Den nächsten Waldweg tölteten wir, da er absolut eisfrei war. Auch hier bestimmten wir das Tempo, nicht die Pferde... In diesem Weg war es wo ich Lissy vor 14 Tagen durchparieren konnte... Dieses Mal durfte ich mir die Strecke noch mal im Schritt anschauen...
Zurück zum Hof mit entspannten zufriedenen Pferden und überglücklichen Reitern... das war toll.

Wir sind stolz, dass wir es gepackt haben und werden gemeinsam weiter daran arbeiten.

16. Januar

*seufz* Ich wollte doch absteigen...

Heute nach dem Unterricht wollten wir die länger Andauernde Helligkeit nutzen, um Jan nach Hause zu begleiten (wie schon gefühlte 100 Mal)
Laura und ich ritten also mit. Im Wald dann 2 Frauen mit 3 Hunden in einige Entfernung, alles gut, die Frauen rufen und pfeifen, die Hunde hören kaum... aber wir sind hinter ihnen und sie sind weit genug weg, beide Pferde ruhig, nur mein Magen nicht ganz. Wir sind den Berg hoch, und sehen die Frauen mit Hunden auf einem Feld weiter weg...
Zuerst mal haben die auf dem Feld nichts zu suchen... gut das Jan nicht mehr bei uns war, das Feld gehört seinem Vater...

Dann sagte Laura  was, das ich zweimal nicht verstand, beim dritten Mal dann:
"Da läuft ein Hund zwischen den Bäumen..."
Ok, Lissy hatte ihn schon gehört, ich nicht. Lissy wollte dem Monster im Unterholz durch Flucht entrinnen, knapp 100 Meter von der Stelle entfernt, wo er letztes Mal durchgestartet war...
Es war ein kurzes Stück, vielleicht 10 Meter, dann standen wir wieder, denn Stjarni  stand wie ein Fels in der Brandung und schaute uns nach. Ohne Kumpel mochte Lissy nicht flüchten. Wir ritten langsam weiter, während die Frauen auf dem Feld immer noch erfolglos nach den Hunden riefen / pfiffen...

Inga, eine andere Einstellerin, erzählte später, dass sie kurz nach uns da lang geritten ist, da haben die Frauen immer noch ihre Hunde gerufen...

Ich hab echt langsam Wut auf diese Leute, die ihre Hunde ohne Leine laufen lassen, aber die Viecher hören nicht die Bohne...  Nächstes Mal werde ich nicht kommentarlos vorbei reiten, wenn ich überhaupt soweit komme...

Soviel zum Thema: Ich steige nächstes Mal ab - das war ein Schuss in den Ofen...

14. März

Es gibt Neuigkeiten und dieses Mal Gute. Ich mache mit Lissy seit einiger Zeit Bodenarbeit am Langzügel, also Fahren vom Boden aus. Das macht uns beiden viel Spaß und bringt uns Abwechslung in der Gymnastizierung. Lissy hat sich prima gemacht und inzwischen gibt er auch gut nach. Eine schöne Sache, gerade, wenn es mal wieder so schlechtes Wetter ist, dass an Platz oder Bahn nicht zu denken ist, dann baue ich uns einen "Fahrparcours" in der Halle auf und los geht's!

Dann hab ich beschlossen, dass ich mein Angstproblem in den Griff bekommen möchte. Zum einen hab ich mir ein Buch gekauft: "Keine Angst im Sattel" von Britta Schön und Petra Martini und zum anderen versuche ich es im Moment mit Bachblüten. Ich habe mir Rescue Tropfen geholt, mit denen ich auch vor Prüfungen beim Turnier gute Erfahrungen gemacht habe. Vor dem reiten habe ich dann 2 x 5 Tropfen genommen, im Abstand von ca. 30 Minuten und Lissy bekam vor dem Putzen schon 5 Tropfen auf einem Stück Brot. Wir sind dann gleich losgeritten, da das Wetter etwas unbeständig war. Eigentlich wollte ich erst auf die Bahn, aber da ich am Tag zuvor schon Jan nach Hause gebracht und den Rückweg mit Lissy allein gemeistert hatte, dachte ich, dass wir auch gleich los könnten.

Was soll ich sagen: es war schön und angstfrei. Wir trafen eine Familie mit Hund und Kinderwagen, die er nicht beachtete und zwei Motorradfahrer (im Wald!), die ihm zwar erst unheimlich waren, aber weil ich so ruhig war,. blieb er nur stehen und schaute, Ohren zu mir, nachfragen, ob es OK ist. Ich hab ihn dann weiter getrieben und er ging. Dann blieb er noch mal stehen, aber wieder so abwartend / schauend, nicht prustend oder augenrollend... Da bin ich dann abgestiegen, weil ich dachte, am Boden kann ich ihm noch mehr Vertrauen geben. erst hat er mich etwas verdutzt angesehen, dann stapfte er neben mir her...
Nach 10 Metern bin ich wieder rauf, weil er völlig ruhig war und wir sind gemütlich nach Hause gezockelt...

Das war so toll! Ich bin total zufrieden und werde es mit den Tropfen noch eine Zeit weiter machen, bis Lissy weiß, dass Ausritte auch ohne Monster hinterm Baum funktionieren...

20. März

Was gut ist, soll man wiederholen dachte ich mir und gestern war so tolles Wetter, dass es mich richtig gepackt hat. Zuerst war ich mit Lissy auf der Ovalbahn, da es langsam in Richtung Freizeitturnier geht und ich dort zumindest in den "Spaßprüfungen" mitmachen und eine Gangprüfung zur Überprüfung unseres Standes machen möchte. Wahrscheinlich wieder Best of Dreigang, weil es einfach Spaß macht. Ins Gelände gehe ich nicht mehr, auch wenn das immer eine meiner Lieblingsprüfungen war. Das muss ich Lissy nicht mehr zumuten, einfache Ausritte sind schon spannend genug.

Also, gestern auf der Bahn war ich total überrascht, wie leistungsbereit mein Pony war. Er war so aufmerksam und kooperativ, dass es lief wie am Schnürchen und das nicht nur bildlich gesprochen, denn er kam überhaupt nicht auf die Hand, trug sich schön in Selbsthaltung und lief taktklar bis ins schnellere Tempo. Der Galopp war der Hammer, so rund und kraftvoll gesprungen, dass mir das Lächeln im Gesicht festwuchs. Ich hätte laut jubeln mögen.

So motiviert schnappte ich mir meine Mitreiterin Katharina und wir drehten eine kleine Runde. Lissy und ich waren wieder "auf Bachblüten" und dementsprechend gelassen, sah ich diesem Ausritt entgegen. Und so war es dann auch. In Pferdebegleitung ging es noch besser als beim letzten Mal und fast war es schade, dass wir keine Zeit mehr hatte, die Runde auszudehnen. Das aber steht nun heute an. Ich möchte endlich mal wieder im Staatsforst reiten und Katharina wird mich begleiten... Ich hoffe das Beste und werde natürlich berichten...

18. April

Erstens kommt es anders und zweitens schlimmer, oder wie sagt man? Nur das es dieses Mal nicht Lissy und mich betrifft. Das Pferd meiner Freundin wurde mit einer Augentrübung in die Klinik gebracht und kam mit der Diagnose ERU zurück. Das Auge ist schon blind und keiner hat es gemerkt. Das war ein Déja Vu für mich, denn nun steht meine Freundin da, wo ich vor einem Jahr war. Allerdings hat sie die gute Nachricht, dass das andere Auge in Ordnung ist. Trotzdem ist diese Diagnose erschütternd, besonders bei einen jungen Pferd.  Aufgrund dieser Sache kam auch der geplante Ausritt nicht zustande.

Inzwischen ist ja einige Zeit vergangen und ich arbeite mit Lissy weiter konsequent und ruhig an unseren Baustellen und wir machen Fortschritte. Bei der Bodenarbeit klappt es hervorragend und wir haben beide viel Spaß dabei. Dann reite ich hin und wieder kleine Runden, meist, um Jan nach Hause zu bringen, was immer gut funktioniert.

Das klingt jetzt alles toll und ist es auch, jedenfalls jetzt. Doch vor ein paar Wochen hatte ich einen Punkt erreicht, an dem ich mich selber nicht mehr verstand. Ich habe mir ernsthaft Gedanken gemacht, ob ich mein Pferd verkaufen kann. Unglaublich für mich, denn ich habe mir mit Lissy doch einen Traum erfüllt und jeder der mich und unsere Geschichte kennt, weiß, was mir dieses Pferd bedeutet. Trotzdem: ich war an einem Punkt, an dem ich meinte, ich bräuchte ein anderes Pferd, ein besseres, welches mich mehr fordert. Ich wollte nicht mehr flachwuseln, ich wollte mit Aktion tölten, taktklar bis ins hohe Tempo, auf Knopfdruck bitteschön und ohne viele Gedanken drum herum. Was für ein Mist! Aber da war dieser Gedanke und der nagte böse an mir herum und ich war mir so sicher, dass mein Pferd an seinen Grenzen war und mir nichts mehr bieten konnte und überhaupt war er ja schon viel zu alt und dann noch halbblind. Das waren so hässliche Gedanken, dass ich mich heute dafür schäme. Dennoch möchte ich es aufschreiben, damit ich es nicht wieder vergesse, wie ungerecht ich über Lissy geurteilt habe. Denn ich habe inzwischen erkannt, dass ich noch eine Menge mit ihm erreichen kann, nur wird es mich viel Arbeit kosten. Aber, was ich mit Lissy erarbeite ist dann mein Verdienst und sein Können ist mein Lohn. Es wurde Zeit, dass ich mir klar machte, was ich wirklich will: Ein Pferd, mit dem ich durch dick und dünn gehen kann, mit dem ich Spaß haben kann, dem ich eine Menge beibringen kann und das mir vertraut. Und das habe ich an Lissy auf jeden Fall. Wir haben uns doch schon wieder verbessert, denn seit ich intensiver mit ihm arbeite, vor allem auch vom Boden aus, ist unser Verhältnis wieder gefestigter. Jeder kleine Ausritt ist ein Sieg und jedes Mal wenn ich ihn unter mir taktklar tölten höre und seine gespitzten Ohren mich fragen, ob es gut ist, was er da macht... wenn er ein wenig schneller wird, ein kurzes Anfragen: Wollen wir nicht galoppieren? DAS sind die kleinen Glücksmomente, die mir kein Turniersieg bescheren kann. Das sind Momente, die ich meist allein erlebe, ohne Publikum, ohne Applaus, ohne Lob, aber es sind MEINE Momente, die ich mir verdient habe.

Lissy ist ein tolles Pferd! Und das zeigt er mir auf so viele Weisen: wenn er den Kopf zwischen die Vorderbeine steckt und ohne Aufforderung Verbeugung macht und mich dann ganz lieb anschaut, weil er sich doch wohl ein Leckerlie verdient hat; Wenn er mir ganz sanft die Nase an die Wange stubst, weil doch die Futterschüssel leer ist und ich weiß wo es noch was gibt; wenn er im Galopp die Ohren spitzt und noch ein wenig schneller wird, weil ich vor Freude lache; wenn er mich ganz ruhig und gelassen anschaut, während ich gestresst und genervt  aus dem Alltag komme und er mich runter bringt; wenn er meine ewigen Putzorgien mit genussvollem Seufzen erduldet, während ich über das nicht enden wollende Winterfell schimpfe... und das könnte ich noch ewig fortführen.

Gut, er kann noch immer nicht traben, aber das ist nicht seine Schuld. Ich hätte mir ja längst die Zeit nehmen können, daran weiter zu arbeiten. Andere Dinge waren mir aber wichtiger, wie zum Beispiel die Bodenarbeit und die Angstbewältigung. Gut, er ist mir zweimal durchgegangen, aber auch hier muss ich an mir arbeiten und lernen, ihm noch mehr Vertrauen zu geben.

Ich habe diese Phase nun hinter mir gelassen und kann mich wieder an meinem Pferd freuen, dabei hat mir nicht zuletzt auch dieses Tagebuch geholfen, das ich mir von vorne bis hinten noch mal durchgelesen habe und dabei erkannte, was für ein tolles Pferd ich habe, und was wir schon alles erreicht und gemeistert haben.

Inzwischen hatten wir mal wieder einen Termin bei Dr. Schneider. Eher ein Kontrolltermin, den ich wahrnahm, als meine Freundin ihr ERU Pferd von ihm behandeln ließ. Dabei kam heraus, dass Lissy zuviel Salz aufnahm und ich das bei der Fütterung zukünftig beachten muss. Ansonsten ist alles in Ordnung soweit. Was mir auffiel war, dass während der Behandlung das kranke Auge sich noch mal wieder positiv veränderte und mobiler wurde. Auch beim reiten habe ich im Moment noch das Gefühl, dass Lissy aufmerksamer ist und seine Umgebung besser wahrnimmt. Vielleicht ist es auch nur eine Kopfsache, aber wenn sie etwas Gutes bewirkt, dann sei es drum.

Ja und zu guter Letzt hatten wir am Osterwochenende mal wieder einen Turniervorbereitungskurs mit Andreas Windsio. Ich hab mich sehr drauf gefreut, denn bei Andreas ist es sehr abwechslungsreich und er geht auf die individuellen Wünsche der Teilnehmer sehr gut ein. Ich wollte dieses Mal nicht alle vier Einheiten auf der Bahn reiten und habe deshalb eine Einheit Bodenarbeit und eine im Gelände angedacht. Wir begannen auf der Bahn und Andreas bestätigte mir, dass Lissy wirklich gut läuft. Das fing ja gut an. Auf dem Video, welches wir machten, sah ich es dann auch selber. Vor allem war ich dieses Mal in der Lage es zu sehen und trug keine Ehrgeiz-Scheuklappen, wie beim letzten Kurs. Am Nachmittag zeigte Andreas mir dann die Grundzüge des Longierens, wie ich es mir gewünscht hatte. Das klappte überraschend gut und ich war ganz angetan davon, wie aufmerksam Lissy bei der Sache war. Selbst als sein Kumpel sich losriss und an uns vorbei lief (Wir longierten zu zweit), ließ er sich nur ganz kurz ablenken und war auf kurzen Zuruf wieder bei mir und bei der Arbeit.

Am nächsten Vormittag ritt ich dann ein anderes Pferd um mal an meinem Sitz zu arbeiten und das klappte auch sehr gut, denn ich kannte die Stute schon und war sie bereits ein paar Mal geritten. Kylja ist ein Schatz und war mir ein gutes Lehrpferd. Am Nachmittag ging es dann noch einmal mit Lissy auf die Bahn und auch dieses Mal zeigte er sich total leistungsbereit und lief traumhaft schön. Ins Gelände gingen wir dieses Mal nicht, aber das ist nur aufgeschoben für den nächsten Lehrgang. Sehr zufrieden ging der Kurs für mich zu Ende.

Letzte Woche nun begannen meine eigenen Turniervorbereitungen, denn ich musste mich entscheiden, welche Prüfungen ich reiten möchte und anfangen, dafür ein wenig zu üben. Ich habe mich entschieden, dieses Mal in der Geschicklichkeit zu starten, denn das ist einfach unsere beste Disziplin. Dazu kommen dann noch die einfache Gehorsamsprüfung, die mir immer viel Spaß macht und als Bahnprüfung die Best of Dreigang, in der wir letztes Mal richtig gut waren für unsere Verhältnisse. Als Bonbon möchte ich in der Reiterprüfung für Erwachsene starten und hoffe, es finden sich genug Teilnehmer. Wir lassen es also ganz gemütlich angehen.

So, das war ein großes Update dieses Mal und ich hoffe, ich schaffe es nächstes Mal, früher weiter zu schreiben.

 

Bitte hinterlasst uns doch einen virtuellen Hufabdruck im Gästebuch, wir freuen uns über Grüße und Feedback!

Alles Liebe,

Petra und Lissy

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